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Integrative und personalisierte Gesundheitsversorgung (IPGV)
Forschungsschwerpunkt der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke
(P. Heusser et al. für die AG IPGV, 20.9.2010)
Die Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke konzentriert ihre Forschungsaktivitäten im Forschungsschwerpunkt Integrative und Personalisierte Gesundheitsversorgung. Dazu tragen derzeit 42 durch Drittmittel geförderte Projekte aus Grundlagenforschung, klinischer Forschung, Forschung im Bereich der Zahn-, Mund und Kieferheilkunde, Versorgungsforschung, Ausbildungsforschung und aus den drei thematischen Bereichen (Trauma; Pflege und Demenz; Komplementäre und Integrative Medizin) bei.
Integrativ bedeutet im Hinblick auf eine patientenzentrierte Gesundheitsversorgung die sinnvolle Integration unterschiedlicher Formen der Medizin [1] unter Betonung der Arzt/Patienten-Beziehung, eines allseitigen Blicks auf den Patienten, einer wissenschaftlichen Fundierung und einer interpro-fessionellen Arbeitsweise: „Integrative Medizin (IM) ist die Praxis der Medizin, die die Bedeutung der Beziehung zwischen Arzt und Patienten betont, sich auf die ganze Person fokussiert, sich auf Evidenz stützt und alle relevanten therapeutischen Möglichkeiten, Gesundheitsberufe und –disziplinen nutzt, um optimale Gesundheit und Heilung zu erreichen.“ [2]
Personalisierte Medizin (PM; Synonym Individualisierte Medizin) bezieht sich zunächst auf die therapeutische Nutzung individueller Variationen genetischer und molekularbiologischer Ausprägungsmerkmale [3], [4]. Durch die Verbindung mit der IM wird die PM explizit im Sinne einer humanistischen Bedeutung erweitert. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass Menschen als Personen nicht nur durch molekularbiologische Varianten, sondern umfassender als Individuen im Gesamtzusammenhang ihrer biologischen, psychologischen, geistigen, sozialen, ökonomischen, kulturellen und spirituellen Dimensionen verstanden werden können [5], [6]. In diesem Sinn wird die Berücksichtigung des Persönlichen und Individuellen als ein Kernelement einer modernen patientenzentrierten Gesundheitsversorgung verstanden [7].
Der Ausdruck Gesundheitsversorgung verdeutlicht, dass der gewählte Forschungsschwerpunkt nicht nur das Vorbeugen, Erkennen und Behandeln von Krankheiten und Traumata, sondern auch die Förderung und Erhaltung von Gesundheit betrifft und neben den individuellen Perspektiven auch die Funktionalität von Gesundheitssystemen umfasst. Damit wird das gesamte Spektrum der Gesundheitsversorgung von der Gesundheitsförderung und Prävention über die kurative und rehabilitative bis zur palliativen Versorgung einbezogen. Auch die dazu notwendigen Formen des Zusammenwirkens der verschiedenen Gesundheitsberufe in einer zukünftigen Gesundheitsversorgung unter den Aspekten demographischen Wandels, ökonomischer Ressourcen und individueller Autonomie sind Gegenstand dieses Forschungsschwerpunktes.
[1] D. G. S. Thilo-Körner: Naturheilkunde im Rahmen der integrativen Medizin: ein zukunftsorientiertes Konzept. Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren 1994; 35: 613-626
[2] Consortium of Academic Health Centers for Integrative Medicine 2004, www.imconsortium.org, übersetzt von E. G. Hahn
[3] Hempel, Ulrike. Personalisierte Medizin I: Keine Heilkunst mehr, sondern rationale, molekulare Wissenschaft. Deutsches Ärzteblatt 2009; 106(42): A-2068
[4] Zukunftsreport des Büros für Technikfolgenabschätzung (TAB): „Individualisierte Medizin und Gesundheitssystem“, Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/120/1612000.pdf).
[5] G. Dörner, K.D. Hüllemann, G. Tembrock, K.F. Wessel, K.S. Zänker (Hrsg.): Menschenbilder in der Medizin, Medizin in den Menschenbildern. Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie & Humanontogenetik, Band 16, Kleine Verlag, Bielefeld, 1999
[6] R. Kipke: Mensch und Person. Logos Verlag, Berlin 2001
[7] E. G. Hahn: IndividualMedizin in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung. In: R. Jütte (Hrsg.) Die Zukunft der IndividualMedizin. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2009, S. 55-65


