Themenjahr 2025

Sustainable Finance

Ohne eine massive Umlenkung von Finanzströmen wird die sozial-ökologische Transformation nicht gelingen. Allein in der EU fehlen bis 2030 jährlich mindestens 370 Milliarden Euro an Investitionen, während weiterhin in großem Umfang Kapital in Aktivitäten mit hohen Treibhausgasemissionen fließt. Das Themenjahr 2025 des [tra:ce] widmete sich der Frage, woran das liegt und wie sich das ändern ließe.

Im Mittelpunkt stand das [tra:ce]-Forschungsprojekt „Klimawandel und globale Finanzen am Scheideweg" (SuFi) unter Leitung von [tra:ce]-Direktor Prof. Dr. Joscha Wullweber,  welches 2025 nach drei Jahren Laufzeit abgeschlossen wurde. Zum Projektteam an der UW/H  gehörten Nicolás Aguila, Riccardo Baioni, Jan Fichtner, Paula Haufe, Simon Schairer und Janina Urban. Gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW, Berlin) untersuchten sie, wie sich das Investitionsverhalten des Finanzsektors durch Regulierung und Geldpolitik beeinflussen lässt. 

Austausch mit der Praxis

Am 4. April 2025 veranstaltete das Projektteam in Berlin eine internationale Stakeholder-Konferenz mit Vertreter:innen aus Banken, Regulierungsbehörden, Zentralbanken und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Wullweber fasste die Ausgangslage der Forschung dort so zusammen: „Zu Beginn des Projekts standen wir vor dem scheinbaren Widerspruch, dass der Finanzsektor einerseits als der große Hebel für den Klimaschutz beschrieben wurde. Auf der anderen Seite war aber ein viel zu geringer Anstieg an grünen Finanzierungen zu verzeichnen und die Finanzierung von klimaschädlichen Investitionen blieb hoch."

Die Rückmeldungen aus der Praxis flossen in die Ausarbeitung der Politikempfehlungen ein, die am 30. Juni bei einem Online-Launch-Event des [tra:ce] öffentlich vorgestellt wurden.

Der Policy Report als Projektabschluss

Zum Abschluss legte das Team den [tra:ce] Policy Report „Financing the green transition" vor. Der Bericht argumentiert, dass die Finanzierungslücke nicht auf fehlendes Kapital zurückgeht, sondern auf fehlende bankfähige grüne Projekte. Entscheidend sei die bankability: die Frage, ob eine Investition den Rendite- und Risikoerwartungen privater Kapitalgeber entspricht. Grüne Projekte erfüllen diese Erwartungen häufig nicht, während emissionsintensive Investitionen weiterhin als profitabel und risikoarm gelten.

Daraus leiten die Autor:innen drei Handlungsfelder ab: die Bankfähigkeit noch nicht bankfähiger grüner Projekte politisch zu erhöhen, die Finanzierung emissionsintensiver Aktivitäten zu verteuern, und jene grünen Aktivitäten öffentlich zu finanzieren, die niemals bankfähig sein werden, etwa Moor- oder Hochwasserschutz. Ein zentrales Ergebnis betrifft die Grenzen von Sustainable Finance: Finanz- und Geldpolitik allein, so der Bericht, könne die Transformation nicht tragen und müsse durch Fiskal-, Innovations- und Industriepolitik ergänzt werden.

Vertieft wurden die einzelne Befunde auch in mehreren Beiträgen zur [tra:ce] Working Paper Series, unter anderem zu grenzüberschreitenden Finanzierungsstrukturen, die Emissionsbilanzen von Banken verschleiern, und zu der Frage, wie private Finanzakteure stranded assets im Markt halten.

Im Themenjahr 2026 richtet sich der Blick auf die eigene Stadt: Unter dem Motto „Stadt.Forschung.Zukunft – Ein Reallabor für Witten" erproben wir nachhaltigen und gerechten Wandel gemeinsam mit Akteur:innen vor Ort. Wir werden berichten!