Freie Psychotherapieplätze in der Lehrambulanz der Universität Witten/Herdecke

Symboldbild Lehrtherapie

Die lehrtherapeutische Grundversorgung – auch Lehrambulanz genannt – des Departments für Psychologie und Psychotherapie der Universität Witten/Herdecke (UW/H) kann Erwachsenen ab April einen kostenlosen Psychotherapieplatz anbieten. Da die Kapazitäten in den vergangenen Monaten immer weiter ausgebaut werden konnten, sind derzeit Plätze frei. 

Master-Studierende therapieren unter enger Anleitung von erfahrenen Psychotherapeut:innen

Lehrambulanz bedeutet, dass Studierende des Master-Studiengangs Psychologie mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie der UW/H die Sitzungen leiten, immer in Begleitung und unter Anleitung von staatlich geprüften, erfahrenen Psychotherapeut:innen. Nach einem Erstgespräch und einer umfassenden Diagnostikphase, in der die Problematik und die Stärken der Patient:innen genauer betrachtet werden, folgt die Therapiephase. Insgesamt werden die Teilnehmenden zu zwölf Einzeltherapiesitzungen – einer pro Woche – eingeladen und erhalten am Ende einen vollumfänglichen Abschlussbericht.

„Studien belegen, dass es genauso gute Effekte hat, sich von Berufsanfängern behandeln zu lassen wie von erfahrenen Psychotherapeuten“, sagt Dr. Johannes Graser, der die Studierenden als Lehrtherapeut in den Sitzungen begleitet. Die Gründe dafür sind vielfältig: So werden alle Sitzungen zum Beispiel intensiv vor- und nachbereitet. Alle zwei Wochen kommt eine Supervision hinzu, in der sich die Studierenden zusammen mit zwei bis drei Kommiliton:innen und den Lehrtherapeut:innen Videos von den Sitzungen anschauen und besprechen, was gut gelaufen ist und wo es Schwierigkeiten gibt. „Das hat man auf dem freien Markt so nicht“, so Dr. Johannes Graser. „Die Therapien in der Lehrambulanz sind sehr viel stärker qualitätsüberwacht.“ 

Erste ambulante Fälle selbst behandeln

Student:in und Lehrtherapeut:in arbeiten als Duo – auf eine:n Patient:in kommen also zwei Personen. Nicht nur für die Teilnehmenden, auch für die Studierenden bietet die Lehrambulanz einen echten Mehrwert: „Für mich war es ein ganz besonderer Moment – der erste ambulante Fall. Ich fand es total spannend, so viel selbstständig zu machen, dabei aber immer eng begleitet zu werden und in der Supervisionsgruppe zu sein“, erinnert sich Nils Kruse, der sein Master-Studium im vergangenen Sommersemester abgeschlossen hat. „Meine Lehrtherapeutin hat mir viel Raum gelassen, hatte aber auch ein gutes Gespür dafür, an welchen Stellen ich Unterstützung brauchte und sie eingreifen sollte. So habe ich einfach gute erste Erfahrungen gemacht, Hemmschwellen für den Berufseinstieg abgebaut und starte mit einer anderen Gelassenheit und Ruhe in die tatsächliche Arbeit.“ Yannik Kulik, ebenfalls Alumnus des Psychologie-Masters, ergänzt: „Für mich war es auch schön, eine Patientin so eng im Prozess zu begleiten, von Anfang bis Ende dabei zu sein, und hinterher gespiegelt zu bekommen, dass sie wirklich von dem Angebot profitiert hat und wir einen Unterschied machen konnten.“ Beide hat die Lehrambulanz darin bestärkt, auch in ihrem Berufsleben in das Einzeltherapie-Setting zu gehen.

Ein Platz in der Lehrtherapie ist für Patient:innen kostenlos und wird auch nicht über die Krankenkasse abgerechnet. Eine Besonderheit: Anders als im Kassensystem endet die Therapie nach zwölf Sitzungen. Diese werden jedoch sehr konzentriert genutzt und wollen einen echten Mehrwert schaffen. Auch können sie dazu dienen, die Wartezeit zu überbrücken, bis bei niedergelassenen Psychotherapeut:innen ein Platz frei geworden ist. „Die Therapie ist zwar kürzer, aber es ist wirklich ein besonderes Setting“, betont Nils Kruse. „Es gibt ganz viel Raum rund um die Patient:innen; wir machen uns intensiv Gedanken über den Fall, tauschen uns aus und überlegen, wie man am besten vorgehen kann. Ich glaube, es ist einfach ein guter Ort, an dem einem auf positive Weise begegnet und geholfen wird.“ 

Wachsendes Team deckt einen immer größeren Psychotherapiebedarf

Therapiert werden können grundsätzlich alle psychischen Erkrankungen – nur Suchtpatient:innen, die von bestimmten Substanzen wie Alkohol oder Drogen abhängig sind, nimmt die Lehrambulanz nicht auf. 

Die Einführung der lehrtherapeutischen Grundversorgung vor rund zwei Jahren wurde durch die Reform des Psychologie-Masterstudiums zum Wintersemester 2023/24 und die neue Approbationsordnung möglich. Seitdem sind kontinuierlich weitere Lehrtherapeut:innen hinzugekommen, sodass das Team inzwischen auf 13 Personen angewachsen ist. Gemeinsam begleiten sie jedes Jahr 90 Studierende und Patient:innen durch die Lehrambulanz.

Wer Interesse an einem Therapieplatz hat, kann sich zu den Sprechzeiten telefonisch melden oder jederzeit eine E-Mail schreiben an: Lehrtherapeutische-Grundversorgung@uni-wh.de Weitere Infos und Kontaktdaten finden sich auf der Website der Lehrambulanz.

Ansprechpartnerin

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Svenja Kurth, M. A.

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