Gegen den Bundesdurchschnitt: Die Universität Witten/Herdecke bringt mehr Ärzt:innen in eigene Praxen und in Leitungsfunktionen
Eine aktuelle Alumni-Tracking-Studie hat die beruflichen Wege von 333 Mediziner:innen untersucht und mit bundesweiten Daten verglichen.
Immer weniger Ärzt:innen entscheiden sich für die Niederlassung in einer eigenen Praxis. Gleichzeitig wächst der Bedarf an einer starken ambulanten Versorgung.
Eine aktuelle Alumni-Tracking-Studie des Studiendekanats Humanmedizin der Universität Witten/Herdecke (UW/H) zeigt nun ein völlig anderes Bild für ihre eigenen Absolvent:innen: Entgegen dem bundesweiten Trend entscheiden sich diese deutlich häufiger für die Niederlassung.
Die UW/H setzt in der Ausbildung ihrer Humanmedizin-Studierenden seit Jahren auf frühe Praxiserfahrung und konsequente Einbindung in die ambulante Versorgung – eine Ausrichtung, die offensichtlich Wirkung zeigt.
Analysiert wurden die Karrieren von 333 Mediziner:innen der Abschlussjahrgänge 1999 bis 2008. Die Ergebnisse wurden mit bundesweiten Daten der Ärztestatistik der Bundesärztekammer verglichen.
Die Unterschiede sind deutlich
49,7 Prozent der UW/H-Absolvent:innen arbeiten in der ambulanten Versorgung, 41,1 Prozent davon in ihrer eigenen Praxis. Dies steht in starkem Kontrast zum Bundesdurchschnitt, der bei lediglich 24,4 Prozent liegt.
Auch in der stationären Versorgung in den Krankenhäusern zeigen sich Unterschiede. UW/H-Alumni sind häufiger in leitenden Positionen tätig – etwa als Chefärzt:innen oder Klinikdirektor:innen.
Gleichzeitig bleiben UW/H-Absolvent:innen ihrem Beruf häufiger treu: Nur 2,9 Prozent sind nicht mehr in der medizinischen Versorgung tätig – deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt.
Neue Methode zur Messung regionaler Bindung
Neben den beruflichen Wegen analysierte das Forschungsteam auch die geografische Verteilung der Arbeitsorte. Grundlage war ein Geoinformationssystem, mit dem ein Verfahren zur Messung des sogenannten „Klebeeffekts“ entwickelt wurde. Dieser Effekt beschreibt die Tendenz von Absolvent:innen, nach ihrem Abschluss in der Nähe ihres Ausbildungsortes beruflich tätig zu werden.
Die Ergebnisse zeigen eine deutlich erhöhte Dichte von Absolvent:innen im direkten Umfeld der Universität. Innerhalb eines Radius von sechs Kilometern ist sie 207-mal höher als statistisch zu erwarten wäre. Der Effekt bleibt bis etwa 30 Kilometer Entfernung klar erkennbar. Das Verfahren ermöglicht erstmals eine fein aufgelöste Analyse regionaler Bindung von Ärzt:innen. Es bietet damit eine Grundlage, um die Wirkung von Ausbildungsstandorten auf spätere Versorgungsstrukturen systematisch zu untersuchen.
Weitere Informationen: Hier geht’s zur Publikation von Robin Herbrechter et al.:Where do our students go? A blueprint for quantifying the local retention effect and its reach by tracking the career paths of medical students | Publisso
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