Gemeinsam für eine starke hausärztliche Versorgung in Nordrhein-Westfalen

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Was braucht das Land Nordrhein-Westfalen, um die hausärztliche Versorgung – auch und vor allem im ländlichen Raum – sicherzustellen und wie kann die Universität Witten/Herdecke (UW/H) dazu beitragen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen der Universitätsleitung und Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, Dr. Johannes Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Markus Wenning, Ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, sowie Mitgliedern der Fakultät für Gesundheit der UW/H.

Die ambulante hausärztliche Versorgung in Nordrhein-Westfalen, insbesondere in Westfalen-Lippe, steht vor großen Herausforderungen. Ein signifikanter Anteil von Hausärzt:innen ist über 60 Jahre alt, gleichzeitig ist wegen des demografischen Wandels mit mehr Patient:innen in den nächsten Jahren zu rechnen. Die Landesregierung hat daher bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, damit eine wohnortnahe hausärztliche Versorgung weiterhin möglich bleibt. Dazu gehören etwa die Einführung der Landarztquote, das Hausarztaktionsprogramm, der Ausbau von Medizinstudienplätzen, der Aufbau der medizinischen Fakultät in Bielefeld oder die Etablierung von W3-Professuren für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten in Nordrhein-Westfalen. Dank dieser Aktivitäten ist es gelungen, die Anzahl der Facharztanerkennungen im Bereich Allgemeinmedizin in Nordrhein-Westfalen signifikant zu steigern. Darüber hinaus hat das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium Anfang März 2026 bereits Impulse für die angekündigte Reform des ambulanten Bereichs auf Bundesebene vorgelegt. Zugleich unterstützt das Land Aktivitäten für eine umfassende Reform des Approbationsrechts. 

Allgemeinmedizin spielt eine wichtige Rolle im Medizinstudium an der UW/H

In ihrem Modellstudiengang Medizin legt die Universität Witten/Herdecke schon heute einen besonderen Fokus auf die Allgemeinmedizin als wichtiges Standbein der Ausbildung. Von der genauen Ausgestaltung haben sich die Landes- und Interessenvertretungen nun ein Bild gemacht, um mögliche Anknüpfungspunkte für gemeinsame Schritte auszuloten.

So haben Studierende der UW/H bereits ab dem ersten Semester und fortan über das gesamte Studium hinweg Praxiseinsätze in der Allgemeinmedizin. Damit kommt dieser Disziplin in Witten – wie an kaum einer anderen Universität – ein hoher Stellenwert zu. Die Studierenden machen zudem ein mindestens sechswöchiges verpflichtendes Praktikum im allgemeinmedizinischen Bereich; in einem weiteren Studienabschnitt können sie freiwillig noch einmal vier Wochen anschließen. Insgesamt vier Professor:innen sind in Lehre und Forschung hauptamtlich in diesem Bereich tätig. 

Um diese Art der praxisnahen Ausbildung zu ermöglichen, kooperiert die UW/H mit rund 300 hausärztlichen Praxen im gesamten Bundesgebiet, schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen und auch in ländlichen Regionen. Die Allgemeinmedizin ist damit zwar schon gut im Studium an der UW/H verankert; gleichzeitig wird daran gearbeitet, die praktische Ausbildung, die bislang überwiegend in einem klinischen Umfeld stattfindet, perspektivisch noch stärker allgemeinmedizinisch auszurichten.

„Eine inhaltliche und praktische Schwerpunktsetzung, wie die Universität Witten/Herdecke sie verfolgt, kann einen wichtigen Beitrag leisten, um noch mehr Medizinstudierende für eine Weiterbildung im Bereich Allgemeinmedizin sowie für eine hausärztliche Tätigkeit zu begeistern“, sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. „Als Land haben wir zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die hausärztliche Versorgung zu stärken. Ein weiterer wichtiger Baustein könnte auch eine reformierte Ausbildung sein.“ 

Gesundheitsversorgung gemeinsam weiterdenken

Im Sommer 2024 wurde darüber hinaus – mit Unterstützung der Landesregierung – die Verdoppelung der Medizinstudienplätze an der UW/H auf 84 Studierende pro Semester abgeschlossen. Eine gute medizinische Versorgung beginnt meist vor Ort – bei den Hausärztinnen und Hausärzten. Deshalb stärken wir die Allgemeinmedizin gezielt auch über mehr Studienplätze. So erreichen wir im Wintersemester 2026/27 insgesamt knapp 2.750 Studienanfängerplätze für Humanmedizin in Nordrhein-Westfalen. Das entspricht 15 Studienanfängerplätzen auf 100.000 Einwohner. Damit liegt Nordrhein-Westfalen im Bundesvergleich gleichauf mit Flächenländern wie Bayern und Baden-Württemberg. Bundesweit leisten wir – auch dank der praxisnahen, exzellenten Ausbildung an der Universität Witten/Herdecke – den größten Beitrag zur Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten“, sagt NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes.

Die Verbindung von allgemeinmedizinischer Wissenschaft und Praxis in der Primärversorgung gelingt an der UW/H vor allem im deutschlandweit einzigartigen Institut für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung (iamag). Durch angewandte Lehre und Forschung will das iamag den Berufsstand der Hausärzt:innen attraktiver machen. Zudem betreut es über das Studium hinaus Ärzt:innen in Weiterbildung bis hin zur Niederlassung. Diese jungen, an der Universität Witten/Herdecke ausgebildeten Mediziner:innen können ihr Wissen in eigenen akademischen Lehrpraxen an die nächste Generation weitergeben. 

„Wir wollen mit unserer kleinen, dynamischen und innovativen Universität zu der wichtigen gesellschaftspolitischen Aufgabe einer angemessenen ärztlichen Gesundheitsversorgung beitragen, auch in ländlichen Regionen“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Martin Butzlaff. „Der Dialog mit Politik und Interessenverbänden zeigt, wie wichtig eine gemeinsame Haltung ist, um positive Veränderungen für unser Land zu bewirken und neue, zukunftsweisende Ideen umzusetzen.“

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Gruppenfoto mit 14 Personen

Politik, Interessenvertretungen und die UW/H machen sich gemeinsam stark für eine gute hausärztliche Versorgung in NRW. (Foto: UW/H)

Herr Laumann, Frau Brandes und ihr Referent sitzen auf einer Seite des Tisches.

Die NRW-Minister:innen Karl-Josef Laumann und Ina Brandes im Gespräch mit der Universitätsleitung. (Foto: UW/H)

Karl-Josef Laumann und Ina Brandes sitzen an einem Tisch.

Im Gespräch wurden mögliche Anknüpfungspunkte für gemeinsame Schritte ausgelotet. (Foto: UW/H)

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Svenja Kurth, M. A.

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