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Meldung vom 22.12.2011
Deutsche Familienunternehmen für den Weltmarkt erstaunlich gut gerüstet
Im achten Band der WIFU-Schriftenreihe untersucht Katharina Wolf die Internationalisierungsstrategien von deutschen Familienunternehmen.
Weder theoretisch noch praktisch weiß man viel darüber, wie Familienunternehmen sich am Weltmarkt platzieren und behaupten können. „Familienunternehmen planen ihre Internationalisierungsstrategien selten ganz bewusst strategisch, sondern solche Prozesse sind in aller Regel opportunitätsgetrieben“, beurteilt Prof. Dr. Rudolf Wimmer die Lage. Seine Doktorandin Katharina Wolf hat daher im achten Band der Schriftenreihe des Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) die Vorgehensweise deutscher Familienunternehmen beim Internationalisierungsprozess untersucht.
Am Ende kommt sie (neben der wissenschaftlichen Diskussion der gängigen Theorien) zu konkreten Handlungsempfehlungen:
- Jedes Unternehmen muss sich selbst aufrichtig befragen, ob es das „Risiko Weltmarkt“ auf sich nehmen will und ob es dazu eine Strategie gibt. In diese Entscheidung sollten viele Hierarchiestufen eingebunden werden, denn der Prozess der Willensbildung hilft, spätere Rückschläge firmenintern zu verkraften.
- Erfolge, Niederlagen, andere Kulturen, andere Mentalitäten – all diese Erfahrungen kann das Unternehmen nur nutzen, wenn sie im Betrieb weitergegeben werden. Erfahrungen machen ist gut, sie ins Unternehmen rückkoppeln besser.
- Neue Abläufe, andere Wünsche der Kunden, kulturelle Aspekte – nur wer offen dafür ist, kann am Markt bestehen. Wer davor zurückscheut, ist am falschen (Handels-)Platz.
- Internationalisierung fängt in der eigenen Firma an: Übernationales Denken muss man fördern, z.B. bei der Entwicklung eines neuen Produktes oder indem man F&E-Abteilungen gleich im Ausland ansiedelt.
- Auslandseinheiten werden von Familienunternehmen oft sehr zentral geführt. Sie brauchen aber auch Spielraum, um auf dem Auslandsmarkt zu reagieren.
- Nur dauernde Innovationen sichern den Wettbewerbsvorteil des eigenen Unternehmens, auf gemachten Entwicklungen ausruhen kann sich keiner.
- Keiner kann alles wissen, wer ins Auslandsgeschäft einsteigen will, braucht schlaue Freunde: Netzwerkpartner, öffentliche Stellen und Internet können helfen. Aber nur dem, der auch flexibel reagieren kann.
Zum Hintergrund:
Obwohl Familienunternehmen das Rückgrat vieler Volkswirtschaften bilden, wird deren Bedeutung in der Öffentlichkeit häufig unterschätzt. Nach einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn sind in Deutschland 95% aller Unternehmen familiengeführt. Angesichts dieser Tatsache ist es erstaunlich, dass die Forschung im Bereich Familienunternehmen, speziell im Hinblick auf Internationalisierung, noch in den Kinderschuhen steckt. Die bisherige Internationalisierungsforschung basiert hauptsächlich auf Untersuchungen von börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen. Noch kaum erforscht sind im Gegensatz dazu die spezifischen Internationalisierungsmuster von Familienunternehmen, die sich durch die Kopplung und Koevolution der Teile Familie, Unternehmen und Eigentum durch für sie charakteristische Eigenschaften unterscheiden.
Das Buch kann unter www.eul-verlag.de bestellt werden.
ISBN: 978-3-8441-0084-6



