Prof. Dr. Thomas Mayer, Honorarprofessor der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, berichtet über Querdenkerei und die Verbindung von Theorie und Praxis.

Querdenker willkommen

An der Universität Witten/Herdecke schätze ich besonders, dass sie ein eigenes Profil zeigt und sich nicht davor scheut, kritische Fragen und Ansätze zuzulassen. Neu- und Querdenker sind hier willkommen – sowohl aufseiten der Studierenden als auch aufseiten der Lehrenden. Dass dies nicht selbstverständlich ist, musste ich bereits selbst erleben. Als jemand, der althergebrachte Lehrmeinungen infrage stellt, wurde ich an staatlichen Universitäten oft als Störenfried empfunden.

In Witten kann ich Meinungen vertreten, die ich woanders nicht vertreten kann. Dabei erlebe ich die Universität Witten/Herdecke immer wieder als einen Ort, der bereichert und inspiriert. Hier treffe ich auf viele engagierte Studierende, die es gewohnt sind, auch etabliertes Wissen kritisch zu hinterfragen. Kleine Gruppen in meinen Seminaren erlauben es mir, Inhalte gemeinsam mit den Studierenden zu erarbeiten und in einen Dialog auf Augenhöhe zu treten.

Überzeugendes Konzept

Durch meine langjährige Tätigkeit unter anderem für den Internationalen Währungsfonds, Goldman Sachs und die Deutsche Bank Gruppe konnte ich mir eine weitreichende Expertise im Bereich der monetären Ökonomik aufbauen. Nach über dreißig Jahren Berufserfahrung war es an der Zeit, mein Wissen mit den nachfolgenden Generationen zu teilen.

Ich war daher sehr froh, dass die Universität Witten/Herdecke nach meinem Ausscheiden als Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank Gruppe an mich herantrat, um mich als Gastdozenten zu gewinnen. Der Ansatz der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, wissenschaftliche Ergebnisse in die ökonomische Praxis zu transferieren, sagte mir sofort zu. Ohne zu zögern, nahm ich den Lehrauftrag an. Ich bin sehr stolz, dass ich 2015 zum Honorarprofessor ernannt wurde und meine Verbindung zur Universität Witten/Herdecke weiter festigen konnte.

Lehrbuchwissen hat seine Grenzen

Die Vermittlung von Praxiswissen liegt mir am Herzen. Als Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes beschäftigte ich mich in meinem Berufsalltag ganz konkret mit den Herausforderungen in der Vermögensverwaltung. Da wir 30 Milliarden Euro verwalten, kommen bestimmte Fragen immer wieder auf: Was für Probleme hat Geld? Wie verwaltet man Geld? Der Transfer von theoretischen Kenntnissen in die berufliche Praxis ist sozusagen mein tägliches Geschäft.

Meiner Erfahrung nach taugen Lehrbücher nur bedingt, um Studierenden die Dinge beizubringen, die im Job wirklich wichtig sind. In meinen Seminaren bringe ich daher die Themen meiner Haupttätigkeit in die Lehre ein. Diesem praxisorientierten Ansatz folgend, hinterfrage ich gemeinsam mit den Studierenden bestehende Paradigmen der Geldwirtschaft. Wir schauen uns an, was die Theorien sagen und ob sich diese Theorien in der Praxis bewährt haben.

Praxis nur aus einem Seminarraum heraus zu vermitteln, ist schwierig. Daher findet jeweils ein Tag meiner Blockseminare vor Ort bei Flossbach von Storch in Köln statt. Auf diese Weise kommen die Studierenden in Kontakt mit denjenigen, die tagtäglich große Geldmengen managen und erfahren aus erster Hand, welche Studieninhalte im Alltag relevant sind.

Gelebte Internationalität

Doch nicht nur die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis zeichnet für mich das Wirtschaftsstudium an der Universität Witten/Herdecke aus. Gelebte Internationalität ist ein weiteres wichtiges Element in Forschung und Lehre. Gerade die Masterstudiengänge Management (M.A.) und Philosophy, Politics and Economics (M.A.) sind sehr international aufgestellt und erlauben die Zusammenarbeit zwischen Studierenden unterschiedlichster Nationen.

Mit einem großen Angebot an englischsprachigen Seminaren wie den meinigen sehe ich die Universität Witten/Herdecke auch in Zukunft für die Herausforderungen einer globalisierten Welt bestens gerüstet.