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Meldung vom 23.08.2016
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Zumutung Zulieferer? Kooperation hat immer zwei Seiten

Zumutung Zulieferer? Kooperation hat immer zwei Seiten

Der neue RMI-Direktor Prof. Dr. Guido Möllering sieht im Volkswagen-Prevent-Streit typische Herausforderungen strategischer Kooperationen

Natürlich ist eine Zulieferkooperation keine Ehe, doch beruht sie ebenso auf Gegenseitigkeit und einer gewissen Solidarität in guten wie in schlechten Zeiten. Wie schwer es ist, auch unter Druck die eigentlich wünschenswerte Partnerschaft zu erhalten, erfahren gerade Volkswagen (VW) und die Prevent-Gruppe, deren Streit große Gefahren für beide Seiten und auch für Unbeteiligte birgt.

„Wenn es zu derart einseitigen Maßnahmen kommt, sieht man nur noch die Schattenseite der Kooperation: Abhängigkeit und Machtspiele“, sagt Prof. Dr. Guido Möllering vom Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung (RMI) an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). „Dabei bietet die enge Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Lieferanten eigentlich viele strategische Vorteile, wenn das beiderseitige Interesse und gegenseitige Vertrauen stark genug sind.“

Der VW-Prevent-Streit ist nicht einfach durch kurzsichtige Rücksichtslosigkeit der einen oder anderen Seite, sondern zumindest teilweise durch Veränderungen im Umfeld dieser Partnerschaft zu erklären. Beide stehen unter Druck, vor allem Volkswagen nach dem Abgasskandal. „Das kann Anlass sein, die Beziehung anzupassen und sogar noch zu intensivieren, denn Kooperationen sind ja immer dynamisch“, bemerkt dazu der Managementforscher Möllering.

Am von der Bertelsmann Stiftung geförderten RMI entwickelt Möllering mit seinem Team eine Managementperspektive, mit der die partizipative und verantwortungsvolle Führungsphilosophie des Namensgebers nicht nur innerhalb von Unternehmen, sondern unternehmensübergreifend gedacht wird. „Unternehmensführung findet in Netzwerken statt, die das ganze Unternehmen durchziehen und weit in die Umwelt des Unternehmens hinausreichen“, so eine der Prämissen des RMI-Ansatzes. Kooperationen sind essentiell für die erfolgreiche und nachhaltige Wertschöpfung in solchen Netzwerken mit einer Vielzahl von Beteiligten. Zusammen mit einem deutschen Pionier der Erforschung von Unternehmensnetzwerken, Prof. Dr. Jörg Sydow, hat Möllering einige Grundlagen dieses Ansatzes in dem Buch „Produktion in Netzwerken“ (3. Auflage, Verlag Vahlen) ausgearbeitet.

Seit Juli 2016 ist Möllering, nach Promotion in Cambridge, Forschungen am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln, Habilitation an der Freien Universität Berlin und einer Professur an der Jacobs University Bremen nun Direktor des RMI und Inhaber des dazugehörigen Lehrstuhls für Unternehmensführung an der Universität Witten/Herdecke. Beim Aufbau des neuen RMI-Teams ist ihm die organisationstheoretische Fundierung wichtig sowie die unkonventionelle Denkweise der jungen Mitglieder im Team wie auch der erfahrenen Mitstreiter wie Prof. Dr. Günther Ortmann (RMI-Forschungsprofessor) und Prof. (em.) Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Kieser (RMI-Gastprofessor). Der VW-Prevent-Fall bestärkt Möllering: „Kooperation ist und bleibt eine Schlüsselkategorie für erfolgreiche Unternehmensführung.“

Am 18. Oktober 2016 veranstaltet das RMI als Teil seines kontinuierlichen Praxisdialogs ein Symposion zum Thema „Kooperative Unternehmensführung in Netzwerken: Chancen und Herausforderungen“.

Pressekontakt: Laura Herok rmi@uni-wh.de

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