Silhouette Universität Witten/Herdecke
Fakultät für Wirtschaftswissenschaft

    Lehrstuhl für Institutionenökonomik und Gesundheitspolitik

    Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Dirk Sauerland und sein Team.

    Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Dirk Sauerland und Team.

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    Am Lehrstuhl analysieren wir aus einer ökonomischen Perspektive die Wirkung von Regelsystemen, wie etwa den Spielregeln der Sozialen Marktwirtschaft, auf menschliches Verhalten und entwickeln Vorschläge zur Weiterentwicklung solcher Regelsysteme. Diesen allgemeinen institutionenorientierten Forschungsansatz nutzen wir im Bereich der Gesundheitspolitik, um die Wirkungen gesundheitspolitischer Maßnahmen empirisch zu untersuchen. So stellt sich etwa die Frage, welche Effekte für den Arbeitsmarkt entstehen, wenn die häusliche Pflege durch Angehörige staatlich gefördert wird.

    Profil und Verortung

    Der Lehrstuhl für Institutionenökonomik und Gesundheitspolitik gehört zu den volkswirtschaftlichen Lehrstühlen der Fakultät.

    Er ist mit seinem Institutionenökonomik-Bereich Teil des Wittener Instituts für institutionellen Wandel (WIWA).

    Im Bereich Gesundheitspolitik ist der Lehrstuhl integraler Bestandteil des fakultätsübergreifenden Dr. Hartmut-Krafft-Zentrums für Wirtschaft und Gesundheit. Zudem ist er Mitglied im Integrierten Zentrum für Versorgungsforschung (IZVF) der Universität Witten/Herdecke.

    Institutionenökonomik

    Die Basis der Arbeit am Lehrstuhl bildet die moderne Institutionenökonomik (IÖ), die auch „Neue Institutionenökonomik“ genannt wird.

    Die IÖ beschäftigt sich mit der Analyse von kollektiven Spielregeln (also Institutionen im ökonomischen Sinn) unterschiedlichster Art, ihren Wirkungen auf das Verhalten von Menschen sowie mit den Rückwirkungen des menschlichen Verhaltens auf die Entwicklung und Veränderung solcher Spielregeln. Damit analysiert sie, dem ökonomischen Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens folgend, eine Form von handlungsrelevanten Restriktionen, die in der traditionellen neoklassischen Modellwelt nicht berücksichtigt werden. So unterscheiden wir beispielsweise formelle Institutionen wie Gesetze und Verträge von informellen Institutionen wie Moral, Sitten und Gebräuche. Die IÖ erweitert damit den Anwendungsbereich ökonomischer Analysen.

    Bekannte Theoriebausteine der IÖ sind die Prinzipal-Agenten-Theorie und die Transaktionskostenökonomik. Während sich die Prinzipal-Agenten-Theorie mit den Problemen beschäftigt, die aus einer Vertragsbeziehung zwischen einem Auftraggeber und einem Auftragnehmer entstehen können, untersucht die Transaktionskostenökonomik die Kosten, die mit der Abwicklung von Transaktionen über Märkte oder innerhalb von Unternehmen entstehen. Die möglichen Probleme solcher Beziehungen lassen sich durch die Gestaltung sinnvoller Institutionen reduzieren. Im Ergebnis können so Kooperationsvorteile zwischen den beteiligten Akteuren realisiert werden.

    Prominente Vertreter der modernen Institutionenökonomik, wie etwa Ronald H. Coase, Oliver E. Williamson, Elinor Ostrom, Oliver Hart, Douglass C. North, George Akerlof oder James M. Buchanan, sind in den vergangenen Jahren mit dem sogenannten Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften  ausgezeichnet worden.

    Gesundheitspolitik

    Die Aufgabe der Gesundheitspolitik ist es – der Tradition der Ordnungspolitik folgend –, die Spielregeln für die Akteure im Gesundheitssystem so zu setzen, dass eine möglichst gute medizinische und pflegerische Versorgung der Bevölkerung bereitgestellt wird. Wir nutzen die institutionenorientierte Perspektive daher, um die Anreizsysteme der Akteure im Gesundheitswesen, insbesondere der Leistungserbringer und der Ausgabenträger, zu untersuchen und darauf aufbauend Verbesserungspotentiale für die Gesundheitspolitik aufzuzeigen. Dies betrifft etwa die Anreizwirkungen von pauschalen Entlohnungsformen wie der DRGs im Krankenhaussektor.

    Hinzu kommen, aus der Perspektive der Versorgungsforschung, empirische Analysen gesundheitspolitischer Maßnahmen, ihrer direkten Auswirkungen auf die Versorgungssituation sowie ihrer Nebenwirkungen auf andere Bereiche der Wirtschaft. So wirkt sich beispielsweise die staatliche Förderung von häuslicher Pflege durch Angehörige auf die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen aus. Sie betrifft aber auch die pflegenden Angehörigen selbst, und sie kann Nebenwirkungen auf dem Arbeitsmarkt entfalten, falls eine verstärkte häusliche Pflege das Arbeitskräfteangebot verringert.

    Ziel des Lehrstuhls ist es, den Studierenden in den Lehrveranstaltungen ein vertieftes Verständnis für die Funktionsweise von Institutionen in unterschiedlichen Bereichen von Politik und Wirtschaft zu vermitteln. Darüber hinaus wollen wir ihr Interesse für eine intensive theoretische und empirische Beschäftigung mit relevanten Forschungsthemen der Volkswirtschaftslehre wecken.

    Veranstaltungen bieten wir in den Bachelorstudiengängen „Philosophie, Politik und Ökonomik (PPÖ)“ und „Management“ sowie im Masterstudiengang „Philosophy, Politics, and Economics (PPE)“an.

    Die Lehre erfolgt interaktiv und mit deutlichem Bezug zu realen Problemstellungen oder Anwendungen. Für die Wahlmodule laden wir in der Regel Praxisvertreterinnen und -vertreter nach Witten in die Lehrveranstaltungen ein oder integrieren sie über Exkursionen, zum Beispiel zur Bundesbank.

    Professor Sauerland ist Studiengangverantwortlicher der Fakultät für den Bachelor „Philosophie, Politik und Ökonomik (PPÖ)“.

    Lehre in den Bachelorstudiengängen
    Lehre im Masterstudiengang

    Die Ergebnisse unsere Forschungsaktivitäten werden regelmäßig auf internationalen Konferenzen präsentiert und in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht.

    Aktuelle Forschungsthemen des Lehrstuhls
    Abgeschlossene Forschungsprojekte und dazugehörige Veröffentlichungen (Auswahl)

    Der Lehrstuhl bietet Bewerberinnen und Bewerbern die Möglichkeit zur externen Promotion, wenn sie die Voraussetzungen entsprechend der Promotionsordnung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft erfüllen.

    Um als Doktorandin oder Doktorand am Lehrstuhl angenommen zu werden, müssen Bewerberinnen und Bewerber ein Exposee über die geplante Forschungsarbeit erstellen. Aus ihm soll sowohl die theoretische Grundlage als auch – sofern beabsichtigt – die empirische Methodik deutlich werden.

    Ausgewählte Promotions- und Habilitationsprojekte
    Ehemalige Doktorandinnen und Doktoranden

    Assoziierte Honorar- und Gastprofessoren

    • Dr. Thomas Mayer, Honorarprofessor