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Eindrücke von der Tagung (Foto: Nico Joana Weber)

Meldung vom 11.09.2012

Hilfsorganisationen bald ohne Helfer?

Ein gemeinsames Symposium von Uni Witten/Herdecke und Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes fand im September in Berlin statt.


Zum Thema „Hilfsorganisationen bald ohne Helfer?“ waren am 10. und 11. September 2012 Vertreter aller Hilfsorganisationen, des Technischen Hilfswerks, der Feuerwehr sowie Vertreter der Bereiche Politik, Wissenschaft und Gesellschaft im Bärensaal in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport in Berlin versammelt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange von der Universität Witten/Herdecke diskutierte die prominent besetze Runde die zukünftige Rolle des Ehrenamts im deutschen Bevölkerungs- und Katastrophenschutz im Lichte der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse. Problematisiert wurde die Tatsache, dass ein starker Rückgang an ehrenamtlichen Helfern zu verzeichnen ist. Dabei ging es sowohl um die Erörterung von Umständen, denen dies geschuldet ist, als auch um die Entwicklung von Zukunftsperspektiven und Lösungsansätzen.

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange, Inhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Sicherheitsforschung und Sicherheitsmanagement an der Universität Witten/Herdecke, bekräftigte Dr. h.c. Rudolf Seiters (Bundesminister a.D. und Präsident des Deutschen Roten Kreuz) die Wichtigkeit des Ehrenamts für die Gesellschaft. Dem pflichteten auch Senator Frank Henkel in seiner Begrüßung und Norbert Seitz (Abteilungsleiter Krisenmanagement im Bundesministerium des Innern) in seinem Vortrag zur Rolle des Ehrenamts für die Gesellschaft bei.

Dr. Andreas Pagiela moderierte das Podiumsgespräch zwischen den Bundestagsmitgliedern Dr. Konstantin von Notz (B90/Die Grünen), Gerold Reichenbach (SPD) und Florian Bernschneider (FDP) zur politischen Perspektive auf das Ehrenamt.

„Früher“, so Gerold Reichenbach, „hat das Ehrenamt nach Feierabend stattgefunden. Heute gerät es in Konflikt mit zunehmend flexibler werdenden Arbeitszeiten. Ehrenamtliche Tätigkeiten der eigenen Arbeitnehmer sind bei Unternehmen nicht mehr gerne gesehen. Das muss sich ändern“. Florian Bernschneider sieht hier ebenfalls Handlungsbedarf: „Unternehmen sollten ein Arbeitszeitmodell anbieten, das sich mit der Ausführung einer ehrenamtlichen Tätigkeit vereinbaren lässt.“ Dass aber auch die Politik nachlegen muss, betonte Dr. Konstantin von Notz: „Auch die Politik muss vorarbeiten und darf nicht erst warten, bis der Ernstfall eingetreten ist.“

Der Umgang mit den Auswirkungen des demografischen Wandels sorgte ebenfalls für Diskussionsstoff. Prof. Dr. Gerhard Naegele (Institut für Gerontologie an der TU Dortmund) sieht großes Potential in den „jungen Alten“ für den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Dem stimmte auch Dr. Thieß Petersen von der Bertelsmann Stiftung zu: „Es wird bald Konkurrenz um die ,jungen Alten’ geben, denn auch die Unternehmen in der Wirtschaft werden auf diese Gruppe abzielen. Insgesamt werden die Humanressourcen für den Bevölkerungsschutz zurückgehen und damit auch der Bevölkerungsschutz selbst.“ Dr. Wolfram Geier (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) sieht damit die Frage nach der Zukunft des Ehrenamts auch an eine Grundsatzfrage gekoppelt: „Welchen Bevölkerungsschutz wollen wir, müssen wir und können wir uns leisten.“

Am Folgetag wurde die Sichtweise der im Bevölkerungsschutz aktiven Organisationen sowohl durch Vorträge als auch im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema „Künftige Herausforderungen an das Ehrenamt“ aufgegriffen. Dabei kamen Vertreter sämtlicher Organisationen zu Wort. Am Nachmittag  standen die Themen „Ehrenamt und Migration“ sowie Prozesse und Ergebnisse laufender Forschungsaktivitäten auf dem Programm.

Das Symposium wurde gemeinschaftlich ausgerichtet durch das Deutsche Rote Kreuz und den Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Sicherheitsforschung und Sicherheitsmanagement der Universität Witten/Herdecke.

Zusätzliche Information

Kontakt

Universität Witten/Herdecke
Tel.: +49 (0)2302 / 926-0

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