Das libertäre Experiment: Eine Bewertung der Regierung von Javier Milei in Argentinien

Seit Javier Milei im Dezember 2023 sein Amt antrat, verfolgt seine Regierung eine radikale, von libertären Ideen geprägte Reformagenda, zu der auch eine drastische Kürzung der Staatsausgaben (die sogenannte „Kettensägen-Politik“) gehört. Dies führte zunächst zu einem Erfolg bei der Bekämpfung des bis dahin größten wirtschaftlichen Übels Argentiniens: die hohe Inflation.
Während die Inflationsrate es in den ersten Monat von Mileis Amtszeit noch auf die Höhe von 25,5 % schaffte, sank sie jedoch anschließend schrittweise auf 1,5 % im Mai 2025. Diese Entwicklung veranlasste zahlreiche prominente Persönlichkeiten und Parteien weltweit – darunter Elon Musk sowie verschiedene Politiker:innen von AfD und FDP in Deutschland – dazu, eine Übertragung von Mileis libertärem Experiment auf andere Länder zu fordern.
Ein genauerer Blick auf die Realität in Argentinien seit seinem Amtsantritt zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild: Tausende von Unternehmen sind in Konkurs gegangen, Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse haben massiv zugenommen, und Löhne sowie Renten sind eingebrochen. Selbst sein wichtigster Erfolg begann sich ins Gegenteil zu verkehren, da die Inflationsrate seit Mai 2025 Monat für Monat wieder anstieg. Darüber hinaus haben Mileis Regieren per Dekret unter Umgehung des Kongresses, diverse Korruptionsskandale in seiner Regierung sowie gewaltsame Polizeieinsätze gegen Journalist:innen und Demonstrant:innen zu einer erheblichen Schwächung der demokratischen Institutionen geführt. Nicht zuletzt haben Mileis Frontalangriffe auf die sogenannte „Woke-Ideologie“ die Lage von Frauen und LGBTQ+-Personen drastisch verschlechtert sowie zu Mittelkürzungen und der Abschaffung von Umweltschutzgesetzen geführt. Eine sorgfältige Analyse der Ergebnisse zeigt, dass das libertäre Experiment gescheitert ist; von einer Nachahmung ist daher dringend abzuraten.
Der Vortrag wird von Nicholas Aguila gehalten, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Heisenberg-Professur für Politik/Politische Ökonomie, Transformation und Nachhaltigkeit.
Die Veranstaltungssprache ist Englisch. Eine Teilnahme ist kostenlos.