30 Jahre Pflegewissenschaft: Wie aus einer Pionierleistung Zukunftsperspektiven entstehen

Prof. Dr. Margarete Halek spricht zu den Gästen der Jubiläumsfeier.

Was heute ein etablierter Bestandteil von Forschung, Lehre und Gesundheitsversorgung ist, war vor 30 Jahren noch ein Novum: 1996 führte die Universität Witten/Herdecke (UW/H) den ersten universitären Studiengang für Pflegewissenschaft in Deutschland ein. Damit eröffnete sie beruflich Pflegenden neue akademische Perspektiven und legte einen wichtigen Grundstein für die wissenschaftliche Weiterentwicklung des Berufsbildes. Wie weit sich die Disziplin seither entwickelt hat und welche Herausforderungen vor ihr liegen, stand am 2. Oktober 2026 im Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltung unter dem Motto „30 Jahre Pflegewissenschaft – Reflexionen, Impulse, Perspektiven“.

Unter den rund 150 Gästen waren langjährige Wegbereiter:innen und prominente Unterstützer:innen der Pflegewissenschaft, darunter die Gründerin des Wittener Instituts und heutigen Departments, Prof. Dr. h.c. Christel Bienstein, sowie Prof. i.R. Dr. Sabine Bartholomeyczik. Auch UW/H-Gründungspräsident Dr. Konrad Schily, Wittens Bürgermeister Dirk Leistner und ein ehemaliger Vertreter der Stiftung Mercator nahmen an der Veranstaltung teil.

Von den Anfängen zur etablierten Wissenschaftsdisziplin

„Machen Sie doch, was Sie wollen! Studieren Sie Pflegewissenschaft!“ – mit diesem Aufruf warb die UW/H 1996 für ihren neuen Studiengang. Die damaligen Schlagzeilen, die zum Auftakt der Jubiläumsveranstaltung noch einmal aufgegriffen wurden, verdeutlichten, wie ungewöhnlich dieser Schritt seinerzeit war.

Prof. Dr. Margareta Halek, Leiterin des Departments für Pflegewissenschaft, zeichnete in ihrer Begrüßung die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte nach und zeigte den Beitrag von Witten für die Pflegewissenschaft in Deutschland auf. Auch Christel Bienstein erinnerte an die Anfänge und die Menschen, die den Aufbau der Pflegewissenschaft in Witten initiiert und vorangetrieben haben.

UW/H-Präsident Prof. Dr. Martin Butzlaff betonte in seinem Grußwort den langfristigen gesellschaftlichen Wert wissenschaftlich fundierter Pflege – in Anlehnung an ein bekanntes Zitat von John F. Kennedy – mit den Worten: „Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Pflegewissenschaft: keine Pflegewissenschaft.“

Welche Pflege braucht die Gesundheitsversorgung von morgen?

Der Blick zurück bildete zugleich den Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit aktuellen und zukünftigen Herausforderungen. Drei Festvorträge beleuchteten zentrale Handlungsfelder der Pflegewissenschaft: Versorgung, Bildung und Forschung.

Prof. Dr. Hartmut Remmers setzte sich kritisch mit der Rolle der Pflege in der Gesundheitsversorgung auseinander. Prof. Dr. Markus Zimmermann diskutierte die Entwicklung der hochschulischen Pflegebildung und ihre Perspektiven vor dem Hintergrund der deutschen Gesetzgebung. Prof. Dr. Gabriele Meyer richtete den Fokus auf die Pflegeforschung und betonte unter anderem die Bedeutung einer stärkeren Verbindung von Wissenschaft und Praxis, die Weiterentwicklung der Forschung in der Akutversorgung und die internationale Vernetzung.

Wie wissenschaftliche Qualifikation den Versorgungsalltag bereits heute prägt, machten fünf Absolvent:innen der UW/H deutlich, die heute in zentralen Stabsstellen der Praxis und Qualitätsentwicklung arbeiten. In ihren Pitches stellten sie Aufgaben, Erfahrungen und Zukunftsvorstellungen aus den unterschiedlichen Pflegebereichen vor. Ein Beispiel lieferte Leah Dörr, die das gesamte Wundmanagement am Universitätsklinikum Bonn verantwortet. Ihr und auch der berufliche Werdegang der Anderen zeigt, welche Verantwortung akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen in der Versorgung übernehmen können.

Zum Abschluss brachte eine lebhafte Podiumsdiskussion unterschiedliche Perspektiven zusammen: Vertreter:innen aus Wissenschaft, Bildung, Forschung und Praxis diskutierten hierbei über die Zukunft der Pflege und ihren Beitrag zu einer tragfähigen Gesundheitsversorgung. Zwischen der Würdigung des Geleisteten mischten sich auch kritische Töne: die Pflege(-wissenschaft) wird im Verhältnis zu ihrer Systemrelevanz immer noch zu selten und mit zu wenig Gewicht in politische Entscheidungsprozesse eingebunden, wie aktuelle Reformen zeigen.

Gemeinsam die Zukunft der Pflege gestalten

Die Jubiläumsveranstaltung machte deutlich, wie eng die Entwicklung der Pflegewissenschaft in Deutschland mit der Universität Witten/Herdecke verbunden ist. Zugleich zeigte sie, dass die Akademisierung der Pflege kein abgeschlossener Prozess ist. Wissenschaftliche Erkenntnisse in die Versorgung zu übertragen, akademische Bildungswege weiterzuentwickeln und die Rolle der Pflege im Gesundheitssystem zu stärken, bleiben zentrale Aufgaben.

Neben den fachlichen Impulsen bot das Jubiläum Raum für persönliche Begegnungen und den Austausch zwischen unterschiedlichen Generationen der Pflegewissenschaft. Das Department für Pflegewissenschaft dankt allen ehemaligen und aktuellen Mitarbeitenden, Absolvent:innen, langjährigen Wegbegleiter:innen sowie den zahlreichen weiteren Gästen, die die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre mitgestaltet und das Jubiläum gemeinsam gefeiert haben.

Weitere Informationen:
Die Jubiläumsseite bietet eine Galerie mit Impressionen der Veranstaltungen sowie Videobotschaften.

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Miriam Kreimeyer

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