Navigation ab zweiter-Ebene



Denkleister

Denkleister ist eine studentische Unternehmensberatung, an der aktuell etwa 50 Studierende mitwirken. Entstanden ist die Initiative, um bei der Rettung der Uni mitzuhelfen. Ein Interview mit Benjamin Wüstenhagen und Wolfgang Machur.

Was unterscheidet die Denkleister von anderen Unternehmensberatungen?
Wolfgang Machur:
Externe Berater gibt es ja zunächst aus dem Grund, dass Organisationen interne Fragestellungen haben, die sie alleine nicht lösen können oder wollen. Denkleister als studentische Unternehmensberatung versucht hierbei, den Unternehmen eine Lösung zu bieten, welche zukunftsfähig, frisch und einfach Witten-geprägt ist. Hierzu wollen wir in Zukunft Beratung in den Kernbereichen der Universität anbieten – Wirtschaft, Gesellschaft – in welchen auch Nachhaltigkeit und Non-Profit-Beratung zählt, sowie Gesundheit. Die Studierenden haben die Möglichkeit, die Theorie mit der Praxis zu verbinden, ihre bisherigen Erfahrungen und soliden Grundlagen aus dem Studium in der Praxis in einem professionellen Umfeld anzuwenden. Und wir bieten das ganze Wittener Portfolio: Neben Wirtschaft eben auch Medizin, Pflege und Kulturreflexion. Diese fächerübergreifende Sicht ist unser großes Plus. Bei einem Automobilzulieferer haben wir damit ein Projekt realisiert, bei dem es um die Auswirkungen der gesellschaftlichen Entwicklung, also Alterung, Migration, Bildung, all diese großen Themen, auf die Firma und ihre Produkte geht. Und da hatten wir durch unsere Mischung großen Erfolg und die Firma war sehr zufrieden.
Benjamin Wüstenhagen: Was uns noch unterscheidet, ist die Gründungsgeschichte. Wir sind ja ein Kind der Krise, in die die UW/H Ende 2008 geraten war. Kein Geld hatte die Uni eigentlich zwar immer schon. Aber so viel kein Geld hatte sie auch noch nicht. Da dachten wir, dass wir als Studierende und insofern als „Teilhaber“ der UW/H mit in der Verantwortung stehen und dass wir unseren Beitrag zum Fortbestand der UW/H leisten wollten. Und was liegt für einen Studierenden der Wirtschaftswissenschaft wie mich näher, als das mit einer Beratungsfirma zu tun?

Wie sieht die Unterstützung konkret aus?
Wolfgang Machur: Jeder Euro fließt zur Hälfte an die Universität. Aktuell liegen wir hier bei mehr als 100 000 Euro, die an die UW/H überwiesen wurden. Das ist eine enorme Leistung für ein so junges Unternehmen. Ein großes Plus ist neben unserer interdisziplinären und generalistischen Kompetenz auch unser Alter. Wir haben zum Beispiel eine Verlagsgruppe beraten, die vor großen Herausforderungen steht: Kostenlose Internetangebote konkurrieren mit den Printprodukten des Hauses. Das iPad und andere dieser Tablet-Rechner machen das Internet im Cafe und überall zugänglich. Da haben die Verlage oft noch keine Antworten und Konzepte. Und da spielt unser Alter eine wichtige Rolle. Wir sind die Zielgruppe und wir sind mit einer Mediennutzung aufgewachsen, die jetzt für diesen Sektor zum Problem wird. Aus diesem Grund werden wir gerne gebucht.
Benjamin Wüstenhagen: Ein ähnliches Beispiel ist ein sehr großer Telekommunikationskonzern: Da gab es große Veränderungen, weil dort junge Talente gesucht wurden, man aber nicht wusste, wie man die am besten findet. Das, was so als Web 2.0 in aller Munde ist, ist dann im Detail doch ganz schön kompliziert. Denn natürlich kann man damit auch neue Mitarbeiter finden, aber wie genau, weiß man dann doch nicht. Die Kundenliste ist mittlerweile lang: Da sind gemeinnützige Träger ebenso dabei wie Firmen mit fünf oder 50 000 Mitarbeitern. Oder auf den Umsatz bezogen: von einer Million Euro bis zu mehreren Milliarden.

Und was war der deutlichste Lernerfolg?
Benjamin Wüstenhagen: Dass die Akquise das schwerste ist. In jedem Projekt lernt man was Neues, muss sich einarbeiten, vielleicht sogar neue Methoden erlernen. Das ist aber normal in dem Bereich. Aber Aufträge zu bekommen, das ist schwerer, als wir gedacht haben.

Und der schönste Erfolg?
Wolfgang Machur: Wenn man es für die handelnden Personen sieht: Einer ist jetzt Assistent der Geschäftsführung in einem der von uns beratenen Unternehmen, ein anderer ist zu einem großen Konzern gewechselt. Daran kann man vielleicht auch ablesen, wie gut unsere Beratung ankommt.

Die Uni schreibt jetzt wieder schwarze Zahlen. Wird die Unterstützung noch benötigt? Wie geht es mit dem Projekt weiter?
Wolfgang Machur: Wie die Vergangenheit zeigt, zeichnet sich die UW/H dadurch aus, immer mehr Ideen als Gelder zu haben. Auch wenn die Universität jetzt wieder finanziell festen Boden unter den Füßen hat, werden wir weiter arbeiten. Warum auch nicht? Wir lernen täglich dazu und auch die Uni profitiert von unserem Engagement. Wir würden zum Beispiel gerne alle Seminarräume mit einer speziellen Farbe ausstatten. Damit würden alle Wände zu Tafeln, die man mit neuen Ideen beschreiben kann. Das ist unser Bild von der UW/H und das würde gut passen, denken wir. Benjamin Wüstenhagen: Und es geht uns auch um Nachhaltigkeit unserer eigenen Arbeit. Die ganzen Kontakte, die wir geknüpft haben, der gute Ruf, den unsere Arbeit genießt, das alles darf, soll und kann ja nicht nach unserem hoffentlich dereinst mal bestandenen Examen mit uns aufhören. Das Wissen sollte hier an der Uni bleiben und genutzt werden können. Wie das geht, müssen wir uns noch überlegen.

Weitere Informationen:
www.denkleister.de

Zusätzliche Information

Kontakt

Universität Witten/Herdecke
Tel.: +49 (0)2302 / 926-0

Social Networks


Social Feedback