Sicherheit neu denken: Ohne Klima kein Schutz

Zehn Menschen stehen vor einem blauen Huntergrund. Zwei Frauen halten eine Urkunde fest. Übergabe der Lagebeurteilung an die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter im Bundesumeweltministerium.

Wie sicher ist unsere Zukunft – und wovon hängt sie ab? Mit dieser Frage befasst sich eine aktuelle Lagebeurteilung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Prof. Dr. Joscha Wullweber von der Universität Witten/Herdecke (UW/H) ist Mitglied des WBGU und hat federführend daran mitgewirkt. Die zentrale Forderung: Sicherheitspolitik muss sich breiter aufstellen.

Der Anlass ist ernst. In Europa wächst das Unsicherheitsgefühl. Kriege, geopolitische Spannungen und globale Krisen überlagern sich. Gleichzeitig geraten internationale Regeln unter Druck. Wer darauf nur mit Aufrüstung antwortet, verkennt laut WBGU die eigentlichen Risiken: schwindende Lebensgrundlagen, fragile Gesellschaften und eine zunehmende Verwundbarkeit demokratischer Systeme. Was folgt daraus? Sicherheitspolitik muss vorsorgen, nicht nur reagieren. Sie muss Klimaschutz als Sicherheitsfrage begreifen, technologische Abhängigkeiten reduzieren, Desinformation eindämmen und internationale Zusammenarbeit stärken – so der WBGU.

Das nun veröffentlichte erste Teilgutachten „Umwelt prägt Sicherheit“ vertieft diese Empfehlungen. Der WBGU fordert, globale Umweltveränderungen dauerhaft in die deutsche Sicherheitsarchitektur zu integrieren. Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung seien längst zentrale Sicherheitsrisiken und müssten deshalb systematisch in Risikoanalysen und die Arbeit des Nationalen Sicherheitsrats einfließen.

Was jetzt politisch folgen muss

Daraus leiten die Forschenden fünf Handlungsfelder für die politische Strategie der Bundesregierung und des Nationalen Sicherheitsrates ab: 

  • Schutz vor Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Verschmutzung, um die Lebensfähigkeit der Menschheit zu bewahren.
  • Sozialer Zusammenhalt, um resiliente Gesellschaften zu fördern.
  • Informationsintegrität, um die Demokratie wehrhaft zu machen.
  • Abgewogene Nutzung von Technologien und Rohstoffen, um Abhängigkeiten zu reduzieren.
  • Strategische, regelbasierte und faire Kooperation, um die internationale Zusammenarbeit zu stützen.
     

Das erste Teilgutachten vertieft das erste Handlungsfeld der Lagebeurteilung. Es empfiehlt, die Energiewende als Sicherheitsgewinn zu nutzen und neue fossile Abhängigkeiten zu vermeiden. Zudem sollen natürliche Ökosysteme wie Wälder oder Moore als Teil der Sicherheitsinfrastruktur stärker geschützt werden. Auch internationaler Ökosystemschutz wird als Beitrag zu Frieden und Stabilität verstanden. Weitere Analysen zu den übrigen Handlungsfeldern der integrierten Sicherheitspolitik will der WBGU in den kommenden Monaten veröffentlichen.

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Svenja Malessa

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