Medizinische Fachangestellte (MFA)
Aktive Beteiligung von MFA in der allgemeinmedizinischen Forschung
Medizinische Fachangestellte (MFA) sind das Rückgrat hausärztlicher Versorgung – sie koordinieren Abläufe, begleiten Patient:innen und sichern die Qualität im Praxisalltag. Trotzdem wird ihre Perspektive in der Forschung bislang selten berücksichtigt.
Das iamag stärkt daher die aktive Beteiligung von MFA in der allgemeinmedizinischen Forschung: Wir entwickeln Studienmit MFA, erforschen ihre Arbeitsbedingungen, Motivation und Zufriedenheit – und schaffen Wissen für MFA, das direkt in den Praxisalltag zurückfließt.
Ziel ist es, Forschung praxisnäher, partizipativer und zukunftsorientierter zu gestalten.
Studien
Laufende Studien
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Universität Leipzig und mit Unterstützung des Verbands medizinischer Fachberufe e.V. untersucht das iamag, wie Medizinische Fachangestellte ihre Pausen im Praxisalltag gestalten. Ziel der partizipativ entwickelten Photovoice-Studie ist es, die Bedeutung von Pausen für Erholung, Arbeitszufriedenheit und Teamklima sichtbar zu machen und förderliche Rahmenbedingungen in Hausarztpraxen zu identifizieren.
Die Studie lief vom 24.-28. November 2025. Die Auswertung ist in Arbeit.
Abgeschlossene Studien
Die Flashmobstudie zu COVID-19
des Instituts für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung (iamag) der Universität Witten/Herdecke wurde am 28. April 2021 durchgeführt. Ziel war es, die Belastung hausärztlicher Praxisteams durch telefonische Anfragen zu COVID-19 zu erfassen.
Hintergrund:
Während der Pandemie berichteten Hausärzt:innen und ihre Medizinischen Fachangestellten (MFA) von einer hohen telefonischen Inanspruchnahme sowie damit verbundenen kommunikativen und psychischen Belastungen durch ratsuchende oder fordernde Patient:innen. Über das tatsächliche Ausmaß und die Dimensionen dieser Beratungsfunktion war wenig bekannt.
Studiendesign:
Die Studie wurde als sogenannte Flashmobstudie konzipiert, bei der die Datenerhebung über einen kurzen Zeitraum parallel in vielen Praxen stattfand. Am Vormittag des 28.04.2021 wurden Daten gesammelt, um die Häufigkeit von Telefonanrufen, die thematisierten Beratungsanlässe und die empfundene Belastung durch MFA zu erfassen.
Ergebnisse:
In 73 teilnehmenden Praxen wurden an einem Vormittag insgesamt 5.646 eingehende Anrufe dokumentiert, von denen 1.826 (32 %) COVID-19 bezogen waren. Der Großteil dieser Anrufe thematisierte Impfungen (59 %) und Terminanfragen im Kontext von COVID-19 (29 %). Die meisten Anrufe dauerten zwischen 2 und 5 Minuten (45 %) oder weniger als 2 Minuten (43 %). Etwa 12 % der Anrufe dauerten länger als 5 Minuten. Gut 90 % der Beratungsanlässe wurden eigenständig von den MFA bearbeitet. Ein Fünftel der Telefonate wurde von den MFA als stressig eingestuft.
desam-fornet.de
Schlussfolgerungen:
Die Studie zeigt, dass MFA eine zentrale Rolle in der telefonischen Beratung während der Pandemie einnahmen und dabei erheblichen Belastungen ausgesetzt waren. Eine ausreichende Vorbereitung der MFA auf diese Anfragen wirkte protektiv auf das Stresserleben. Die Ergebnisse können helfen, zielgerichtete Strategien zur Entlastung zu entwickeln.
WiSBAH-Studien: Die Arbeitsrealität von MFA besser verstehen
Medizinische Fachangestellte sind eine zentrale Berufsgruppe in der hausärztlichen Versorgung. Sie organisieren Praxisabläufe, kommunizieren mit Patientinnen und Patienten, koordinieren Anfragen, übernehmen Verantwortung im Team und tragen wesentlich dazu bei, dass Versorgung im Praxisalltag funktioniert.
Mit den WiSBAH-Studien untersucht das iamag die Arbeitsrealität von MFA in hausärztlichen Praxen. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Belastungen, Veränderungen im Praxisalltag, Arbeitszufriedenheit und Beteiligung von MFA an Forschung. Ein besonderes Anliegen der Studien ist es, die Perspektive von MFA sichtbar zu machen – nicht nur als Gegenstand von Forschung, sondern auch durch ihre aktive Beteiligung an der Entwicklung von Forschungsfragen und Erhebungsinstrumenten.
