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Glovico

Tobias Lorenz, Doktorand an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, betreibt eine Fair Trade-Sprachschule im Internet. Bei Glovico (global video conference) erteilen Muttersprachler aus Afrika, Lateinamerika und Asien deutschen Sprachschülern Unterricht in Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Chinesisch, Arabisch, Englisch und vielen weiteren Sprachen aus Entwicklungsländern. Dafür erhalten sie einen landestypisch überdurchschnittlichen Lohn. Weil der im Vergleich zu deutschen Verhältnissen aber immer noch relativ niedrig ist, lohnt sich das auch für die deutschen Schüler. Die können auf diesem Wege zudem nicht nur sprachliche Fähigkeiten erwerben, sondern auch interkulturellen Austausch hautnah mitgestalten. Kommuniziert wird nämlich von Angesicht zu Angesicht - per Skype, einer Art Internetvideotelefon.

Ausgedacht hat sich diese Fair Trade-Sprachschule der Doktorand Tobias Lorenz. Profit möchte er mit diesem Modell nicht machen. Glovico (global video conference) ist gedacht als Social Business, das sich irgendwann selbst tragen, aber keine Gewinne erwirtschaften soll. Das Startkapital von 10.000 Euro hat Lorenz selbst aufgebracht, für das weitere Wachstum sucht er noch Investoren. „Bis die Investitionen abgezahlt sind, dauert es bestimmt noch ein wenig“, sagt der Gründer. „Danach entstehende Profite werden nicht ausgeschüttet, sondern in soziale Projekte reinvestiert.“ Genau dieses Konstrukt macht ein Social Business aus. Und genau das schätzt er an seiner Arbeit: „Ich habe gespürt, dass man als Sozialunternehmer eine andere Form des Glücks aus seiner Arbeit zieht: Es geht nicht darum, reich zu werden, sondern glücklich zu sein mit dem, was man tut.“ Doch nicht nur deshalb macht ihm die Arbeit in diesem Bereich großen Spaß. Lorenz: „Ich habe festgestellt, dass im sozial-unternehmerischen Sektor die spannenderen Köpfe unterwegs sind, echte Persönlichkeiten, die Visionen umsetzen wollen. Und die kritisch sind.“

So sei er häufig mit dem Vorwurf konfrontiert gewesen, mit den Lehrern nur jene Menschen zu unterstützen, die sich bereits einen gewissen Status und damit relativen Wohlstand erarbeitet haben. Schließlich benötigt jeder Lehrer ein Headset, einen Internetanschluss und die nötigen sprachlichen Fähigkeiten, um Unterrichtsstunden geben zu können. „Wir planen aber, mithilfe eines Mikrokreditprogramms auch ärmere Lehrer für das Unternehmen zu gewinnen“, so Lorenz.

Wichtig sei es in jedem Fall, eine gute Qualität des Sprachunterrichts zu gewährleisten. Dazu führt Glovico mit den potenziellen Lehrern Auswahlgespräche via Skype. „Dabei achten wir auf Professionalität der Kommunikation im Vorfeld sowie Internetverbindung und Persönlichkeit des Lehrers. Didaktische Vorkenntnisse spielen keine Rolle. Im Spanischen arbeiten wir jedoch zum Großteil mit ausgebildeten Sprachlehrern zusammen, die auch ‚offline’ Unterricht geben.“ Die Französischlehrer verfügen hingegen über keine Didaktikausbildung. „Afrika hinkt in dieser Hinsicht leider auch hinter Lateinamerika her“, sagt Lorenz. Diesen Nachteil versucht Glovico durch ein „teacher training“ abzufangen, das eine pensionierte Französischlehrerin den Lehrern aus Afrika bietet. Lorenz: „Hauptsächlich bauen wir zur Qualitätssicherung jedoch auf unseren Web 2.0-Ratingmechanismus, bei dem Schüler nach der Stunde ihren Lehrer hinsichtlich Pünktlichkeit, Akzent, Kompetenz, Freundlichkeit und Verbindungsqualität bewerten können. Dadurch wird ein kollektives Gedächtnis über die Lehrer aufgebaut. Mittelfristig wollen wir selbst auch stärker an der Curriculumsentwicklung arbeiten. Wir haben noch viel vor und möchten unsere Vision, die Unternehmertum mit sozialem Wandel verbindet, weiter ausbauen.“

zur Homepage von Glovico.

Zusätzliche Information

Kontakt

Universität Witten/Herdecke
Tel.: +49 (0)2302 / 926-0

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