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Eine wichtige Mission: Die Zukunft der Arbeitswelt

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Gespräch mit Thomas Sattelberger am Frankfurter Flughafen
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Die Fünf bei der Nachbereitung ihrer Bildungsreise
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Gespräch mit Peter Fischer in einem Café in Darmstadt
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Eine wichtige Mission: Die Zukunft der Arbeitswelt

Fünf Freunde, allesamt ehemalige Studentinnen und Studenten der Bachelor- und Masterstudiengänge aus den Bereichen Philosophie, Politik und Ökonomik an der Universität Witten/Herdecke, standen nach Erwerb ihres Abschlusses vor der großen und herausfordernden Frage: Wie soll es nun weitergehen? Sie brachen auf, um auf einer dreitägigen Bildungsreise quer durch Deutschland Antworten auf ihre Fragen, wie sie selbst arbeiten wollen, aber auch wie generell die „Zukunft der Arbeit“ aussehen könnte, zu finden. Und ihr Plan ging auf. Auf Basis eines bei Brand Eins erschienenen Interviews erzählen wir über ihre Reise und die dazugehörigen Erfahrungen. 

Auf ihrer Tour quer durch Deutschland führten Anna Lena Hahn, Julian Römer, Lia Meißner, Valentin Ihßen und Jonas Friedrich Gespräche mit Menschen, die neue Arbeitsmodelle leben.

Unzufrieden war Anna Lena in ihren bisherigen Arbeitsbereichen und Praktika nicht, ganz im Gegenteil, sie empfand sie als sehr erfüllend. Dabei merkte Anna Lena, dass ein Leben, in dem die meiste Energie in ihren Job fließt und Freizeit Erholung für den nächsten Arbeitstag bedeutet, nicht ihr Wunsch für die nächsten 40 Jahre sei. Valentin Ihßen, ebenfalls mit im Boot der Bildungsreise, hat eine genaue Vorstellung: „Es geht mir nicht darum, eine klare Linie zwischen Freizeit und Beruf zu ziehen, sondern es ist mir wichtig, den Sinn meiner Arbeit zu kennen und diesen nicht übergriffig werden zu lassen.“ Es musste also eine Lösung her, diese ließ sich aber, wie den fünf Freunden schon ganz am Anfang bewusst war, nicht durch Bücher lesen und Philosophieren am Schreibtisch finden. Sie mussten aufbrechen, in der Hoffnung, Antworten auf ihr Problem zu finden. Diesen Lösungsansatz kannten sie bereits aus ihrer Studienzeit an der Universität Witten/Herdecke, in der der Fokus, damals wie heute, viel auf der Selbstorganisation lag und liegt. Dies macht es möglich, Bildung zu unternehmen, wie zum Beispiel durch das Einladen unterschiedlichster Experten, die als Gastdozenten an der UW/H mitwirken sollen.

Die Idee ist durch das intensive Beschäftigen mit den verschiedenen Themen entstanden, „es ist wie mit dem Reisen: So, wie wir sonst reisen, um Neues zu entdecken, wollten wir das mit der Zukunft der Arbeit machen“, so Anna Lena. Wie ist es also möglich, in verantwortungsvollen Positionen Projekte und Ideen voranzubringen, ohne dabei, wie so oft in der Kombination der oben genannten Arbeitsbedingungen, ein Burn-Out zu erleiden? Durch die unterschiedlichen Gespräche mit Persönlichkeiten aus jungen Start-ups bis hin zu einem großen Konzern wie Daimler konnten sie sich einen großflächigen Eindruck verschaffen und achteten dabei auch auf Details: Durch die persönlichen Gespräche war es möglich, sich durch Beobachtung auch einen Eindruck über die Gemütslage der jeweiligen Gesprächspartner zu verschaffen. Wie reagiert die Person? Gestresst oder entspannt?
 
Interviews mit Thomas Sattelberger und Mitarbeitern des losen Netzwerkes der „Zentralen Intelligenz Agentur“ oder auch dem Familienunternehmen Vaude machten schnell klar, dass die Diskussionen über die Zukunft der Arbeit ganz unterschiedlich aussehen können. Die Fünf ließen sich neu inspirieren. Zum Beispiel zum Thema Entlohnung: Thomas Sattelberger legte ihnen die Peer-to-peer Versicherung ans Herz, in der sich eine Gruppe von 25 Leuten zusammenschließt und monatlich jeweils einen Beitrag von 100 bis 200 Euro bezahlt. Damit ist es möglich, die Personen abzusichern, die in einem bestimmten Zeitraum nicht mit Projekten versorgt sind. Zum schwierigen Thema der Verbindung von klassischen Strukturen und der modernen Arbeitswelt fanden die ehemaligen Studierenden bei Vaude eine Antwort: Das Unternehmen beschäftigt mehr Frauen als Männer, Männer nehmen Elternzeit und die Lohnhierarchie ist sehr gering gehalten. Eine weitere Erkenntnis zum Thema „gesundes Arbeiten“ erhalten sie, nachdem viele unterschiedliche Antworten gefallen sind. Zum Beispiel erachten einige die Regel „6-Stunden-Arbeit-pro-Tag“ als die Lösung, andere aber orientieren sich an ihren Projekten, was manchmal bedeuten kann, dass sie bis nachts arbeiten müssen, nach Abschluss aber auch eine Pause von vielleicht 3 Monaten haben. Ihre Erkenntnis: Ein modernes und gesundes Arbeitsleben heißt sowohl Eigenverantwortung für die eigenen Bedürfnisse zu übernehmen als auch in Organisationen Strukturen zu schaffen, die gesundes Arbeiten ermöglichen.

Um all diesen Input zu verarbeiten und in sich aufzunehmen, haben die fünf Freunde nach jedem Interview erst einmal eine halbe Stunde lang geschwiegen, danach diskutierten sie und hielten die neuesten Erkenntnisse und Überschneidungen fest. Nach sechs und zwölf Wochen fanden sie bei zwei Nachtreffen noch einmal heraus, was ihnen im Kopf geblieben war. Bei diesen Treffen haben sie ebenfalls festgestellt, wie gut sie miteinander arbeiten können und wie viel Energie ihnen diese Art von Arbeit gegeben hat und auch immer noch gibt. So viel, dass sie nun weiter zusammenarbeiten und auch andere Unternehmen, Universitäten und Absolventen von ihrem Konzept profitieren lassen wollen, denn eine Bildungsreise ist überall dort sinnvoll, wo Menschen Entscheidungen treffen müssen. Die Herausforderung, die Vorstellung der perfekten Welt von Übermorgen in die Realität umzusetzen, lässt sich mit einer Bildungsreise gut bestreiten. Ihr nächstes Ziel: eine Infrastruktur und Rechtsform für ihr Netzwerk finden, um nicht tagtäglich von neun bis fünf im Büro sitzen zu müssen. Anna Lena und Co. wagen sich in eine Testphase und sind überzeugt: Wenn die Idee die Menschen begeistert, wird sie auch bestehen.

Neugierig geworden? Lest das ganze Interview hier.

Anna Lena Hahn, Julian Römer, Lia Meißner, Valentin Ihßen und Jonas Friedrich konnten auf ihrer "Learning Journey" so viel mitnehmen, dass sie sich kurzerhand entschieden haben eine kleine Agentur zu gründen, welche Learning Journeys als professionelles Beratungstool anbieten. Das junge Consultancy Collective nennt sich "Hitchhikers Guide through Complexity". Klickt hier, um mehr zu erfahren.

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