Hans-Joachim Lipps
Institut für Zellbiologie
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Philip Eigen untergräbt in seiner Promotion den Glauben an die Planbarkeit der Zukunft eines Automobilzulieferers. Wichtiger scheint ihm die „Überlebensintelligenz“ des Unternehmens zu sein.
Es hat sich eingebürgert, den Begriff „Strategie“ zu verwenden, wenn es um die Frage geht, wie Organisationen die Komplexität ihrer Umwelt und die Unsicherheit der künftigen Entwicklung reduzieren. Die Strategieentwicklung als Königsdisziplin der Managementlehre bietet zahlreiche Instrumente, die bei dieser Aufgabe Erfolg versprechen. Strategie wird daher oft als etwas angesehen, das ein Unternehmen „hat“ oder „einsetzt“, und seine Überlebenschancen werden von Art, Anzahl sowie der Virtuosität beim Einsatz dieser Instrumente abgeleitet. Legt man diesen Maßstab an kleine Familienunternehmen an, so scheinen diese strategisch minderbemittelt: Statt ausgefeilter Instrumente findet sich schlecht greifbare Intuition von Eigentümerunternehmern, also ihre Überlebensintelligenz, die das Unternehmen sichert. Es ist auf den ersten Blick nicht verwunderlich, dass Intuition und Rationalität als Gegenpole aufgebaut werden und somit Familienunternehmen als strategielos dargestellt werden. Dieses Buch hat zwei Anliegen. Einerseits wird die Trennung zwischen intuitiver und expertenorientierter Strategieentwicklung aufgelöst und ein Strategiebegriff entwickelt, der weder einer Rationalitätsfunktion noch der fatalistischen Einstellung, dass alles kommt, wie es kommen muss, erliegt. Gleichzeitig soll herausgefunden werden, ob kleine Familienunternehmen tatsächlich so strategielos sind. Dazu wurden zahlreiche Eigentümerunternehmer der Automobilzulieferindustrie interviewt. Vor dem Hintergrund teils gnadenloser, aber stabiler Beziehungen zu den großen Playern der Automobilindustrie wird deutlich, wie kleine Familienunternehmen ihre Zukunft gestalten.
Dr. Philip Eigen: Von Intuition und Überlebensintelligenz, Carl-Auer-Verlag, Heidelberg, 2012, ISBN: 978-3-89670-939-4
Der Biochemiker Prof. Dr. Michael Kaufmann und die Molekularbiologin Dr. Claudia Klinger haben im renommierten Springer-Verlag ein Buch zur Funktionellen Genomik herausgegeben. Das Forschungsgebiet der Funktionellen Genomik beschreibt, wann und wo welche Gene gerade aktiv sind. Sie ist daher ein Gebiet der Molekularbiologie, das eine riesige Fülle von Daten produziert.
Seit vielen Jahren beschäftigen sich die beiden bereits mit dem Einsatz des Computers in den Lebenswissenschaften und wurden nun vom renommierten Springer Verlag eingeladen, ein Buch über Funktionelle Genomik herauszubringen. Es ist Anfang des Jahres in der Reihe „Methods in Molecular Biology“ erschienen und ist für Wissenschaftler konzipiert, die solche Techniken in ihrem Labor einführen oder erweitern wollen. Die einzelnen Kapitel des Buches enthalten nach einer kurzen Einführung der Grundprinzipien der einzelnen Verfahren eine ausführliche Darstellung der experimentellen Vorgehensweisen und Auswertemethoden.
Michael Kaufmann, Claudia Klinger: Functional Genomics: Methods and Protocols (Methods in Molecular Biology); Springer New York, 2012, ISBN: 1617794236
Wann sollten Familienunternehmen Geld von Private Equity-Gesellschaften ins Unternehmen holen?
Das Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) hat einen Ratgeber zum Einsatz von externem Kapital veröffentlicht.
