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Nachricht vom 07.11.2019
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Martin Woesler zum Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste gewählt

Prof. Dr. Martin Woesler

Prof. Dr. Martin Woesler

Martin Woesler zum Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste gewählt

Der Sinologe ist an der Universität Witten/Herdecke Professor für Literatur und Kommunikation in China

Der Senat der Europäischen Akademie für Wissenschaften und Künste wählte Prof. Dr. Martin Woesler zum Akademie-Mitglied im Bereich Geisteswissenschaften. Der Sinologe hat an der Universität Witten/Herdecke die Professur für Literatur und Kommunikation in China inne. Vorgeschlagen hatte Professor Woesler einer der renommiertesten Bio-Ethik-Forscher Deutschlands: Professor Hans-Martin Sass, der zuletzt an der Georgetown University in Washington lehrte. Nach einem dreistufigen Auswahlverfahren wurde Professor Woesler in den Kreis der etwa 2.000 Wissenschaftler aufgenommen, unter denen 32 Nobelpreisträger sind. Die Mitgliedschaft gilt als Auszeichnung der Verdienste um Wissenschaft und Gesellschaft.

Die Entscheidung des Senats basierte auf folgender Einschätzung: Als einer der wenigen Sinologen weltweit ist es Professor Dr. Martin Woeslers Hauptverdienst, chinesische Literatur von der Qing-Zeit (1644-1911) bis in die Gegenwart für den Westen erschlossen zu haben. Er veröffentlicht Übersetzungen und Interpretationen in zahlreichen Monographien, Aufsätzen, Buchkapiteln (Harvard University Press usw.) sowie als Herausgeber von Buchreihen und Zeitschriften. Mit Professuren in den USA, Italien, Deutschland und China hat seine Stimme im Laufe der Zeit globales Gewicht gewonnen. Er bringt chinesische und westliche Sinologen in Konferenzen, Forschungsprojekten und Publikationsprojekten zusammen (Chinas Digitaler Traum 2004/2013).

Professor Woesler entdeckte, dass die ersten Romane, die von China nach Europa kamen (Haoqiuzhuan usw.) und umgekehrt (La Dame aux Camélias usw.), dasselbe Leitmotiv hatten: Liebesheirat vs. Zwangsheirat nach Konventionen oder sozialem Status. Er analysierte den Prozess der Kanonisierung der chinesischen Literatur. Professor Woesler ist Herausgeber und Mitübersetzer der ersten vollständigen deutschen Übersetzung des chinesischen Romans Traum der Roten Kammer. Er wies einen Perspektivwechsel von Ethnozentrismus zu Universalismus im ersten Jahrhundert westlicher Rezeption des Romans nach.

Darüber legte er häufig erstmals in deutscher Sprache Übersetzung der chinesischen Autoren Wang Meng, Zhou Zuoren, Ba Jin, Han Shaogong und Han Han vor. Er identifizierte den modernen chinesischen Zeitungsessay des republikanischen China als Diskursmedium einer erwachenden kritischen Öffentlichkeit und stellte den chinesischen Essay in Form einer Literaturgeschichte und in Übersetzung vor. Professor Woesler entdeckte, dass diese Essays ähnliche Themen (Bildung, Modernisierung, Chinas Rolle in der Welt usw.) behandelten, wie heutige Diskurse im chinesischen Internet. Er analysierte die in China kommerziell erfolgreiche Webliteratur und zeigte, dass das Internet nicht nur ein neues literarisches Medium ist, sondern auch den künstlerischen Schaffensprozess beeinflusst und die traditionellen Rollen von Autor und Leser in Frage stellt. In Übersetzungen Dutzender offiziöser chinesischer Bücher von Xi Jinping und anderen über Themen wie „Demokratie", „Rechtsstaatlichkeit" und „Soft Power" stellt er Fachkollegen wertvolles Forschungsmaterial zur Verfügung.“

Martin Woesler nahm die Auszeichnung gerührt an. „Die Ehrung gebührt auch meiner Universität, der Universität Witten/Herdecke, mit der ich nun seit über zehn Jahren verbunden bin. Hier werden auch Freigeister und Querdenker wie an kaum einer weiteren Einrichtung der Höheren Forschung und Bildung gefördert und können sich entfalten. Die Idee der Interdisziplinarität ist sicherlich eine der Stärken, die ich an dieser Universität besonders entwickeln konnte. Auch die großzügige Möglichkeit, in DFG-Projekten wie an der Leuphana-Universität Lüneburg teilzunehmen, sowie sich individuell in internationalen Kooperationen wie mit der Hunan Normal Universität zu engagieren, zeichnen diese Universität aus. Von hier gehen innovative Impulse aus.“

 

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