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Medizinstudium an der Uni Witten/Herdecke: Lernen an praktischen Fällen in Kleingruppen

Meldung vom 13.09.2010

Ärztemangel mit praxisnahem Studium entgegenwirken

Die Universität Witten/Herdecke stellt am 16.9. um 11.30 Uhr das neue Lern- und Prüfungszentrum der Fakultät für Gesundheit (LUPE) vor: Lernen und Prüfen unter Praxisbedingungen


Mit dem Lern- und Prüfungszentrum stellt die Universität Witten/Herdecke ein Herzstück des Medizinstudiums vor: Ein Gebäudetrakt ist dafür umgebaut worden. "Das Medizinstudium an der Universität Witten/Herdecke hat vom ersten Semester an mit Patienten und Medizin zu tun", betont Dekan Prof. Dr. Eckhart G. Hahn. Die Erstsemester begleiten regelmäßig niedergelassene Ärzte in deren Sprechstunden, um den Alltag kennen zu lernen. "In der Ausbildung arbeiten wir mit Simulationspatienten, die von den Studierenden untersucht werden bzw. mit denen unter Videobeobachtung auch schwierige Gespräche geübt werden: Wie teile ich jemandem eine schwere Krankheit mit? Wie spreche ich so, dass der Patient mich versteht, vielleicht bereit ist, für ein Leben mit einer chronischen Krankheit, liebgewordene Gewohnheiten zu ändern?"

Mit diesem hohen Praxisanteil will die Universität Witten/Herdecke dem stärker werdenden Ärztemangel entgegenwirken. Wer schon im Studium viele Fähigkeiten im Umgang mit Patienten erworben hat, weiß was ihn nach dem Studium erwartet. "Aus einer Befragung wissen wir, dass überdurchschnittlich viele unserer Absolventen wirklich als Ärztinnen und Ärzte in Deutschland arbeiten und nicht in andere Länder oder andere Berufe abwandern." Für Dekan Eckhart G. Hahn ein deutliches Zeichen dafür, dass er eingeschlagene Weg der richtige ist. "Wir vermitteln auch das theoretische Wissen mit Bezug zur Praxis: Im Problem-orientierten Lernen erarbeiten sich die Studierenden das nötige Wissen in Kleingruppen selbständig an Fallbeispielen", beschreibt Hahn eine Besonderheit des Wittener Modellstudiengangs.

Ein Beispiel: Unter Aufsicht eines Tutors sitzen sechs Studierende über einem Papier: In wenigen Zeilen ist beschrieben, dass Anni König (74) in ihrer Wohnung über eine Teppichkante gestolpert ist. Sie liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden, das rechte Bein ist ungewöhnlich nach außen verdreht. Sie klagt über starke Schmerzen im Oberschenkel." So begann lange Jahre die erste Stunde Medizin im ersten Semester: Was kann passiert sein, welche Untersuchungen sind nötig, um die ersten Vermutungen zu stützen? Warum zeigt ein Röntgengerät die Knochen, aber nicht die Bänder? Warum passiert so ein vermuteter Oberschenkelhalsbruch öfter älteren Menschen? Welche Unterstützung kann Anni König nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bekommen? Ein scheinbar einfacher Fall, der viele Lernchancen bietet. Die müssen sich die Studierenden im Selbststudium mit Unterstützung durch Tutoren und Dozenten erarbeiten. Nicht zuletzt, um sie auf die dauernde Fortbildung nach dem Studium vorzubereiten. "In der Medizin besteht ein rascher Wissenszuwachs. Standardmethoden, die ich zu Beginn des Studiums erlerne, können am Ende des Studiums schon überholt sein. Darum müssen sich Ärzte ständig fortbilden und das üben wir von Anfang an ein", erläutert Hahn die Methode.

Und so praktisch wie das Lernen sind auch die Prüfungen in Witten angelegt: Auf einem Zettel an der Tür steht der Name des Patienten und sein klinisches Problem. Der Studierende muss den Schauspieler-Patienten in vorgegebener Zeit befragen, untersuchen oder behandeln. Ein Prüfer hakt auf einer Checkliste ab, was der Prüfling richtig macht und was nicht. Eine Prüfung, die abbildet, wie es nach dem Studium in der Praxis oder der Klinik zugeht. "Nach einer Studie des INCHER-Instituts der Uni Kassel fühlen sich Ärzte auch nach zwei Jahren Berufspraxis in 44 von 46 Fähigkeiten, die für die Berufsausübung zentral sind, unzureichend ausgebildet. Das wollen wir unseren Studierenden mit unserem Ausbildungsweg ersparen", begründet Hahn den hohen Aufwand an Betreuung. "Wir wählen unsere Studierenden selber aus, weil wir Persönlichkeiten suchen, die nach dem Studium wirklich Menschen helfen wollen und sich nicht von den Bedingungen im Gesundheitswesen unterkriegen lassen."

Hinweis an die Redaktionen: Fototermin um 11.30 Uhr in der Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str.50, Treffpunkt an der Drehtür.
Wir laden Sie ein, eine Prüfung, eine Untersuchung und ein Seminar zu besuchen - nach Absprache gerne auch im Selbstversuch - und sich ein eigenes (Reportage-)Bild vom Medizinstudium an der Universität Witten/Herdecke zu machen.

 

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Eckhart G. Hahn, 02302/926-700, Eckhart.Hahnwe dont want spam@no spamuni-wh.de,
http://www.uni-wh.de/gesundheit/modellstudiengang-medizin/lehre/

Zusätzliche Information

Kontakt

Dr. Eric Alexander Hoffmann
Abteilungsleiter
Hochschulsprecher
Tel.: +49 (0)2302 / 926-808

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