„Das Wittener Leitbild prägt mein Leben und Handeln“
UW/H-Alumna Friederike Hedley spricht über ihren Erfolgsweg nach Cambridge.
Für Friederike Hedley ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Die UW/H-Alumna hat es geschafft und eins der begehrten Gates Cambridge Scholarships der University of Cambridge in Großbritannien erhalten. Im Herbst 2024 wird sie dort mit ihrer Doktorarbeit beginnen und damit in ein neues Abenteuer starten! Doch bis hierhin war es eine aufregende Reise mit vielen Etappen, die Friederike einmal um die Welt führten und ihr Leben nachhaltig geprägt haben.
Friederike wächst in einer Kleinstadt in Norddeutschland auf. Neben einer lebhaften Kindheit mit drei Geschwistern erfüllt es sie, auf der Weser oder der Nord- und Ostsee zu segeln. Schon früh weiß sie: „Ich will die Welt entdecken!“ Nach dem Abitur reist sie durch Nord- und Südamerika. Ihr Interesse an Betriebswirtschaft führt Friederike schließlich für ein Studium nach Witten. „Schon während des Bewerbungsprozesses wurde mir klar: Die UW/H ist anders als andere Unis oder Business Schools. Hier liegt der Fokus neben der akademischen Ausbildung vor allem auf der Förderung von Persönlichkeiten – und es wird interdisziplinär gelehrt. Das hat mich überzeugt“, erinnert sich Friederike. 2015 beginnt sie zunächst das Bachelor-Studium Management. Durch die begleitenden Kurse des Studium fundamentale kommt sie erstmals mit Psychologie in Kontakt. Ihre Begeisterung für die Kombination betriebswirtschaftlicher und psychologischer Fragestellungen lässt sie nicht los und so beschließt sie, das Zweitstudium Psychologie aufzunehmen. „Für mich war es ein großes Glück und eine Erfüllung, beide Fächer in Witten studieren zu können. Der ausgeprägte Entfaltungsfreiraum ist für mich ein einzigartiges Merkmal der UW/H. Meine Lehrenden ermutigten mich stets, mich auszuprobieren – Schritte vor und zurück zu gehen –, neue Vertiefungsrichtungen während des Studiums zu wählen oder schließlich mein erstes Auslandssemester in Cambridge zu verbringen. Für die Unterstützung bin ich noch heute sehr dankbar“, so die Psychologin.
Neuanfang zwischen gesellschaftlichen Krisen und wissenschaftlichen Chancen
In England lernt Friederike ihren Mann kennen und beide planen eine besondere Reise: Auswandern nach Hongkong. „Ich hatte die Möglichkeit, ein Praktikum im Bereich Organisationspsychologie bei der Europäischen Handelskammer in Hongkong zu absolvieren“, erzählt Friederike und fährt fort, „in dieser Zeit haben mich diese Großstadt und Asien allgemein unfassbar begeistert. Der Entschluss, schließlich für längere Zeit hierhin zu ziehen, war ein Schritt ins Ungewisse – aber absolut richtig!“ Während der Ankunftsphase in der asiatischen Megametropole überschlagen sich die Ereignisse: Große Menschenrechts- und Bürgerbewegungen versetzen die Stadt in Aufruhr. Und dann kam Covid!
Friederike erlebt die ersten Jahre in Hongkong mit Unruhen und Restriktionen einerseits als herausfordernd, andererseits als stärkend, weil die Krisenzeit sie mit den Menschen vor Ort zusammenschweißt. Außerdem spricht die umgebende Natur sie an. „Hongkong ist eine Inselstadt mit vielen Naturparks und umgeben vom Südchinesischen Meer – was klasse zum Wandern und Segeln ist.“

2020 nimmt die UW/H-Alumna eine Stelle als Research Analyst bei einem Start-up in Hongkong an. Diese Arbeit stärkt ihre Begeisterung für Forschung in der Psychologie, die sie schließlich an der University of Hong Kong fortführen kann. Hier untersucht sie Kognitionsprozesse bei Menschen mit Angststörungen und Depressionen.

„Die Universität bot mir einen besonders spannenden Forschungsrahmen, da dort einheimische und internationale Studierende sowie ‚Mainland Chinese‘ zusammenkommen. Nebenher habe ich eine überkonfessionelle Gruppe junger Frauen geleitet, um mentale Gesundheit zu unterstützen und Glaubensfragen zu reflektieren. Dieser Austausch war gerade in den unruhigen Zeiten sehr wertvoll“, erzählt Friederike.
Nächster Halt: Ein Stipendium für Cambridge
Doch für Friederike ist Hongkong nicht das Ende ihrer Reise. Sie bewirbt sich für das Gates Cambridge Scholarship in Großbritannien und wird dabei an ihre Zeit in Witten erinnert: „Sowohl im Bewerbungsessay als auch im Auswahlgespräch zählten vor allem der Wille und die Überzeugung, mit seiner wissenschaftlichen Arbeit das Leben anderer nachhaltig verbessern zu wollen. Außerdem muss man seine Führungsqualitäten unter Beweis stellen. Für mich ist dieser Ansatz sehr nah am Wittener Gedankengut. Als Mensch und als Christin haben mich die drei Säulen der UW/H – zur Freiheit ermutigen, nach Wahrheit streben, soziale Verantwortung fördern – schon immer fasziniert. Zu Beginn meines Studiums konnte ich die Begriffe noch nicht mit Bedeutung füllen. Heute sind sie zu einer tiefen Überzeugung geworden, die mein Leben und Handeln bestimmt.“
Jedes Jahr bewerben sich zahlreiche Studierende auf das begehrte Stipendium an der University of Cambridge. Doch nur 75 bis 80 Kandidat:innen werden ausgewählt. Eine von ihnen zu sein, ist für Friederike eine besondere Ehre und gleichzeitig eine Wertschätzung ihrer Arbeit. „Gerade als Wissenschaftlerin in der Psychologie ist eine solche Anerkennung und Förderung enorm wichtig und sorgt für Sichtbarkeit“, so die UW/H-Alumna. Die prägenden Erfahrungen aus ihrer Zeit in Hongkong nimmt Friederike mit nach Cambridge und stellt sie ins Zentrum ihrer Doktorarbeit. „Unsere Welt und unser Alltag sind bestimmt von Schnelllebigkeit, Krisen und Ungewissheiten. Ich möchte untersuchen, wie wir unter diesen Unsicherheiten lernen. Welchen Einfluss haben unterschiedliche Arten von Unsicherheit auf die Entwicklung des Gehirns? Die heutigen Generationen sind einer ständigen Informationsflut ausgesetzt. Die Kompetenz damit umzugehen, ist enorm wichtig, um psychische Störungen vorzubeugen und mentale Gesundheit zu fördern.“ Im Hinblick auf ihre Forschungsfrage ist Friederike umso dankbarer, dass sie – trotz unserer leistungsorientierten und schnelllebigen Gesellschaft – während ihres Studiums in Witten die Möglichkeit hatte, inmitten eines unterstützenden Umfelds ihren persönlichen Weg zu finden und sich zu entfalten. „Diese Erfahrung ist ein wahres Geschenk und ich würde jedem und jeder raten, es mit offenen Armen anzunehmen.“