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Medizinische Anthropologie und Theorie der Medizin
Hintergrund
In mehreren Ländern wurden staatliche oder vom Staat finanzierte Institutionen und Forschungsprogramme initiiert, mit dem Ziel, eine Basis für die evidenzbasierte Erforschung und Anwendung der Komplementärmedizin zu schaffen. Als Konsequenz dieser Entwicklung hat sich die komplementärmedizinische Forschungsbewegung zunehmend in eine Bewegung für Integrative Medizin verwandelt. Die eine Seite dieses Zieles, die evidenzbasierte Prüfung des Nutzens komplementärmedizinischer Verfahren, ist damit in Angriff genommen worden. Die andere Seite der Integration jedoch, die Erarbeitung tragfähiger Konzepte zum gegenseitigen Verständnis und zur konzeptuellen Integration schul- und Komplementärmedizinischer Verfahren ist nahezu unbearbeitet geblieben.
Sich wegleitend für die Ausbildung einer solchen medizinischen Anthropologie und Medizintheorie im internationalen Kontext einzusetzen, wird als besonderen Aufgabe des Lehrstuhls für Medizintheorie, Integrative und Komplementärmedizin gesehen.
Ziele
(1) Identifizierung von Hauptaspekten der medizinischen Anthropologie und Medizintheorie, die für die konzeptuelle Brückenbildung zwischen Schul- und Komplementärmedizin von zentraler Bedeutung sind (u.a. Substanzverständnis, Organismusbegriff, Leib-Seele-/ bzw. Körper-Geist-Interaktion, System- und Emergenztheorie, Ganzheitsbegriff, Konzepte von Gesundheit, Prävention, Krankheit, Therapieprinzipien und Genesung), (2) Interdisziplinäre erkenntniskritische Untersuchung entsprechender Konzepte aus Schul- und Komplementärmedizin sowie Aufsuchen konzeptueller Korrespondenzen oder Unterschiede, (3) Herausarbeitung der Relevanz integrativer Konzepte für die Ausbildung von Medizinstudierenden und Pflegenden, für die praktische Medizin, die ärztliche oder pflegerische Gesinnung, und für die wissenschaftliche Methodologie, und (4) Implementierung geeigneter Resultate in die Ausbildung und Ausbildungsforschung.
Leitung
Dr. med. Peter Heusser (Gerhard Kienle Lehrstuhl, GKLS) und Prof. Dr. med. Arndt Büssing (GKLS)
Eingebundene Personen / Institutionen
intern: Dr. rer. medic. Mathias Bertram (PfleWi), Jean Marie Beuckels (Osteopathie),
Dr. rer. medic. Dirk Cysarz (IBAM), Dr. med. Friedrich Edelhäuser (IBAM), Dr. med. Stefan Kirchhoff (FB Chinesische Medizin), Dr. med. Alfred Längler (GKH), Prof. emer. Dr. med. Peter Matthiessen, (GKLS), PD Dr. rer medic. Thomas Ostermann (GKLS), Christa Raak (GKLS), PD. Dr. Bernd Rosslenbroich (Inst. für Evolutionsbiologie und Morphologie), Prof. Dr. Wolfgang Schad (em., Inst. für Evolutionsbiologie und Morphologie), Dr. med. Christian Scheffer (IBAM), Prof. Dr. Wilfried Schnepp (Pflegewissenschaft), Diethard Tauschel (IBAM)
extern: Dr. rer. nat. Stephan Baumgartner, Universität Bern (CH), Prof. Dr. Dr. phil. Harald Walach, University of Northampton (GB), Dr. med. Gunver Kienle und Dr. med. Helmut Kiene, Inst. für angewandte Erkenntnistheorie und Med. Methodologie IFAEMM, Bad Krotzingen, Dr. med. Patrick Mansky, Green Bay, Wisconsin (USA), Prof. Dr. med. Peter Selg, Ita Wegman Institut, Arlesheim (CH), Dr. rer, nat. Johannes Wirz, Forschungsinstitut am Goetheanum, Dornach (CH), Dr. med. Ursula Wolf, Universität Bern (CH), Dr. rer. nat. Renatus Ziegler, Verein für Krebsforschung, Arlesheim (CH)
10 wichtige Publikationen
- Heusser P, Kienle G. Anthroposophic Medicine, Integrative Oncology, and Mistletoe Therapy of Cancer. In: Abrams D, Weil A (Eds): Integrative Oncology. Oxford University Press, New York, 2009: 322-340
- Heusser P: Trinitarisch und tetraktisch, nicht dualistisch oder monistisch: die physische Organisation des Menschen. In: Thurneysen A. Kontraste in der Medizin – Zur Dialektik gesundheitlicher Prozesse Bd. 12: Komplementäre Medizin im interdisziplinären Diskurs. Bern, Peter Lang, Bern 2008: 103-124
- Matthiessen PF: Pluralität – auf dem Weg zur Integrativen Medizin? Forsch Komplementmed. 2008;15(5):248-50.
- Büssing A: Heilung als Prozess des Werdens. In: Biendarra I, Weeren M (eds.): Gesundheit – Gesundheiten? - Eine Orientierungshilfe. Verlag Königshausen und Neumann 2008; S. 169-176
- Heusser P. Anthroposophic Concepts of Pain. In: Ernst E, Pittler M. H, Wider B (Eds.). Complementary Therapies for Pain Management. An Evidence-Based Approach. Elsevier, Mosby, 2007: 57-61
- Matthiessen, PF: Zur Verschränkung von Pathogenese und Salutogenese. In: Streit E. und Rist L (Hrsg.); Ethik und Wissenschaft in der anthroposophischen Medizin. P. Lang Verlag, Bern 2007
- Matthiessen PF, Wohler D.(Hrsg.) (2006), Die schöpferische Dimension der Kunst in der Therapie. VAS, Frankfurt am Main (2006)
- Matthiessen PF.: Ärztliche Praxis und wissenschaftlicher Status der Medizin, Forsch.Komplementärmed 2006; 13:136 -139
- Heusser P. Goethes Wissenschaftsmethode und die moderne Medizin. In: Stulz P, Nager F, Schulz P (Hrsg). Literatur und Medizin. Zürich, Chronos, 2005: 23-38
- Willich SN; Girke M, Hoppe JD, Kiene H, Klitzsch W, Matthiessen PF, Meister P, Ollenschläger G, Heimpel H: Schulmedizin und Komplementärmedizin: Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden. Dtsch Arztebl 2004; 101, A-1314-1319 [Heft 19]
Aktuelle Projekte
- Identifizierung von Hauptaspekten der medizinischen Anthropologie und Medizintheorie, die für die konzeptuelle Brückenbildung zwischen Schul- und Komplementärmedizin von zentraler Bedeutung sind – Kooperation zwischen GKLS, PfleWi, IBAM, Universität Bern
- Der Beitrag der Erkenntniswissenschaft im Sinne Goethes und Steiners für eine moderne medizinische Anthropologie und Medizintheorie: Substanzverständnis, Organismusbegriff, Leib-Seele-Geist-Konzept, Gesundheits- und Krankheitsbegriff, therapeutische Wirkprinzipien – Kooperation zwischen GKLS UW/H, Inst. Evol. Biol. UW/H, Universität Bern, Forsch. Inst. am Goetheanum
- Die Bedeutung des Bezugs zwischen Goethes Morphologie und der neueren Selbstorganisationstheorie für den modernen Organismusbegriff – Kooperation zwischen GKLS UW/H, Inst. Evol. Biol. UWH, Universität Bern, Forsch. Inst. am Goetheanum


