Sicherheit neu denken: Ohne Klima kein Schutz
Eine neue Lagebeurteilung zur Sicherheit in Deutschland, die unter Beteiligung der Uni Witten/Herdecke entstanden ist, zeigt, warum es mehr als Aufrüstung braucht.
Wie sicher ist unsere Zukunft – und wovon hängt sie ab? Mit dieser Frage befasst sich eine aktuelle Lagebeurteilung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Prof. Dr. Joscha Wullweber von der Universität Witten/Herdecke (UW/H) ist Mitglied des WBGU und hat federführend daran mitgewirkt. Die zentrale Forderung: Sicherheitspolitik muss sich breiter aufstellen.
Der Anlass ist ernst. In Europa wächst das Unsicherheitsgefühl. Kriege, geopolitische Spannungen und globale Krisen überlagern sich. Gleichzeitig geraten internationale Regeln unter Druck. Wer darauf nur mit Aufrüstung antwortet, verkennt laut WBGU die eigentlichen Risiken: schwindende Lebensgrundlagen, fragile Gesellschaften und eine zunehmende Verwundbarkeit demokratischer Systeme. Was folgt daraus? Sicherheitspolitik muss vorsorgen, nicht nur reagieren. Sie muss Klimaschutz als Sicherheitsfrage begreifen, technologische Abhängigkeiten reduzieren, Desinformation eindämmen und internationale Zusammenarbeit stärken – so der WBGU.
Was jetzt politisch folgen muss
Daraus leiten die Forschenden fünf Handlungsfelder für die politische Strategie der Bundesregierung und des Nationalen Sicherheitsrates ab:
- Schutz vor Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Verschmutzung, um die Lebensfähigkeit der Menschheit zu bewahren.
- Sozialer Zusammenhalt, um resiliente Gesellschaften zu fördern.
- Informationsintegrität, um die Demokratie wehrhaft zu machen.
- Abgewogene Nutzung von Technologien und Rohstoffen, um Abhängigkeiten zu reduzieren.
- Strategische, regelbasierte und faire Kooperation, um die internationale Zusammenarbeit zu stützen.
Die aktuelle Lagebeurteilung ist der Auftakt weiterer Analysen. In den kommenden Monaten sollen weitere Teilgutachten zu den verschiedenen Handlungsfeldern veröffentlicht werden.
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