Organisatorische Veränderungen während und nach der COVID-19-Pandemie
Die quantitative WiSBAH-Studie „Organisational, hygiene- and team-related changes in German general practices during and after the COVID-19 pandemic: a participatory cross-sectional survey among medical assistants (WiSBAH study)“ untersucht, wie MFA organisatorische, hygienebezogene und teambezogene Veränderungen während und nach der COVID-19-Pandemie erlebt haben.
Ziel der Studie war es, besser zu verstehen, welche Maßnahmen in hausärztlichen Praxen umgesetzt wurden, wie MFA diese Veränderungen wahrgenommen haben und welche Aspekte im Praxisalltag als entlastend oder belastend erlebt wurden.
Ein zentrales Merkmal der Studie ist ihr partizipativer Entwicklungsprozess: Der Fragebogen wurde gemeinsam mit MFA entwickelt. In Fokusgruppen brachten 50 MFA ihre Erfahrungen, Themen und Prioritäten ein. Auf dieser Grundlage entstand ein Fragebogen, der anschließend mit MFA weiter geprüft und angepasst wurde. Insgesamt wurden 355 vollständig ausgefüllte Fragebögen von MFA aus hausärztlichen Praxen ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Praxisalltag während der Pandemie in vielen Bereichen verändert hat – etwa in der Praxisorganisation, im Umgang mit Infektionsschutz, in der Kommunikation im Team und in der Zusammenarbeit mit Patientinnen und Patienten. Einige Veränderungen wurden von MFA als hilfreich und entlastend wahrgenommen, andere blieben mit zusätzlichen Anforderungen und Belastungen verbunden. Die Studie macht deutlich, wie wichtig es ist, Veränderungen im Praxisalltag auch aus Sicht derjenigen zu betrachten, die sie täglich umsetzen.
Arbeitszufriedenheit von MFA in hausärztlichen Praxen
Die qualitative WiSBAH-Studie „Job satisfaction among medical assistants in German general practice: a qualitative study of social, structural and personal factors“ vertieft den Blick auf die Arbeitszufriedenheit von MFA in hausärztlichen Praxen.
Ziel der Studie war es, besser zu verstehen, welche Faktoren dazu beitragen, dass MFA ihre Arbeit als zufriedenstellend, belastend oder unterstützend erleben. Dafür wurden 14 Telefoninterviews mit MFA aus hausärztlichen Praxen in Deutschland geführt und qualitativ ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen, dass Arbeitszufriedenheit von MFA durch viele miteinander verbundene Faktoren geprägt wird. Dazu gehören unter anderem das Miteinander im Team, Kommunikation, Führung, Anerkennung, Verantwortung, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, Aufgabenverteilung, Arbeitszeiten, Pausen, Vergütung und die personelle Situation in den Praxen.
Die Studie zeigt damit: Arbeitszufriedenheit entsteht nicht durch einen einzelnen Faktor, sondern durch das Zusammenspiel sozialer, persönlicher und struktureller Bedingungen. Für die Weiterentwicklung hausärztlicher Praxen ist es deshalb wichtig, MFA-Perspektiven ernst zu nehmen und Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass gute Zusammenarbeit, Anerkennung und berufliche Entwicklung möglich sind.
Arzneimittellieferengpässe als Belastungsfeld im Praxisalltag
Eine weitere Studie beschäftigt sich mit Arzneimittellieferengpässen und deren Auswirkungen auf den Arbeitsalltag von MFA in hausärztlichen Praxen.
Ziel der Studie war es, sichtbar zu machen, welche zusätzlichen Aufgaben für MFA entstehen, wenn Medikamente nicht lieferbar sind, und wie diese Situationen im Praxisalltag erlebt werden. Die Studie wurde als praxisnahe sogenannte Flashmob-Studie durchgeführt. MFA dokumentierten in einem festgelegten Zeitraum Anfragen und Tätigkeiten im Zusammenhang mit Lieferengpässen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Arzneimittellieferengpässe für MFA mit zusätzlicher Kommunikations-, Koordinations- und Organisationsarbeit verbunden sind. Häufig müssen Rückfragen von Patientinnen und Patienten beantwortet, Alternativen geklärt, Ärztinnen und Ärzte eingebunden oder Apotheken kontaktiert werden.
Damit macht die Studie deutlich, dass systemische Versorgungsprobleme im Praxisalltag häufig bei den MFA ankommen. Sie übernehmen dabei eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzten, Apotheken und weiteren Beteiligten.
