Konrad Schily und Urban Vogel: Autonomie oder Fremdbestimmung im Gesundheitswesen

Das System der gesetzlichen Krankenversicherung – von der historischen Reichsversicherungsordnung bis heute – war von Beginn an staatlich gelenkt und zugleich planwirtschaftlich organisiert. Diese regulatorische Dichte zeigt sich auch in Zahlen: Zwischen 1950 und 2026 passierten weit über 200 Gesetze zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) den Bundestag. Allein in den vergangenen zehn Jahren waren es rund 50 wesentliche Änderungsgesetze, Artikelgesetze und Reformen. Der aktuelle „Entwurf eines Gesetzes zur Stabilisierung der Beitragssätze“ verspricht zwar Stabilität, bewirkt aber das Gegenteil: Die Beiträge steigen, während Leistungen erneut gekürzt werden. Eine grundlegende Reform wird gefordert, ist aber nicht in Sicht.
Die Samarita-Solidargemeinschaft
Der Impuls zur Gründung der Samarita-Solidargemeinschaft 1997 entstand aus dem Wunsch der Gründer nach einer Alternative für eine Absicherung im Krankheitsfall mit dem Fokus auf Therapiefreiheit, Verantwortung und Solidarität.
Bereits in den 1970er Jahren hatten Polizist:innen und Justizangestellte in Münster und Bielefeld aus ähnlichen Beweggründen Solidargemeinschaften gebildet.
Die Einrichtungen haben sich erfolgreich entwickelt und zeigen, dass eine Absicherung für den Krankheitsfall gesellschaftlich und wirtschaftlich so organisiert werden kann.
Der ideelle Hintergrund der Solidargemeinschaften im Gesundheitswesen ist in seiner freiheitlichen Sachorientierung zur gegenseitigen Unterstützung im Krankheitsfall mit dem ideellen Hintergrund der Studierendengesellschaft zur Finanzierung der Kostenbeiträge des Studiums vergleichbar. In beiden Fällen soll die Autonomie der Mitglieder möglichst wenig eingeschränkt werden. In einem Falle ist es die freie Gestaltung des Studiums, im anderen Fall der Erhalt der Autonomie für Patient:innen, Ärzt:innen und Therapeut:innen.
Auch hier zeigt sich, dass die sozial richtige auch die wirtschaftlich günstigere Einrichtung ist. Dagegen führt das planwirtschaftliche, politisch ausgehandelte System zu einem fortlaufend erhöhten Verwaltungsaufwand, bei sinkender Leistungsfähigkeit und weiter abnehmender Autonomie für die Patient:innen, Ärzt:innen und aller weiteren Berufsgruppen im Gesundheitswesen.
Im Podiumsgespräch soll anhand des Beispiels der Samaria-Solidargemeinschaft eine Alternative zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung vorgestellt, erläutert und beleuchtet werden.
Zu Gast sind Konrad Schily, Mitbegründer der UW/H und ehemaliger UW/H-Präsident, sowie Urban Vogel, der im Vorstand der Samariter-Solidargemeinschaft tätig ist.
Die Veranstaltung ist kostenlos.