Im Februar 2012 ist der Praxisleitfaden „Familienunternehmen und Private Equity“ des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) in Kooperation mit der DZ Equity Partner GmbH erschienen. Darin werden Möglichkeiten aufgezeigt, frisches Kapital über die Aufnahme neuer Gesellschafter zu beschaffen, eine sinnvolle Alternative zur klassischen Fremdkapitalfinanzierung über Banken oder dem Börsengang. Mit Private Equity verfügen Familienunternehmen über eine Finanzierungsalternative, die ihren Handlungsspielraum deutlich erweitern kann. „Es gibt erst wenige Private Equity-Gesellschaften, die Familienunternehmen richtig verstanden haben“, erläutert Dr. Tom A. Rüsen, geschäftsführender Direktor des WIFU. Der neue Partner sollte idealerweise spezifisches Wissen und Verständnis für die Besonderheiten von Familienunternehmen verfügen. „Wichtig ist dabei, dass das Unternehmen den potenziellen Finanzierungspartner vor Vertragsabschluss gut kennenlernt, dessen Erwartungen und Ziele genau prüft und sie gründlich mit den eigenen Vorstellungen abgleicht“, sagt Olivier Weddrien, Geschäftsführer der DZ Equity Partner GmbH. „Wichtig ist zudem, dass die Chemie zwischen den handelnden Personen stimmt. Dies kann einen großen Anteil am Erfolg des gemeinsamen Projekts haben.“
Der Praxisleitfaden zeigt die Bedingungen auf, wann eine Private Equity-Finanzierung für ein Unternehmen wirklich sinnvoll ist und welche Kriterien bei der Auswahl eines geeigneten Partners berücksichtigt werden sollten. Wichtig vor Abschluss der Beteiligung ist, gemeinsam ein einheitliches Verständnis für die gewünschte Weiterentwicklung des Unternehmens zu entwickeln. Hierzu sollte sich die Gesellschafterfamilie Fragen beantworten, die die Auswahl eines geeigneten Partners und die zukünftige Zusammenarbeit erleichtern, wie z.B. gewährt uns die Private Equity-Gesellschaft genug Handlungsspielraum und Eigenständigkeit, passt der Investor wirklich zu unserer Unternehmensphilosophie. Alle wichtigen Elemente der Beteiligung sind in einem Beteiligungsvertrag zu erfassen, von Beginn der Partnerschaft bis zu den gewählten Ausstiegszenarien, damit Private Equity als aktives, intelligentes Kapital genutzt werden kann.
Der Praxisleitfaden Familienunternehmen und Private Equity kann unter www.wifu.de heruntergeladen werden.

Diese umfassende Einführung in den politischen Extremismus geht über eine reine Schilderung der unterschiedlichen Arten des Extremismus weit hinaus. Vielmehr bieten die Autoren einen systematischen Zugang zur Thematik und untersuchen die wesentlichen Fragestellungen. Die Darstellung der Forschungslandschaft und aktueller Konzepte, Theorien und Methoden der Extremismusforschung im ersten Teil dient dem Leser gewissermaßen als Werkzeugkasten. Im zweiten Teil werden unterschiedliche Extremismen – wie z.B. Rechts- und Linksextremismus sowie Religiöser Extremismus – klassifiziert und erklärt.
Astrid Bötticher: Extremismus: Theorien - Konzepte - Formen, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2012, ISBN: 3486597930

Hierin beschreibt Prof. Vogd, dass die Bezugsprobleme der modernen Medizin nicht nur in der Frage des angemessen Umgangs mit dem kranken Körper liegen. Vielmehr sind im Kontext der modernen Krankenbehandlung neben rechtlichen, wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Erwartungshorizonten eine Reihe weiterer Ansprüche entstanden, die sich mittlerweile als wirkmächtige Semantiken plausibilisiert haben. Agenden wie „Evidence based medicine“, „diagnosis related groups“, „Corporate Identity“, „Kundenorientierung“, „Total Quality Management“, „New Public Management“ formatieren – sobald sie als kommunikative Praxis hinreichend etabliert und institutionalisiert sind – medizinische Praxen in hohem Maße. Als kommunikative Formen treten sie entsprechend einer „Gesellschaft der Gegenwarten“ (Nassehi) parallel und gleichzeitig in Erscheinung, ohne dabei im Sinne einer strengen Kausalität miteinander gekoppelt zu sein.
