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Nachricht vom 28.03.2019
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Prof. Dr. Martin Woesler erforscht Umgang mit Daten in China

Prof. Dr. Martin Woesler

Prof. Dr. Martin Woesler

Prof. Dr. Martin Woesler erforscht Umgang mit Daten in China

Er erhält ein halbjähriges Stipendium im Bereich „Medienkulturen der Computersimulation“ der DFG

Martin Woesler ist Professor für Literatur und Kommunikation in China an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) und erhält zum 1. April 2019 ein halbjähriges Stipendium als Senior Fellow des Forscherkollegs „Medienkulturen der Computersimulation“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Darin arbeitet er an dem spannenden Forschungsprojekt, wie die moderne Datenauswertung und -nutzung in der Volksrepublik China zur Herrschaftssicherung der bestehenden Eliten verwendet wird, und in welche ‚schöne neue Welt‘ für die Bürger das führen soll.

China ist wegen des weitgehenden Fehlens von Privatsphäre und Datenschutz ein Musterfall für eine Digitalisierung, die zur Totalüberwachung geführt hat. Die Regierung sammelt massiv Daten, und Daten sind die Ressource der Zukunftswirtschaft. Sie wertet diese Daten mit Big Data-Algorithmen zentral aus, erfasst ihre Bürger in einem Punktesystem, in dem unter anderem Regimetreue belohnt und selbst Freundschaft mit Andersdenkenden bestraft wird. Algorithmen treffen auf Grundlage von Korrelation statt Kausalität Entscheidungen über Individuen. China arbeitet an einer Künstlichen Intelligenz, die möglichst automatisiert die gesamte Gesellschaft steuern soll, in China „soziales Management“ genannt.

Während Technik bisher Hilfestellung für menschliche Kommunikation leistete (Medienepoche 4.0), wird der Mensch in dieser neuen Medienepoche 5.0 dabei von der Kommunikation ausgeschlossen. Er wird nur analysiert, in China teils mit Bewegungsprofil, Gesichtserkennung, Kommunikationsauswertung. Erste Experimente mit Gehirnscannern laufen. Ggf. wird der Mensch zum Objekt einer Maschine-Maschine-Kommunikation (Internet der Dinge). Ihm werden Entscheidungen und Ergebnisse explizit (Kreditablehnung, Ablehnung des Kaufs eines Flug- oder Bahntickets) oder nicht-explizit (eingeblendete Werbung, ideologische Gehirnwäsche) mitgeteilt.

Oberstes Ziel ist in China der Machterhalt der Kontrolleure der Künstlichen Intelligenz, der Herrschenden, durch die digitalkulturelle Fremdsteuerung der Bürger. Auch westliche Datenkonzerne sind an den Ergebnissen interessiert, da auch sie für ihre vorwiegend profitorientierten Ziele ähnliche vergleichbare, wenn auch subtilere Mechanismen für ihre Kunden verwenden, wenn auch mit weniger dramatischen Konsequenzen.

Woesler abstrahiert die Phänomene auf das dahinterstehende Menschenbild (Behaviorismus von Burhuss F. Skinner), auf Planwirtschafts-Phantasien (Karl Marx etc.) und „Narrativiken der Dystopie“ (George Orwell). Er untersucht Zukunfts-Visionen wie den „Chinesischen Traum“, „Made in China 2025“, „die Verjüngung Großchinas 2049“ und Science-Fiction-Literatur wie Liu Cixins Trilogie Die Drei Sonnen.

Die Universität Witten/Herdecke baut seit einigen Jahren ihre Expertise in der Digitalisierung aus, zunächst mit der Berufung einer Professur für „Philosophie Digitaler Medien“, mit dem Veranstaltungsformat „Digitaler Salon“, in Kürze mit einer neuen Professur „Digitale Medien“ und ab dem Wintersemester 2019/2020 mit dem Masterstudiengang „Digital Transformation & Social Responsibility“.
Mit dem Stipendium vernetzt Woesler sich und die Universität weiter, vor allem mit der Leuphana-Universität Lüneburg, an dem das DFG-Kolleg angesiedelt ist. „Diese Kooperation unterstützt unsere Entwicklung von Kompetenz und Expertise im Bereich digitaler Transformation!“ freut sich Prof. Dr. Matthias Kettner, Forschungsdekan der Fakultät für Kulturreflexion der UW/H.

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