Beteiligung von MFA an allgemeinmedizinischer Forschung
Die Arbeit „Aktive Beteiligung von Medizinischen Fachangestellten in der allgemeinmedizinischen Forschung in Deutschland“ wurde in der Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen veröffentlicht. Sie untersucht, wie MFA in Forschungspraxennetzen der Initiative DEGAM-ForNet beteiligt werden.
Ziel der Studie war es, bestehende Formen der MFA-Beteiligung in der allgemeinmedizinischen Forschung systematisch zu erfassen. Betrachtet wurden unter anderem die Beteiligung von MFA beim Aufbau von Forschungspraxennetzen, bei Qualifizierungsangeboten sowie in konkreten Forschungsprojekten.
Die Ergebnisse zeigen, dass MFA bereits auf unterschiedliche Weise in Forschung eingebunden sind – zum Beispiel in Gremien, Beiräten, Runden Tischen, bei der Entwicklung von Studien, bei Pilotierungen oder bei der Datenerhebung. Gleichzeitig wird deutlich, dass ihre Beteiligung noch weiter ausgebaut werden kann, insbesondere in späteren Phasen des Forschungsprozesses, etwa bei der Interpretation von Ergebnissen oder der Weitergabe von Forschungsergebnissen in die Praxis.
Die Studie unterstreicht, dass MFA nicht nur wichtige Akteurinnen im Praxisalltag sind, sondern auch wertvolle Perspektiven für die allgemeinmedizinische Forschung einbringen. Ihre Beteiligung kann dazu beitragen, Forschung praxisnäher, relevanter und anschlussfähiger zu gestalten.
Warum diese Studien wichtig sind
Gemeinsam zeigen die Studien:
MFA leisten einen wesentlichen Beitrag zur hausärztlichen Versorgung. Ihre Arbeit umfasst weit mehr als administrative Tätigkeiten. Sie sind zentrale Ansprechpartnerinnen für Patientinnen und Patienten, organisieren Abläufe, tragen Verantwortung im Team und fangen viele Herausforderungen des Gesundheitssystems im Praxisalltag auf.
Für das iamag ist es deshalb ein wichtiges Anliegen, die Perspektive von MFA wissenschaftlich sichtbar zu machen und auch ihre Beteiligung an Forschung weiter zu stärken. Forschung zu MFA sollte nicht nur über MFA sprechen, sondern ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Einschätzungen aktiv einbeziehen.
Flashmobstudie als Studienkonzept
Das Flashmob-Studienkonzept eignet sich besonders dann, wenn schnell, praxisnah und mit minimalem Aufwand Daten erhoben werden sollen. Durch den gezielten, kurzen Erhebungszeitraum lässt sich die Teilnahme auch in arbeitsintensiven Settings wie hausärztlichen Praxen erleichtern. Gleichzeitig erlaubt das Format, aktuelle Versorgungsrealitäten zeitnah abzubilden – ideal für Fragestellungen mit hoher Alltagsrelevanz und direktem Praxisbezug.
Partizipation in der allgemeinmedizinischen Forschung
In der allgemeinmedizinischen Forschung in Deutschland haben sich in den letzten Jahren zunehmend partizipative Forschungsansätze etabliert. Dabei werden die Sichtweisen und das Erfahrungswissen relevanter Interessengruppen (Stakeholder), die bisher häufig nur Forschungsobjekt waren, aktiv in den Forschungsprozess eingebunden.
Im Bereich der Allgemeinmedizin zählen dazu insbesondere hausärztliche Praxisteams – also Hausärzt:innen, Medizinische Fachangestellte (MFA) und weitere Gesundheitsberufe – sowie Patient:innen und Bürger:innen. Ihre aktive Beteiligung steigert die Relevanz, Machbarkeit und Praxisnähe von Forschungsprojekten.
Am iamag wird diese partizipative Herangehensweise gezielt gefördert – etwa durch Studien von, mit und für MFA, die aktuelle Themen aus dem Praxisalltag aufgreifen und zu nachhaltigen Verbesserungen in der hausärztlichen Versorgung beitragen.
