„Es ist manchmal eine wahre Freude, Lebensläufe von UW/H-Studierenden zu lesen“

Porträtbild von Barbara Schmid

Worauf sollten Jobeinsteiger:innen bei der Bewerbung achten? Was ist Personaler:innen heutzutage besonders wichtig? Womit kann man bestmöglich beim Bewerbungsgespräch überzeugen? Wie Studierende sich auf den Jobeinstieg vorbereiten können, erklärt Headhunterin und Personalerin Barbara Schmid am 27. April 2024 beim Berufscoaching in Witten. Vorab verrät die Alumna der Universität Witten/Herdecke, was bei der Bewerbung wichtig ist.

Welche Fähigkeiten sind Personaler:innen heute besonders wichtig – worauf sollten Studierende bei der Bewerbung achten?

Bei der Bewerbung ist es wichtig, dass erkennbar wird, dass sich Bewerber:innen wirklich Gedanken und durchaus Mühe gemacht haben. Eine passende Selbstdarstellung durch einen aussagekräftigen Lebenslauf, ein pointiertes Anschreiben, wenn dies gewünscht ist, und ein gutes Auftreten sind auch heute noch ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Zusätzlich kann man Punkte sammeln, wenn man sich in der Kommunikation mit dem Unternehmen während des Bewerbungsprozesses professionell zeigt und zum Beispiel zügig antwortet, wenn sich das Unternehmen meldet und sich auch terminlich flexibel zeigt, wenn es um die Terminfindung für das Vorstellungsgespräch geht.

Welche Fallstricke sollten Jobeinsteiger:innen unbedingt vermeiden?

Wichtig ist, dass man als Bewerber:in eine gewisse Bodenhaftung rüberbringt. Jemand, der zu selbstüberzeugt auftritt und hinsichtlich Position und Vergütung gleich „nach den Sternen greift“, kommt nicht gut an. Ebenso, wenn deutlich wird, dass Bewerber:innen unzureichend über das Unternehmen informiert sind. Und jenseits von Start-ups wird ein zu lässiges Outfit meist nicht goutiert. Ich rate deshalb Kandidat:innen, sich beim Vorstellungsgespräch tendenziell eher seriöser und nicht zu informell zu kleiden, selbst wenn klar ist, dass es dort später im Alltag deutlich legerer zugeht. Denn ein Vorstellungsgespräch ist und bleibt ein besonderer Anlass.

Auch wenn sich nicht nur die Kandidatin oder der Kandidat bewirbt, sondern auch das Unternehmen bei der Person, kommt es darauf an, im Vorstellungsgespräch zu punkten. Wenn jemand seinen Werdegang nicht strukturiert und anschaulich darstellen kann, und auf übliche Bewerbungsfragen nicht klar und durchdacht antwortet, sind Personaler:innen schnell gelangweilt. Hinzu kommt die Ausstrahlung des Bewerbers: Ein Kunde von mir spricht immer davon, dass er das Leuchten in den Augen von Bewerber:innen sehen möchte. Wer nicht ausstrahlt, dass er wirklich Lust auf die Position hat und Drive mitbringt, vergibt sich eine wichtige Chance. Denn auch Unternehmen wollen vom Kandidaten spürbar gewollt sein.

Womit können Studierende der UW/H besonders punkten?

Punkten können Studierende neben einem guten Abschluss an der UW/H auch über ihr studentisches Engagement und ihre Praxisorientierung. Es ist manchmal eine wahre Freude, Lebensläufe von UW/H-Studierenden zu lesen. Beim bloßen Durchlesen bekomme ich dann das Gefühl: Mensch, das ist aber eine aufgeweckte Person, die sich in unterschiedlichsten Bereichen ausprobiert hat, was bewegen will, breit interessiert ist, sich (auch sozial) engagiert hat und über den Tellerrand hinausschaut und somit in der Lage ist, Dinge aus unterschiedlichsten Perspektiven zu betrachten. Solche Lebensläufe bieten auch Personalern fürs Vorstellungsgespräch viel „Stoff“, um dann auch über die Position hinaus noch in ein interessantes Thema einzusteigen, über das man Bewerber:innen dann besser kennenlernen kann.

Bei meinem eigenen Berufseinstieg saß mir einst ein Personaler gegenüber, der sich sehr für die Wittener Didaktik interessierte. Der Großteil des Gesprächs ging somit über solche Themen. Ich erzählte damals auch viel vom Stufu und von Seminaren wie „Gruppendynamik“. Ich hatte fast das Gefühl, dass er beim Zuhören selbst so richtig Lust aufs Studieren in Witten bekam. Am Ende bot er mir den Job an.

Porträtbild von Barbara Schmid

Barbara Schmid

Barbara Schmid studierte an der FU Berlin, der Universität Witten/Herdecke und der Prager Wirtschaftsuniversität. Nach Abschluss ihres Studiums stieg sie beim Energiekonzern RWE in die Strategieabteilung ein. Im Auftrag von RWE war sie anschließend im Generalsekretariat des Weltgasverbandes (International Gas Union) in Kopenhagen und Oslo als Senior Advisor des Generalsekretärs tätig.

Ihren Einstieg in die Personalberatung als Headhunterin hatte sie bei einer kleineren „Personalberatungs-Boutique“, seit 2017 berät sie nationale und internationale Kunden aller Größenordnungen bei der Besetzung von Führungs- und Spezialistenfunktionen.

Barbara Schmid will Studierenden dabei helfen, ihre eigene Strategie für den Jobeinstieg zu entwickeln und auf „Fallstricke“ im Lebenslauf aufmerksam machen.

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