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ADD ACTION

Schon lange wird von vielen Seiten gefordert, das Thema Gesundheit früh in die Schulausbildung zu integrieren: Studierende unternehmen mit dem Projekt Add Action einen ersten Schritt: Mit vielseitigen Aktionen in Schulen wollen sie versuchen, den steigenden Zahlen von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken.

Sechs Prozent der Kinder in Deutschland sind adipös, also schwer übergewichtig, weitere 15 Prozent sind gemessen am Body-Mass-Index übergewichtig, sagt die Statistik. „Wir sehen die Gründe einerseits bei der Ernährung mit Fast-Food- und Fertiggerichten, andererseits in der bewegungsarmen Freizeitgestaltung“, erklärt Timo Deba den gesellschaftlichen Hintergrund für die von ihm gegründete Gruppe „Add Action“. 34 Studierende gehen in Schulen und versuchen, die Kinder zu motivieren – zu mehr körperlicher Aktivität und zu gesünderer Ernährung. „Wir bieten unbekannte und doch spannende Spiele an, in der Halle, aber auch draußen. Denn das können wir auch ohne großen finanziellen Aufwand und ohne spezielle Ausbildung bieten – Spaß an der Bewegung“, schildert Deba den Ansatz.

Add Action hat sein Angebot an einem Wittener Gymnasium gestartet, mittlerweile aber in eine Bochumer Hauptschule verlagert. Beachvolleyball, Klettern, Tennis, Rugby – oder auch Schauspielern, Sinnes-Parcours und Selbstverteidigung – das sind einige der möglichen Sportarten. Viele Kinder bekommen weder im normalen Schulsport noch zu Hause dazu die Gelegenheit. Und so sind die Voraussetzungen bei mehr oder weniger allen Kindern gleich: Keiner kann’s.

„In näherer Zukunft wollen wir mit den Kindern zusammen kochen. Gesunde Ernährung kann auch lecker schmecken, und das gemeinsame Kochen bringt viel Spaß und Freude. So wollen wir nicht nur die Kinder, sondern direkt oder indirekt auch die Eltern mit in Add Action einbeziehen.“ Und damit ist Deba bei einem der Hauptprobleme: Übergewicht ist ein Problem der gesamten Familie, und nur in ganz seltenen Fällen eines der Kinder. Denn in 99 Prozent der Fälle können genetische Anlagen und Störungen im Hormonhaushalt ausgeschlossen werden. Die überwiegende Anzahl der übergewichtigen Kinder ist also nicht aus meidzinischen, sondern aus sozialen Gründen übergewichtig: „Wir haben die Statistik gelesen und daraus gelernt, dass übergewichtige Menschen in stärkerem Ausmaß Probleme mit Partnern und mit dem Arbeitsplatz haben. Sie werden schon als Kinder isoliert und lernen, sich alleine zu beschäftigen. Und da schließt sich der Teufelskreis: Fernsehen und Frustessen.“

Zur Bewegung kommt das Nachdenken über Essen: Wann isst wer was? Das Essen aus Langeweile gilt es, ins Bewusstsein zu heben. „Wer übergewichtig ist, isst zu viel. Oder anders gesagt, nimmt – gemessen am Verbrauch – zu viele Kalorien auf. Klingt banal, ist aber vielen Kindern nicht klar, weil es zu Hause oft anders vorgelebt wird.“

Das dritte Standbein der Initiative ist das Selbstbewusstsein. „Wir bieten Gruppenspiele, bei denen man nur durch die Reaktionsgeschwindigkeit und Geschicklichkeit aller gewinnen kann. Wir möchten klar machen, dass jeder über Fähigkeiten und Eigenschaften verfügt, für die man ihn achten und respektieren kann. Kommentare wie „Ich war voll unsicher“ und „Es ist komisch, sich zu 100 Prozent auf die anderen zu verlassen“ zeigen, dass die beabsichtigten Ziele von den Kindern im Spiel erfahren werden. Am Ende einer jeden Stunde steht eine Feedback-runde. Die Kommentare gehen von „Das war voll cool heute!“ bis hin zu „Nächste Woche spielen wir aber endlich mal wieder Fußball?“. Sie zeigen, dass der Anreiz funktioniert.

Bei den regelmäßigen Treffen in der Hauptschule fiel dem gesamten Add Action Team immer wieder auf, dass es an Respekt nicht nur gegenüber den eigenen Mitschülern, sondern auch dem Lehrpersonal gegenüber mangelte. Um es nicht beim bloßen Sprechen über Werte zu belassen, setzten sich Ulla Spitzer und Annika Welte für eine sportliche Alternative ein: Mit finanzieller Unterstützung der Dirk-Nowitzki Stiftung konnten sie einen Boxsack anschaffen, an dem die Kinder seither während jeder Add-Action-Stunde mit Volker Grams, einem Kommilitonen, in Kleingruppen trainieren. Ziel ist es, die aufrechte Körperhaltung zu schulen, diszipliniert exakte Bewegungen auszuführen, seinem Gegenüber vertrauen zu schenken. Außerdem können sie schnell überschüssige Energie abbauen. „Es macht den Kindern nicht nur sichtlich Spaß, sie üben zu Hause auch freiwillig Liegestützen, um schnell „stärker“ zu werden. Sie wollen zu Beginn jeder Stunde zeigen, wie viele sie schon schaffen“, freut sich Ulla Spitzer über den Erfolg des Boxsack-Projekts. „Nicht zuletzt fällt es den Kindern viel leichter, über eine Situation zu reflektieren, in der es um Respekt geht.“

Ansprechpartner:
Timo Deba

Nähere Informationen:
Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt.

Zusätzliche Information

Kontakt

Universität Witten/Herdecke
Tel.: +49 (0)2302 / 926-0

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