Es wurde eine Handreichung erarbeitet, die die verschiedenen Perspektiven abbildet und Anregungen zu partizipativer Arbeit geben kann:
Handreichung zur aktiven Beteiligung von Patient:innen, Bürger:innen, Hausärzt:innen und Medizinischen Fachangestellten an der allgemeinmedizinischen Forschung : erarbeitet im Rahmen des DESAM-ForNet-Forschungssymposiums "zu Gast bei SaxoForN" am 12. April 2024 in Frankfurt am Main
https://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/87496

Das MFA Forum in Witten
Das MFA-Forum an der UWH ist eine Veranstaltungsreihe, die sich speziell an Medizinische Fachangestellte (MFA) richtet. Organisiert wird sie vom Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung (iamag) der Universität Witten/Herdecke. Ziel des Forums ist es, MFA praxisnahe Fortbildungen und Austauschmöglichkeiten zu bieten.
Die Veranstaltungen decken verschiedene Themenbereiche ab, darunter Laborwerte, EKG-Interpretationen, Reanimation und andere relevante Inhalte für den Arbeitsalltag in hausärztlichen Praxen. Durch die Kombination von theoretischem Wissen und praktischen Übungen sollen die Teilnehmer:innen ihre Kompetenzen erweitern und sich mit Kolleg:innen vernetzen können.
Das MFA-Forum Witten trägt dazu bei, die berufliche Weiterentwicklung von MFA zu fördern und ihre wichtige Rolle im Gesundheitswesen zu stärken.
Der nächste Termin ist der 24. Juni 2026, 15-17 Uhr,
weitere Informationen finden Sie HIER
Anmeldungen bei michaela.maas@uni-wh.de

Das HAFO.NRW MFA Online Forum
Das HAFO.NRW MFA Online-Forum ist ein digitales Veranstaltungsformat, das sich gezielt an Medizinische Fachangestellte (MFA) und nicht-ärztliches Praxispersonal richtet. Es wird vom Hausärztlichen Forschungspraxennetz Nordrhein-Westfalen (HAFO.NRW) organisiert, einem Zusammenschluss von acht allgemeinmedizinischen Instituten an Universitäten in NRW. Ziel des Forums ist es, MFA aktiv in die hausärztliche Forschung einzubeziehen, den Austausch unter Kolleg:innen zu fördern und praxisrelevante Themen gemeinsam zu diskutieren.
Seit dem Start im März 2023 finden die Online-Foren regelmäßig statt und behandeln vielfältige Themen aus dem Praxisalltag. Beispielsweise wurden im 4. Forum im November 2024 digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) und erste Ergebnisse der WiSBAH-Studie vorgestellt. Das 5. Forum im April 2025 widmete sich der Versorgung von Patient:innen mit Adipositas per magna und bot Einblicke in aktuelle Studien zu Ernährungsmedizin.
Das MFA-Online-Forum bietet eine Plattform für Weiterbildung, Vernetzung und Mitgestaltung von Forschungsprojekten, die den Arbeitsalltag von MFA betreffen.
Das nächste HAFO.NRW MFA Online-Forum findet am 4. November 2026 von 15:30-17:30 Uhr zum Thema Demenz statt.
Anmeldung schon jetzt unter susanne.kersten@uni-wh.de
weitere Informationen zu HAFO.NRW sind HIER zu finden.
Publikationen
Die hausärztliche Versorgung während der COVID-19-Pandemie: eine Fragebogenerhebung unter Hausärzt*innen und Medizinischen Fachangestellten zu ihrer Perspektive auf Veränderungen, Bedarfe und Belastungen
HIER gehts zur Publikation
„Es muss laufen“ – Medizinische Fachangestellte und ihre
Erfahrungen im Impfmanagement während der
Covid-19-PandemieHIER gehts zur Publikation
Should I stay or should I go—Medical assistants´ experiences and coping with patient demand and lack of appreciation during the Covid-19 pandemic
HIER gehts zur Publikation
Aktive Beteiligung von Medizinischen Fachangestellten in der allgemeinmedizinischen Forschung in Deutschland
HIER gehts zur Publikation
Organisational, hygiene- and team-related changes in German general practices during and after the COVID-19 pandemic: a participatory cross-sectional survey among medical assistants (WiSBAH study)
HIER gehts zur Publikation
Job satisfaction among medical assistants in German general practice: a qualitative study of social, structural and personal factors
HIER gehts zur Publikation
Kontakt

Susanne Kersten
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Fakultät für Gesundheit (Department für Humanmedizin) | Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung (iamag)
Alfred-Herrhausen-Straße 50
58455 WittenRaumnummer: 2.040

Michaela Maas
Studienassistenz
Fakultät für Gesundheit (Department für Humanmedizin) | Lehrstuhl für Allgemeinmedizin I und Interprofessionelle Versorgung
Alfred-Herrhausen-Straße 50
58455 WittenRaumnummer: 2.037