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Nachricht vom 10.09.2020
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Fotos vom Schwarzmarkt, aus Jazzclubs, Algerien und von Prominenten

Fotos vom Schwarzmarkt, aus Jazzclubs, Algerien und von Prominenten

Menschen im Blick: Eine Werkschau des Fotografen Heinz Leitermann ist ab dem 29. Oktober in der Universität Witten/Herdecke zu sehen.

Eine Werkschau mit 60 Bildern des Fotografen Heinz Leitermann ist ab dem 29. Oktober in der Universität Witten/Herdecke zu sehen. Die Vernissage findet am 29. Oktober ab 18 Uhr in der Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-str. 50, statt. Die Ausstellung ist dann bis zum 1.Dezember 2020 von 8 bis 17 Uhr (Freitags nur bis 15 Uhr!) in der großen Halle zu sehen – es gelten die coronabedingten Regeln mit Maske, Abstand und Hygienevorschriften. Ideen zu der Ausstellung sind im Rahmen eines Seminars im Studium fundamentale zum Thema „Photographie – von der Theorie zur Ausstellung“ entstanden.

Leitermann hat das Nachkriegsdeutschland als Polizeireporter abgelichtet: Er hat die Kriege in Algerien und in Gaza fotografiert. Aber auch Jazz-Größen in den Frankfurter Szenelokalen und auch zahlreiche Prominente wie Elvis Presley, Josephine Baker, Willy Brandt, Sammy Davies Jr. oder J.F. Kennedy kamen vor die Linse des gelernten Portraitfotografen.

Der Frankfurter Polizeipräsident wollte Heinz Leitermann 1955 einen Orden verleihen und hat ganz praktisch dafür gesorgt, dass er einen Waffenschein erhielt, damit er sich gegen renitente Schwarzmarkthändler schützen konnte: Der junge Reporter hatte sich darauf spezialisiert, illegale und betrügerische Geldwechsler, die es auf die Dollars der amerikanischen Truppen in Deutschland abgesehen hatten, zu fotografieren. An Hand seiner Bilder konnte die Polizei eine Reihe von Gesetzesbrechern überführen.

Das waren seine ersten Fotos, Leitermann zeigte aber auch die Nachkriegszeit, die Wohnungsnot, das gesellschaftliche Leben, junge Menschen auf Motorrollern und in Milchbars. Später berichtete Heinz Leitermann als erster westlicher Fotograf hinter den Linien ausführlich über den Algerienkrieg. Er fotografierte in Vietnam, in Russland und während der Olympischen Spiele in Mexiko.

Dabei ging er mit der Kamera nah an die Menschen ran, auf seinen Bildern finden sich die GIs, die bis weit in die Nachkriegszeit das Leben in Frankfurt und anderen Städten Deutschlands prägten, das fahrende Volk, das sich in den Randbezirken der Städte angesiedelt hatte, und immer wieder die Bewohner entfernter Weltgegenden - sei es nun Algerien, Mexiko oder Nordamerika. Heinz Leitermann fotografiert sie bei ihren alltäglichen und besonderen Tätigkeiten oder in ihrer Begegnung mit ihm. Seine Bilder fokussieren dabei nicht die Andersheit, sondern das grundsätzlich Verbindende, den allen gemeinsamen Nenner, die Menschlichkeit.

Leitermann hatte 1977 sein Reporterleben beendet und auf Elba in Capoliveri ein Grillrestaurant betrieben und in der Bucht von Morcone Sonnenliegen und -schirme sowie Boote vermietet. 2016 stirbt er im Alter von 85 Jahren und wird im Meer vor Elba bestattet. „Ich gehöre zu einem Freundeskreis, der die Arbeit des weitgehend unbekannten Heinz Leitermann bewahren möchte“, erklärt Prof. Dr. Martin W. Schnell, der an der UW/H den Lehrstuhl für Sozialphilosophie und Ethik im Gesundheitswesen inne hat. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog „Menschen im Blick“ zum Preis von 18,90 € mit der ISBN: 978-3-9821256-2-6. Außerdem wird es einen kleinen Film bei YouTube geben. Die Ausstellung war schon für den Sommer angekündigt, ist dann aber wegen der Corona-Krise verschoben worden.

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