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Studium

Students Health Dialogue

Die Ukraine hat eine der höchsten HIV-Neuansteckungsraten der Welt. Dies war der Grund, aus dem 2004 zwei Medizinstudierende der UW/H den Students Health Dialogue (SHD) gründeten. Ziel war es, mit Sexualaufklärung daran mitzuarbeiten, die Zahl der Neuinfektionen dort deutlich zu verringern.

Vorbild war das bundesweite Präventionsprojekt der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland „Mit Sicherheit verliebt“. Gemeinsam mit ukrainischen Medizinstudierenden startete der SHD ein Multiplikatorenprogramm, in dem junge Studierende Jugendlichen helfen, Bewusstsein und Sensibilität für die Themen HIV und Aids zu entwickeln. Dazu besuchen die ukrainischen Partner, die seit 2006 in Witten ausgebildet wurden, regelmäßig Schulen der Region, um das erworbene Wissen an die Schüler weiterzugeben. Das allerdings wird dort nicht immer freundlich aufgenommen. „Ein Kondom hochzuhalten kann schon ein echtes Problem sein“, erläutert Johanna Schippers vom SHD, „es gibt einige Eltern, die nicht möchten, dass ihre Kinder so ‚verdorben’ werden. Es ist sehr wichtig, über derartige Aktionen vorher auf Elternabenden gründlich aufzuklären.“ Trotzdem ist das Projekt mittlerweile von 14 ukrainischen Städten übernommen worden und steht weitestgehend auf eigenen Beinen. „Wir unterstützen das Projekt dort, besonders beim Thema Fundraising, natürlich weiterhin und möchten vor allem noch dabei helfen, einen internationalen Verein zu gründen“, sagt Johanna Schippers. „Das würde die Akzeptanz des Projektes vor Ort vermutlich noch erhöhen.“

Für den Wittener SHD steht nach erfolgreicher Etablierung des Ukraine-Projektes allerdings derzeit die Arbeit in Deutschland im Vordergrund. Neben dem Projekt „Add Action“, das ebenfalls vom SHD betreut wird, geht die Initiative in Schulen in Witten und Umgebung, um dort aufzuklären. „Ich selbst hatte in der Schule einen fürchterlichen Aufklärungsunterricht“, erinnert sich Johanna Schippers. „Für viele aus unserer Initiative, denen es genauso ging, ist es ein Antrieb, das besser zu machen.“ Und dazu lassen die Studierenden die Schüler erst einmal ein Sex-ABC verfassen. „Das dient zum Warmwerden“, sagt Schippers, „es geht darum, zu jedem Buchstaben einen Begriff aufzuschreiben und dann über die Wörter zu sprechen. So finden wir meistens den richtigen Zugang zu den Kindern und Jugendlichen.“ Fragen, die die Schüler lieber nicht laut stellen möchten, werden anonym über eine Blackbox gestellt und am Ende beantwortet. „Viele sind froh, dass sie dazu mal jemanden fragen können, der nicht sehr viele Jahre älter ist als sie und den sie dann auch nicht mehr wieder sehen.“

Bei den Fragen der Schüler treten allerdings häufig „ziemlich obskure Einstellungen“ auf. „Wir haben festgestellt, dass sich schon 13- bis 15-Jährige ziemlich gut mit Pornoseiten im Internet und bekannten Pornodarstellerinnen auskennen“, erzählt Schippers, „dadurch haben sie oft ein sehr verzerrtes Bild vom Geschlechtsverkehr.“ Auch, um dies zu korrigieren, ist die Arbeit des SHD so wichtig. „Wenn alle begriffen haben, wie man Kondome benutzt, wenn alle wissen, dass HIV und Aids nicht dasselbe sind und dass es Geschlechtskrankheiten gibt, vor denen man sich schützen muss, dann macht das Spaß und man merkt, dass man etwas bewirkt hat“, sagt Johanna Schippers.

Für sein Engagement wurde der SHD bereits mehrfach ausgezeichnet, so zum Beispiel mit dem Bundespreis „Start Social“ (2005), mit dem Hector-Posterpreis (2006) und der Auszeichnung einiger Mitglieder mit dem „Jörg Hogen-Students-Award“ (2007).
Ansprechpartner:
Marie-Therese Georgii, info@students-health-dialogue.com

Weitere Informationen:
www.aids-ukraine.com