Unter diesen Bedingungen Kranke zu behandeln, beinhaltet laut Prof. Vogd immer auch, sich den multiplen, überfordernden und untereinander inkommensurablen Ansprüchen der Gesellschaft stellen zu müssen. All dies ist in der Praxis jedoch nur möglich, indem die Krankenbehandlung die an sie gestellten Ansprüche sowohl affirmieren als auch auf Distanz halten kann. Die eigentliche Kulturleistung der Krankenbehandlung besteht hiermit gerade darin – all jene, die nahe genug an der Ausbildung medizinischer Praktiker dran sind, wissen dies schon längst, – die hiermit verbundenen vielfältigen Unsicherheiten durch Kommunikation bewältigen zu können.
Um die Dynamik der hiermit verbundenen Problemlagen in einer zeitgemäßen wie auch auflösungsstarken Weise beschreiben zu können, ist es laut dem Inhaber des Lehrstuhl für Soziologie an der UW/H notwendig, gesellschafts-, organisations- wie auch netzwerktheoretische Perspektiven in die Beschreibung mit einzubeziehen. Dabei zeigen sich mit Blick auf die hieraus ergebenden theoretischen und empirischen Perspektiven fünf unterschiedliche Stränge.
Diese werden zunächst in einführenden Kapiteln getrennt verfolgt, um dann anschließend in übergreifenden gegenstandsbezogen Beschreibungen verzahnt zu werden. Die Zusammenführung der jeweiligen Reflexionsstränge generiert ein differenziertes Bild der Krankenbehandlung der Moderne, das nicht zuletzt erlaubt, ihre gegenwärtigen Krisensymptome verstehen und darüber nachdenken zu können, was dies für die Krankenbehandlung in der nächsten Gesellschaft bedeuten kann.
Die in diesem Buch durchgeführten Reflexionen werden durch Interviewaussagen von Vertretern aus Medizin, Wirtschaft, Politik und den Gesundheitswissenschaften illustriert, um auch auf diesem Wege im Sinne der mit dieser Arbeit angestrebten Multiperspektivität, die Standortabhängkeit der unterschiedlichen Orientierungen zu dokumentieren.
Werner Vogd: Zur Soziologie der organisierten Krankenbehandlung, Velbrück, 2011, ISBN: 3942393174

Der Band versucht eine Synthese von medizinethischer und wirtschaftethischer Analyse, die neue Wege für eine Verbesserung des Gesundheitswesens aufweist. Analysiert wird die Organisationsethik und Professionsethik der ärztlichen Berufe sowie das Abrechnungssystem der Diagnosebezogenen Fallgruppen (DRGs). Untersucht werden die Anreizsysteme, der Wettbewerb und das Qualitätsmanagement von Gesundheitsanbietern und die Privatisierung im Gesundheitswesen.
Klinische Ethik und Wirtschaftsethik müssen in ihren problematischen Spannungen, aber auch sinnvollen Ergänzungsmöglichkeiten zusammen gedacht werden. Ökonomie ist notwendig für das Gesundheitswesen, aber wie viel davon? Die wechselseitige Durchdringung medizinischer, betriebswirtschaftlicher und unternehmerischer Standards und Praktiken ist eine große Chance zur wirksamen Kostendämpfung im Gesundheitswesen, beinhaltet aber auch die Gefahr eines Sinnverlusts des medizinischen Handelns, z.B. der ärztlichen Autonomie und des Vorranges ärztlicher Gesichtspunkte in der Krankenversorgung. Wirtschaftsethik in der Medizin ist in besonderer Weise geeignet die Spannung zwischen wirtschaftlichen und ethischen Imperativen im System der Krankenbehandlung zu klären.
