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Prof. Dr. Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft

Meldung vom 03.09.2010

Stifterverband begrüßt nachgelagerte Studiengebühren

Generalsekretär Andreas Schlüter: "Jetzt studieren und später zahlen ist ein faires Modell. Die Universität Witten/Herdecke praktiziert das schon seit Jahren vorbildhaft."


Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft macht sich für nachgelagerte Studiengebühren stark. Generalsekretär Prof. Dr. Andreas Schlüter sagt dazu: "Das Zahlen nach dem Studium ist eine gute Alternative. Sei es in Form von nachgelagerten Studiengebühren, sei es in Form einer Akademikersteuer. Die Studierenden zahlen für ihr Studium in dem Augenblick, in dem sie von ihm profitieren. Und wenn sie nicht profitieren, weil ihr Einkommen zu niedrig ist, zahlen sie auch nicht. Das ist fair."

Dieses Modell praktiziert die Universität Witten/Herdecke seit 1995 mit großem Erfolg: Die Studierenden zahlen über einen vorher vertraglich vereinbarten Zeitraum einen ebenfalls vereinbarten Prozentsatz ihres dann erzielten Einkommens. "Damit ist gewährleistet, dass niemand finanziell überfordert wird. Wer viel verdient, zahlt auch mehr zurück als jemand, der nicht so viel verdient. Und jedem steht frei, im Anschluss an das Studium in die Entwicklungshilfe zu gehen oder eine Familienphase einzuschieben - wer kein Einkommen hat, zahlt auch nicht zurück", beschreibt Gero Niggemeier von der Studierendengesellschaft den "umgekehrten Generationenvertrag". Die Studierendengesellschaft wird von den Studierenden der Universität Witten/Herdecke selbst betrieben. Sie wickelt den Zahlungsverkehr ab und entwickelt das Modell im Sinne einer elternunabhängigen Bildungsgerechtigkeit weiter. "Unser Modell ist seit 15 Jahren erfolgreich und ist grundsätzlich auf andere Hochschulen übertragbar; für jeglichen Diskurs stehen wir (mit unserer Erfahrung) gerne zur Verfügung" so Niggemeier weiter.

"Damit hat die Universität Witten/Herdecke ein Vorbild geschaffen, das niemanden vom Studium ausschließt. Das könnte ein Modell sein, das auch bundesweit diskutiert werden sollte", bewertet Schlüter das Wittener Verfahren. Er befürchtet einen massiven Einbruch in der Hochschulfinanzierung, wenn jetzt Nordrhein-Westfalen dem Weg Hessens und des Saarlandes folgt und die Studiengebühren wieder abschafft. "Dass die klammen Bundesländer den Gebührenausfall dauerhaft aus ihren Budgets ausgleichen werden, daran sind erhebliche Zweifel angebracht. Umso wichtiger sind brauchbare Alternativen", meint Schlüter. Die in den Jahren 2006 und 2007 in sieben Bundesländern eingeführten Studiengebühren brachten den Hochschulen rund 1,2 Mrd. Euro an zusätzlichen Einnahmen jährlich. Auch über eine Extra-Akademikersteuer von fünf Prozent auf die Einkommen von Hochschulabsolventen, wie sie derzeit in Großbritannien kontrovers debattiert werde, sollte auch in Deutschland diskutiert werden, so Schlüter. Wenn es um die nachhaltige finanzielle Absicherung des deutschen Wissenschaftsstandortes gehe, dürfe es keine Denkverbote geben.

Zusätzliche Information

Kontakt

Universität Witten/Herdecke
Tel.: +49 (0)2302 / 926-0

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