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Uni Witten/Herdecke schafft Professur für Literatur und Kommunikation in China

Uni Witten/Herdecke schafft Professur für Literatur und Kommunikation in China

Prof. Dr. Martin Woesler ist zurück in Witten

Martin Woesler ist neuer Professor für „Literatur und Kommunikation in China” an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Angesiedelt ist die neu geschaffene Professur an der Fakultät für Kulturreflexion – Studium fundamentale. Schon in diesem Wintersemester bietet Prof. Dr. Martin Woesler Veranstaltungen mit China-Bezug an, die auch von Studierenden der Studiengänge Philosophie, Politik und Ökonomik (PPÖ, Bachelor) und Philosophy, Politics, and Economics (PPE, Master) besucht werden können. Zudem unterrichtet er Kurse zu aktuellen Themen wie Flüchtlingspolitik und digitalen Medien.

In der Forschung beschäftigt sich Woesler mit chinesischer Literatur, auch aus westlicher Sicht, mit Webliteratur und elektronischer Kommunikation in China im Spannungsfeld zwischen Überwachung und Erreichbarkeit. „China ist ein dankbarer Forschungsbereich, da es in vielen Bereichen als eine Kontrastfolie zum Westen, gewissermaßen als ‚Das Andere‘ wahrgenommen wird“, sagt Woesler, der sich für internationale Forschungs-Kooperationen mit den USA, Europa und China einsetzt, etwa bei einem Projekt zum Identitätswandel Chinas zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Woeslers Berufung ist auch eine Antwort der Fakultät auf die zunehmende Bedeutung Chinas für die Berufswirklichkeit Wittener Studierender und Absolventen. Bereits seit 2004 hat Woesler als Lehrbeauftragter Kurse wie „Comparing Cultures“, „China and us“, „Besser miteinander reden“ und „Konflikte lösen“ angeboten, aber auch Kurse in der Wirtschaftsfakultät der UW/H.

Woesler erhielt von seiner Assistentenstelle in Witten aus 2007 einen Ruf auf die Professur für Interkulturelle Kommunikation an der Hochschule für Angewandte Sprachen in München. Dort leitete er den Sprachbereich Chinesisch mit sieben Mitarbeitern sowie zwei Studiengänge. Zudem dolmetschte er für das Bundeskanzleramt, beriet das Auswärtige Amt, das Bundestagspräsidium, die Frankfurter Buchmesse und arbeitete für die Deutsche Botschaft und am Goethe-Institut in Peking. Der China-Experte hat zahlreiche Bücher, Buchbeiträge und Aufsätze veröffentlicht und arbeitet an einer Harvard-Literaturgeschichte Chinas mit. Die Harvard-Universität lud ihn 2010 für zwei Forschungsfreisemester als Gastwissenschaftler ein. Dort erreichte ihn der Ruf auf eine Professur an die Utah Valley University, wo er von 2011 bis 2013 das Bachelor-Nebenfach Chinawissenschaften aufbaute. Das mit EU-Mitteln gegründete Excellenz-Zentrum Altiero Spinelli berief Woesler 2014 auf eine Professur für Sinologie und Kulturvergleich an die Universität Rom III, wo er ein Doktoranden-Kolloquium unterrichtete, ein Doktoranden-Netzwerk aufbaute, eine internationale Konferenz organisierte und ein Forschungsinstitut einrichtete. Zum Wintersemester 2015 berief ihn die Universität Witten/Herdecke.

„Nach mehreren Jahren Arbeit auf Englisch freue ich mich, neben den hier willkommenen englischsprachigen Veranstaltungen auch wieder auf Deutsch unterrichten zu können. Ich hoffe, dass ich meine internationalen Kontakte in die Arbeit in Witten einbringen kann.“ Woesler bringt vier Jahre Lehrerfahrung aus den USA mit, ein Jahr aus Italien und fünf Jahre Studien- und Lehrerfahrung aus China, wo er regelmäßig im Rahmen von parallelen Teilzeitprofessuren unterrichtet. Woesler engagiert sich ehrenamtlich für Geflüchtete bei Kiron, einem Online-Portal, das ein Grundstudium für Geflüchtete anbietet, wo er den Bereich International Academic Affairs verantwortet. „Wir haben bei Kiron viel von Witten eingebracht, unter anderem die Modelle des Studium fundamentale und der Studienfinanzierung.“

Erforschen möchte Prof. Woesler unter anderem, warum ein halbautoritärer Staat wirtschaftlich anscheinend erfolgreicher ist als Marktwirtschaft und Kapitalismus, wie die Literatur der Zukunft aussehen und wie Kommunikation stattfinden wird. „China ist in der digitalen Medienwelt Vorreiter: Literatur findet zu etwa 99 Prozent online statt, die Kommunikation ist weitgehend elektronisch, jeder ist fast 24 Stunden mit leistungsstarken Handys und Tablets erreichbar. Gleichzeitig wird jeder zu fast 100 Prozent überwacht. Big Data bedeutet in China Macht, ökonomischen Gewinn und Gleichschaltung. Die Erziehung liegt in staatlicher Hand und beeinflusst das Denken. Es vollständig zu kontrollieren, ist dem Staat jedoch nicht möglich.“ Auch die Auswirkungen auf die westliche Gesellschaft möchte Prof. Woesler untersuchen und fragt: „Die asymmetrische Gefahr durch Terroristen droht auch freiheitliche Gesellschaften in Richtung Überwachungsstaaten zu verändern. Kann China mit seiner Rundum-Überwachung beweisen, dass so irgendwann Terroranschläge verhindert werden?“

In diesem Semester bietet Woesler zwei Blockveranstaltungen im Februar an: „Grenzen des Wohlstands – Bruchlinien extremen Wohlstandsgefälles mit historischen und regionalen Lösungsansätzen” auf Englisch für PPE sowie das Stufu-Seminar „Internet in China”. „Beide Veranstaltungen“, so der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Dirk Baecker, „sind ein Beleg dafür, dass Woesler sich einem der wichtigsten Themen im Studium fundamentale und in der Fakultät für Kulturreflexion, der Beschreibung neuer Ordnungen und Strukturen in einer turbulent gewordenen Weltkommunikation, mit Blick auf China ebenso kenntnisreich wie problembewusst zu widmen versteht. Wir freuen uns, dass wir uns mit seiner Berufung seiner wachen Beobachtungen und seines Engagements in Forschung und Lehre vergewissern konnten.”

Weitere Informationen: Prof. Dr. Martin Woesler, Martin.Woesler@uni-wh.de oder Tel. 02302 / 926-816

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