Matthias Kettner, Peter Koslowski: Wirtschaftsethik in der Medizin. Wieviel Ökonomie ist gut für die Gesundheit?, Fink (Wilhelm), 2011, ISBN: 3770551958

Die Ökonomisierung eines gesellschaftlichen Bereichs bezeichnet im allgemeinen Sinne dessen interne Rationalisierung, und spezieller, dessen wirtschaftsförmige Rationalisierung durch Kosten-Ertrags-Kalküle mit echten oder virtuellen Marktpreisen. Ökonomisierungsbemühungen werden zumeist mit dem Streben nach Verbesserung der Qualität im betreffenden Bereich oder mit der Verbilligung ihrer Produktion gerechtfertigt. Für die Kritik an Ökonomisierungsprozessen und ihrer Rechtfertigung dient der Begriff der Kommerzialisierung oft dazu, die Ausbreitung einer ökonomischen Handlungslogik in einem bestimmten gesellschaftlichen Bereich als unpassend oder störend zu bezeichnen. Zwischen Ökonomisierung und Kommerzialisierung bestehen Ähnlichkeiten, aber auch wichtige Unterschiede. Wenn wir es unter der Oberfläche mit verschiedenartigen Prozessen zu tun haben, bleibt die gängige Kritik an "schlechter Kommerzialisierung und Ökonomisierung" ebenso undifferenziert wie die Affirmation beider im Namen der Freiheit der Marktwirtschaft. Es käme vielmehr darauf an, die Unterscheidungsmöglichkeiten zu steigern, um mehr Klarheit über unserer marktwirtschaftlich geprägten Lebensformen zu gewinnen.
Die zwölf Beiträge dieses Buches zeigen, wie zwischen Ökonomisierung und Kommerzialisierung aufschlussreich unterschieden werden kann. Ökonomisierung meint die wirtschaftsförmig effizienzorientierte, Kommerzialisierung die Profit priorisierende Veränderung gesellschaftlicher Bereiche. Demokratie, Medienaufmerksamkeit und der Wissenschaftsbetrieb werden im Licht dieser Differenz ebenso untersucht wie die Werbung, die Wirklichkeit von Non-Profit Organisationen, der Krankenhausbetrieb, die Ideengeschichte des homo oeconomicus, Unternehmensverantwortung und die Sozialutopie einer durch den Geist des Handels befreiten Gesellschaft, einer „commercial society“.
Matthias Kettner, Peter Koslowski: Ökonomisierung und Kommerzialisierung der Gesellschaft. Wirtschaftsphilosophische Unterscheidungen, Wilhelm Fink, 2011, ISBN: 3770551966
Angesichts immer dynamischerer wirtschaftlicher Umfeldbedingungen erscheinen Familienunternehmen vielfach als letzter Hort von Sicherheit und Zuverlässigkeit in Deutschlands Wirtschaftsleben. Stehen doch hinter ihnen keine anonymen Investoren, sondern sichtbare Familien, die oftmals bereits seit Generationen persönlich die Geschäfte des Unternehmens führen. Und doch kann es nach mehreren Generationen dazu kommen, dass die Interessen der Gesellschafter und die des Unternehmens zunehmend auseinander driften bzw. dass innerfamiliäre Konflikte dessen Bestand bedrohen. Hier kann eine Form der Konfliktlösung darin liegen, die Geschicke des Unternehmens in die Hand einer Stiftung zu legen. Dass diese Lösung zunehmend an Attraktivität gewinnt, zeigt die gegenwärtig deutlich steigende Zahl der Stiftungsgründungen.
Eine Stiftungslösung kann unter bestimmten Bedingungen die Arbeitsfähigkeit der Geschäftsführung gewährleisten und zugleich das Unternehmen – wenn auch mit deutlichen Veränderungen – als Familienunternehmen bestehen lassen. Mit den Facetten, die mit dieser Thematik und den damit verbundenen Themen zusammenhängen, befasst sich Tilman Hepperle im sechsten Band der Wittener Schriften zu Familienunternehmen ausführlich.
