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Allgemeinmedizinische und familienmedizinische Lehre

„Hausarztschmiede“ oder Lernen an der Realität?

Hohe Bildung ist „die Verknüpfung von theoretischem Wissen mit Erfahrung bei gleichzeitigem Verfügen über soziale Kompetenzen und Gemeinsinn“ (Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin seit 2007)

Neunzig Prozent der Patientenversorgung findet im ambulanten Bereich statt, der größere Teil davon in der Primärversorgung. In der üblichen medizinischen Ausbildung aber spielt sich fast die gesamte praxisbezogene Lehre im Krankenhaus ab, oft in hoch spezialisierten Universitätskliniken.

Das Ziel der allgemeinmedizinischen Ausbildung im Modellstudiengang der Universität Witten/Herdecke ist die Befähigung der Studierenden zu einer selbstständigen reflektierten Patientenversorgung in einer lebendigen Patient-Arzt-Beziehung unter kritischer Bewertung diagnostischer und therapeutischer Ressourcen im jeweiligen Setting, eigener Grenzen und evidenzbasierten Wissens etwa in Form von Leitlinien.

Basis der allgemeinmedizinischen Lehre im Modellstudiengang ist ein Adoptionsprogramm (Blockpraktikum) mit aufeinander aufbauenden Praxisblöcken in allgemeinmedizinischen Akademischen Lehrpraxen oder gleichwertigen Einrichtungen vom 1. bis zum 9. Semester.
Zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihrer Ausbildung können die Studierenden so ihre wachsenden Kenntnisse und Fertigkeiten und ihre sich entwickelnde Haltung im realen Patientenkontakt in Form des Spirallernens trainieren. Zudem sehen sie, wieweit Empfehlungen und Vorstellungen aus der stationären Versorgung in der wohnortnahen, ambulanten Betreuung überhaupt angemessen und umsetzbar sind. Sie lernen einzuschätzen, welche Häufigkeit die in der Ausbildung gelernten und in den spezialisierten Kliniken gesehenen Krankheitsbilder tatsächlich in der Gesamtbevölkerung haben. 

Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt "Allgemeinmedizin im Studium"

Zu jedem Praxisblock gibt es spezifische Aufgaben in einem Portfolio für Studierende und Informationen für Lehrärzte. Die Aufgaben im Portfolio der allgemeinmedizinischen Praxisblöcke beziehen sich auf die im Gesamtcurriculum Medizin gerade erlernten theoretischen und praktischen Fertigkeiten. Das Adoptionsprogramm wird durch Seminare am Campus vom 1. bis zum 4. Semester ergänzt, die die Themen der POL-Fälle des Studiums aufnehmen und darin enthaltene Aspekte der Primärversorgung mit den Studierenden vor dem Hintergrund ihrer praktischen Erfahrungen aus den Blockpraktika diskutieren.
Zudem kann wahlweise ein Tertial des Praktischen Jahres in speziell akkreditierten PJ-Lehrpraxen absolviert werden.

Die Familienmedizin nimmt einen wichtigen und eigenständigen Bereich innerhalb des Faches Allgemeinmedizin ein; sie hat dank ihrer integrativen Betrachtungsweise die Patienten in ihrer Gesamtheit und in ihrem sozialen Lebensumfeld im Blick.

Im Bereich der Forschung verknüpft sich die allgemeinmedizinische Lehre mit dem Forschungsschwerpunkt Integrative und personalisierte Gesundheitsversorgung“ der Fakultät für Gesundheit.

Wir wollen mit diesem Ausbildungsprogramm unsere Studierenden rechtzeitig auf die zukünftigen Herausforderungen der Gesundheitsversorgung vorbereiten:
Die Zahl älterer, chronisch kranker, behandlungsbedürftiger Menschen in unserer Gesellschaft wächst und die Liegezeiten in den Krankenhäusern werden zunehmend kürzer. Es ist deshalb zu erwarten, dass der Allgemeinarzt in unserem Gesundheitswesen zukünftig eine noch zentralere Rolle für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung einnehmen wird. Ziel der Ausbildung ist aber nicht die Heranbildung von zukünftigen Hausärzten, sondern die Erweiterung des medizinischen Horizontes aller angehenden Ärztinnen und Ärzte um wohnort- und alltagsnahe, das soziale und familiäre Umfeld der Menschen einbeziehende Versorgungsaspekte der ärztlichen Tätigkeit.

Das Längsschnittcurriculum Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke ist ausgerichtet an den Empfehlungen der European Academy of Teachers in General Practice/Family Medicine (EURACT) in der Agenda zur Aus- und Weiterbildung in Allgemeinmedizin und Familienmedizin 2005:

http://www.euract.org/upload/file/200911/the_euract_educational_agenda.pdf

Das Adoptionsprogramm in den Akademischen Lehrpraxen ist abgestimmt auf die EURACT Checklist for Attachment Program Organisers:

 

www.euract.eu

 

Familienmedizin: www.familien-medizin.org

Zusätzliche Information

Kontakt

Anke Kettermann
Sekretariat
Sekretariat
Tel.: +49 (0)2302 / 926-741

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