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Nachricht vom 20.01.2021
UniversitätWirtschaft und Gesellschaft

Zehn Jahre „Philosophie, Politik und Ökonomik“-Studium

Prof. Dr. Dirk Sauerland

Prof. Dr. Dirk Sauerland in einem Kurs

Zehn Jahre „Philosophie, Politik und Ökonomik“-Studium

Wie ein Studiengang entstand, der durch Perspektivenvielfalt Absolventinnen und Absolventen auf die globalisierte und komplexe Arbeitswelt von heute vorbereitet.

Was als Startup begann wurde zum Trendsetter in der Hochschullandschaft. Zum Wintersemester 2010/11 startete der damals einzigartige Bachelorstudiengang „Philosophie, Politik und Ökonomik“ an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) mit zehn Studierenden. Heute sind die Absolventinnen und Absolventen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Politik sowie Wirtschaft und bringen aufgrund des interdisziplinären Ansatzes den nötigen Weitblick in einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt und Gesellschaft mit.

Gesellschaftliche Problem nicht aus einer einzigen fachdisziplinären Brille zu betrachten und bei der Suche nach Lösungen systematisch und interdisziplinäre vorzugehen – das war eine Grundidee bei der Einführung des deutschlandweit ersten Studiengangs „Philosophie, Politik und Ökonomik“ (PPÖ) vor zehn Jahren. Zum Wintersemester 2010/11 starteten damals zehn junge Menschen den Bachelor-Studiengang der UW/H. Aktuell studieren etwa 200 Menschen den PPÖ-Studiengang in Witten, fast 150 haben ihr Studium in der Zwischenzeit bereits abgeschlossen und arbeiten heute in Politik und Wirtschaft, in Verbänden, Medien, Ministerien, NGOs sowie profit und non profit-Unternehmen.

Entwickelt wurde der Studiengang, als die damalige Wirtschafts- und Finanzkrise die Schlagzeilen bestimmte. Durch sie wurde besonders deutlich, dass für das Verstehen und Lösen solcher Krisen ein Verständnis der wirtschaftlichen oder politischen Zusammenhänge allein nicht ausreicht. Der Studiengang wurde deshalb als interdisziplinärer Schnittstellenstudiengang der damaligen Fakultäten für Wirtschaftswissenschaft und Kulturreflexion konzipiert, die mittlerweile in der 2020 neu geschaffenen Fakultät für Wirtschaft und Gesellschaft aufgegangen sind. „Ziel des Studiengangs war und ist es, die Studierenden zu ökonomisch und politikwissenschaftlich versierten, über relevante Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaft und Politik aufgeklärten und durch Erfahrungen im philosophischen Denken intellektuell bereicherten Persönlichkeiten auszubilden“, sagt Prof. Dr. Dirk Sauerland, der damals als Dekan den Studiengang mit aus der Taufe hob. Dazu stehen Inhalte aus den Bereichen Philosophie, Politik, Mikro-/Makroökonomik, Wirtschaftsethik, politische Ökonomie ebenso auf dem Lehrplan wie die Soziologie, wissenschaftliches Arbeiten, praktische Erfahrung, zum Beispiel in Projekten, und das für die UW/H charakteristische Studium fundamentale, bei dem die Studierenden an einem Tag der Woche neue Perspektiven über Fächergrenzen hinweg entdecken.

„Es stellten sich Fragen nach Moral und Ethik der Akteure im Finanzwesen“

„Damals wurden politische Maßnahmen ergriffen, um einen Teilbereich der Wirtschaft – nämlich das Finanzwesen – zu stabilisieren“, erinnert sich Prof. Dirk Sauerland. „Es stellten sich auch Fragen nach Moral und Ethik der Akteure im Finanzwesen, sodass wir einen sehr aktuellen ersten Anwendungsfall für die drei Perspektiven des PPÖ hatten.“ Auch in der aktuellen Covid-19-Pandemie spielten die drei PPÖ-Perspektiven eine wichtige Rolle: Prof. Sauerland: „Wieder spielen politische Akteure eine wichtige Rolle, die neue Regeln für die Wirtschaft setzen, um das Überleben von Arbeitsplätzen und Unternehmen zu gewährleisten. Ethische Fragen stellen sich insbesondere bei den Eingriffen in die individuellen Freiheitsrechte zur Bekämpfung der Pandemie ebenso wie bei der Frage der Reihenfolge, in der der absehbar vorhandene Impfstoff dann verteilt werden soll.“

Der PPÖ-Ansatz braucht keine Krise, um aktuell zu sein

Allerdings brauche der PPÖ-Ansatz keine Krise, um aktuell zu sein. „Auch die deutlich weniger dramatischen Fragen der Abschaffung des Solidaritätszuschlags, einer möglichen Neuordnung des deutschen Föderalismus oder des Umgangs mit dem Brexit erfordern mehr als Fachkenntnisse aus einer Disziplin, um Ursachen und Wirkungen verstehen und entsprechend darauf reagieren zu können“, so der Studiengangsverantwortliche weiter. „Die theoretische Klammer unserer PPÖ-/PPE-Studiengänge besteht in der Idee der Relevanz von Institutionen. Dies sind die Spielregeln für Politik und Wirtschaft. Diese Spielregeln dienen dazu, dass die Akteure in Politik und Wirtschaft sich so verhalten, dass ein gesellschaftlich erwünschtes Ergebnis entsteht. Und diese Regeln und die relevanten Akteure muss man kennen und verstehen, damit man Lösungen für gesellschaftliche Probleme entwickeln kann. Das klingt erst einmal abstrakt. Wenn Sie sich aber vorstellen, dass in Deutschland am 1. Januar 2021 eine neue CO2-Abgabe eingeführt wurde, dann ist diese neue Regel, die von der Politik gesetzt wird, unter anderem dazu gedacht, das Verhalten der Autofahrerinnen und Autofahrer so zu beeinflussen, dass die CO2-Emissionen reduziert und die Umwelt geschont wird. Und die politische Aktivität in dem Bereich ist sicherlich auch auf die öffentliche Diskussion zurückzuführen, die von organisierten Gruppen wir Fridays for Future mit vorangetrieben wird. Um solche Dinge analysieren zu können, muss man wissen, wer die Regelsetzer sind, wer die Regelsetzer beeinflussen kann und wie unterschiedliche Regeln sich auf das Verhalten auswirken.“

Interessierte können sich noch bis zum 31. Januar auf einen Studienplatz an der UW/H bewerben:

Hier finden Sie weitere Informationen zum Studiengang und zur Bewerbung

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