Seit Mitte 2009 gibt das WIFU eine eigene Schriftenreihe heraus. In den „Schriften zu Familienunternehmen“ werden herausragende Forschungsarbeiten veröffentlicht, die sich wissenschaftlich mit den Besonderheiten dieser Unternehmensform auseinandersetzen, dabei jedoch zugleich sprachlich und stilistisch so formuliert sind, dass sie einem breiten Kreis von Interessierten zugänglich sind.
Tilman Hepperle: Stiftungen als Instrumente zur Lösung von Schnittstellenkonflikten in Familienunternehmen. Eine empirische Untersuchung, Josef Eul Verlag Gmbh, 2011,
ISBN: 384410061X
Prof. Dr. Birger P. Priddat lobt in seinem neuen Buch die Kooperation als Sozialkapital, das weder Kapitaleigner noch Manager, noch Gewerkschaften alleine schaffen können.
„Mitbestimmung als zentrales Instrument der Gewerkschaften ist ja als Bremse für die freie Entscheidung eines Unternehmens verschrien. Ich argumentiere genau anders herum: Sie ist ein Produktivitätsfaktor“, erklärt Prof. Dr. Birger P. Priddat seine Haltung. Die hat er in seinem Buch „Leistungsfähigkeit der Sozialpartnerschaft in der sozialen Marktwirtschaft“ aufgeschrieben. „Die deutsche Wirtschaft lebt von Qualitätsprodukten. Und Qualitätsarbeit, die diese Produkte herstellt, bekommt man nicht von unzufriedenen und missachteten Arbeitnehmern. Darum ist Mitbestimmung ein wesentlicher Faktor für das Wirtschaftswachstum und nicht dagegen“, erläutert er seine Position. Loyale, motivierte und qualifizierte Mitarbeiter schätzen vertrauensvolle kooperative Arbeitsbeziehungen, schreibt Priddat in seinem Buch.
„In der Krise, wenn Firmen sich neu erfinden müssen, hilft Mitbestimmung, den sozialen Frieden zu sichern. Die Unternehmen klagen in der Phase gerne über die Unbeweglichkeit, die ihnen die Mitbestimmung aufzwingt. Aber wenn so ein Prozess der Umstrukturierung dann abgeschlossen ist, fließt die Dividende: Zufriedenere und loyalere Mitarbeiter sind einfach die besseren Voraussetzungen für einen Neuanfang.“ Das Sozialkapital einer Unternehmung, die gelungene Kooperation von Management und Arbeitnehmern, ist ein Vermögen, dessen Wert noch unterschätzt wird.
Birger P. Priddat: Leistungsfähigkeit der Sozialpartnerschaft in der Sozialen Marktwirtschaft. Mitbestimmung und Kooperation, Metropolis, 2011, ISBN: 978-3-89518-862-6
Auf dem Weg zu einer nichtexklusiven Ethik
Markus Dederich, Martin W. Schnell (Hg.)
Schon immer werden Menschen durch kulturelle, gesellschaftliche, ökonomische, politische und andere Strategien ausgeschlossen. Traditionell spielen hierbei das Schulsystem und die Medizin eine zentrale Rolle. Heute kommt auch der Ethik eine wichtige, die Exklusion flankierende Funktion zu – wenn sie etwa als »Bioethik« Theorien hervorbringt, die beanspruchen, den Wert bzw. Unwert von Menschen und ihre Schutzwürdigkeit bestimmen zu können.
