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Anthroposophische Medizin - Therapeutische Physiologie
Hintergrund
Neben der Beschreibung der zur Erkrankung führenden Prozesse muss es auch Möglichkeiten geben, die Prozesse zu beschreiben, die zu einer Gesundung führen. Analog muss es zu einer Pathophysiologie eine „Physiologie der Gesundwerdung und -erhaltung“ geben. Da diese Physiologie insbesondere im präventiven und therapeutischen Vorgehen relevant wird, kann sie auch Therapeutische Physiologie genannt werden. In der Anthroposophischen Medizin wird dieser Ansatz explizit mit einbezogen.
Grundlage für die in diesem Sinn gemeinte Therapeutische Physiologie sind die spontanen Oszillationen / rhythmischen Variationen, die von den physiologischen Funktionen im menschlichen Organismus hervorgebracht werden und ein spezifisches Kennzeichen des Lebendigen sind. Neben den spontanen rhythmischen Aktivitäten gibt es auch rhythmische Variationen von physiologischen Funktionen, die durch spezifische Reize, aber auch Krankheitssituationen ausgelöst werden.
Insbesondere der Herzschlag mit seinen rhythmischen Variationen (Herzfrequenzvariabilität) stellt eine Möglichkeit dar, einen wesentlichen Rhythmus im Herz-Kreislaufbereich zu untersuchen. Zudem besitzt er die Eigenschaft, dass er auch rhythmische Variationen anderer Funktionen (insbesondere Atmung und Blutdruckregulation) wiedergeben kann. Die Ausprägung dieser Rhythmen und auch die Verhältnisse dieser Rhythmen untereinander können Aufschluss über die hygiogenetische Potenz des Organismus geben, da sie eine wesentliche Rolle für die Regenerations- und Gesundungsprozesse des Organismus spielen.
Ziele
Dieser Bereich der Grundlagenforschung dient der Analyse der Zeitgestalten einzelner rhythmischer Funktionen wie auch von übergeordneten Zeitgestalten mehrerer rhythmischer Funktionen (Funktionssysteme) als Grundlage der Hygiogeneseforschung. Ein Ziel ist es daher (1) die rhythmischen Variationen von physiologischen Funktionen (insb. Herzschlag Atmung) bei Gesunden und Kranken genauer zu untersuchen, (2) die Erfassung von Veränderungen in z.B. der Herzfrequenz bzw. Herzfrequenzvariabilität im Verlauf therapeutischer Interventionen, insbesondere von Kunsttherapien aus der Anthroposophischen Medizin, so dass Gesundungstendenzen auch in diesen Funktionen festgehalten werden können. Aufbauend auf die Ergebnisse unserer Studien können dann zu diesen Therapien Hypothesen hinsichtlich spezifischer Krankheiten generiert werden. Diese können dann auch Immediat- und Langzeitwirkungen umfassen. Die Überprüfung dieser Hypothesen in Studien mit Patienten ist angestrebt.
Leitung
Dr. rer. nat. Dirk Cysarz (IBAM) und Dr. med. Friedrich Edelhäuser (IBAM)
Eingebundene Personen / Institutionen
intern: Dr. med. Peter Heusser (GKLS), PD Dr. rer. medic. Peter Van Leeuwen (Radiologie)
extern: Dr. med. Georg Seifert (Charité Universitätsmedizin Berlin), Dr. med. Jan Vagedes (Universität Tübingen, Filderklinik Filderstadt), Dr. med. Roland Zerm (Forschungsinstitut Havelhöhe, Berlin), Dr. med. Christoph Kaufmann (Wegman-Klinik, Arlesheim, Schweiz), Dietrich von Bonin (Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin, Universität Bern, Schweiz), Prof. Dr. Maximilian Moser (Institut für Physiologie, Med. Universität Graz, Österreich), Dr. Alberto Porta (Universität Mailand, Italien)
10 wichtige Publikationen
- Van Leeuwen P; Geue D; Thiel M; Cysarz D; Lange S; Romano MC; Wessel N; Kurths J; Grönemeyer D. Influence of paced maternal breathing on fetal-maternal heart rate coordination. Proc Natl Acad Sci USA 2009 106(33): 13661-13666
- Seifert G; Hernaiz Driver P; Pretzer K; Edelhäuser F; Bach S; von Laue HB; Längler A; Henze G; Cysarz D. Effects of complementary eurythmy therapy on heart rate variability. Complement Ther Med 2009 17(3): 161-167
- Cysarz D; Zerm R; Bettermann H; Frühwirth M; Moser M; Kröz M. Comparison of respiratory rates derived from heart rate variability, ecg amplitude and nasal/oral airflow. Ann Biomed Eng 2008 36(12): 2085-2094
- Cysarz D; Von Bonin D; Brachmann P; Buetler S; Edelhäuser F; Laederach-Hofmann K; Heusser P. Day-to-night differences of the correlation between cardiorespiratory coordination and heart rate vari-ability. Physiol Meas 2008 29(11): 1281-1291
- Porta A; Casali KR; Casali AG; Gnecchi-Ruscone T; Tobaldini E; Montano N; Lange S; Geue D; Cy-sarz D; Van Leeuwen P. Temporal asymmetries of short-term heart period variability are linked to au-tonomic regulation. Am J Physiol - Regul Integr Comp Physiol 2008 295(2): R550-R557
- Van Leeuwen P; Cysarz D; Lange S; Grönemeyer D. Quantification of fetal heart rate regularity using symbolic dynamics. Chaos 2007; 17: 015119
- Cysarz D; Lange S; Matthiessen PF; Van Leeuwen P. Regular heartbeat dynamics are associated with cardiac health. Am J Physiol - Regul Integr Comp Physiol 2007 291(1): R368-R372
- Cysarz D, Büssing A: Cardiorespiratory synchronization during Zen meditation. European Journal of Applied Physiology 2005, 95(1): 88-95
- Cysarz D; Bettermann H; Lange S; Geue D; Van Leeuwen P. A quantitative comparison of different methods to detect cardiorespiratory coordination during night-time sleep. BioMed Eng OnLine 2004 3: 44
- Cysarz D; Von Bonin D; Lackner H; Moser M; Bettermann H. Oscillations of heart rate and respiration synchronize during poetry recitation. Am J Physiol - Heart Circ Physiol 2004 287(2): H579-H587
Aktuelle Projekte
- Entwicklung der Herzfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität durch Kindheit und Jugend – Kooperation zwischen IBAM, GKLS, Charité Berlin
- Wirkung von Heileurythmie auf die Koordination der Rhythmen von Herzschlag und Atmung bei Gesunden – Kooperation zwischen IBAM und GKLS
- Wirkung von Sprachtherapie auf Patienten mit Hypertonie – Kooperation zwischen IBAM, GKLS, Wegman-Klinik, Schweiz
- Wirkungen von kalten, thermoneutralen und heißen Vollbädern auf den Herzschlagrhythmus und die Temperaturregulation – Kooperation zwischen IBAM und GKLS
- Entwicklung und Evaluierung von neuen Methoden zur Analyse der Herzschlagdynamik und der kardiorespiratorischen Koordination / Synchronisation – Kooperation zwischen IBAM, GKLS, Radiologie, Uni Mailand