Die Beiträger/-innen des Bandes wirken dieser Tendenz entgegen und erkunden – im Sinne einer als Schutzbereich dienenden nichtexklusiven Ethik – neue Zugänge zu Fragen der Gerechtigkeit und der Anerkennung. Dabei werden ethische Alternativen für die Medizin, die Pflegewissenschaft sowie die Heil- und Sonderpädagogik ausgelotet. Der hierzu eingeschlagene differenztheoretische Weg kann als konsequenter und neuartiger Ansatz verstanden werden, Fragen der Ethik auch in Bezug auf ihre konkrete Anwendung zu bearbeiten.
Markus Dederich, Martin W. Schnell: Anerkennung und Gerechtigkeit in Heilpädagogik, Pflegewissenschaft und Medizin - Auf dem Weg zu einer nichtexklusiven Ethik, Transchript Verlag, 2011, ISBN: 978-3-8376-1549-4
Birger P. Priddat
Erschrocken über die Krise der Finanzmärkte, stellen sich allenthalben Fragen zur Leistungsfähigkeit des Kapitalismus. Neben der gewöhnlichen Katastrophenrhetorik zeigt sich, dass der Kapitalismus ein vitales Experiment ist, das immer wieder neue Lösungen wie auch Irritationen erzeugt. Oft urteilen wir nicht komplexitätsgerecht, oft auch nur mit unzureichendem theoretischem Blick. Das vorliegende Buch widmet sich spezifi schen Themen: Komplexität und Regulation / Vertrauen / Spekulation / Wissensgesellschaft / Netzwerkökonomie / Erlösung / Investition und Kapital.
In drei Beiträgen wird verschiedenen Dimensionen des Finanzrausches nachgegangen (Komplexität, Banken, Spekulation), das Verhältnis Kapitalismus/Wissensgesellschaft reformuliert, der Netzwerkkapitalismus untersucht, wie auch der Kapitalismus als Religion, um mit der Frage abzuschließen: wem dienen Unternehmen (eine Neujustierung des Shareholder / Stakeholder-Themas).
Priddat, Birger P.: Zu wenig Kapitalismus? Metropolis, 2011,
ISBN: 3895188379
Birger P. Priddat
Das Buch 'Korruption als Ordnung zweiter Art' analysiert grundlegende Beziehungen illegaler oder korrupter Art als ordungsstiftende Instanzen: politische Klientelstrukturen, Korruption, Mafia, Warlords, Terror. Verschiedene Theoriezugänge werden ventiliert: Sozialkapitaltheorien, System- und Netzwerktheorien, Institutionenökonomie, erweiterte property rights-Konzeptionen, ein Konzept der second life-economy. Mafia, Yakuza und keynianische Politik/Wirtschafts-Korruptionsschnittstellen werden explizite betrachtet. Es geht um die Stabilitätsbedingungen von Korruption und mafiöser Struktur bzw. - unabhängig von ihrer illegalen Päpoderanz - um ihre Leistungsstruktur.
Priddat, Birgert P., Michael Schmid: Korruption als Ordnung zweiter Art, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2011,
ISBN: 3531175939
Stefan Zimmer, A. Rainer Jordan, Sylvia Fresmann
Das von zwei Zahnärzten der UW/H gemeinsam mit einer zahnärztlichen Abrechnungsexpertin verfasste Buch gibt einen umfassenden Überblick über das Thema zahnmedizinische Prävention, ausgehend von den Grundlagen über die zahnmedizinische, organisatorische und ökonomische Umsetzung bis zum Praxismarketing.
Den Autoren war es ein Anliegen, das Thema so praxisgerecht aufzubereiten, dass Praxisneugründer, aber auch jeder Zahnarzt, der Prävention in sein Praxiskonzept einführen möchte, es als Fahrplan verwenden kann.
Das 228 Seiten starke Buch ist erschienen im Zahnärztlichen Fach Verlag, Herne 2011, ISBN 978-3-941169-17-3 und kostet 74,00 €
Stefan Zimmer, A. Rainer Jordan, Sylvia Fresmann: Die Einführung der Prophylaxe in die Zahnarztpraxis, Zahnärztlicher Fach Verlag, 2011, ISBN: 3941169173