Assisting Refugees to Access Psychological Support (ARAP)

Die Problemlage
Zwischen 1953 und 2025 verzeichnete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt 7,3 Millionen Asylanträge, von denen etwa 4,8 Millionen in Nordrhein-Westfalen gestellt wurden. Menschen, die aus Krisen- und Konfliktgebieten fliehen überstehen oft lebensbedrohliche Fluchtwege und sind in einem Großteil der Fälle erheblichen Belastungen ausgesetzt. Schätzungen zufolge haben rund 80 % dieser Personen potenziell traumatisierende Erfahrungen gemacht.
Derartige Erlebnisse bleiben selten ohne psychische Folgen. Häufig resultieren sie in anhaltendem psychischem Leid und können zur Entwicklung psychischer Erkrankungen beitragen. Verschiedene Studien zeigen, dass etwa 40–50 % der Menschen mit Fluchterfahrung behandlungsbedürftige psychische Erkrankungen aufweisen. Ohne adäquate Versorgung besteht ein erhöhtes Risiko der Chronifizierung, was spätere Behandlungen deutlich erschwert und verlängert.
Neben der bereits stark belasteten ambulanten psychotherapeutischen Versorgung bestehen für Menschen mit Fluchterfahrung zusätzliche strukturelle Barrieren. Insbesondere fehlende Kostenübernahmen für Sprach- und Kulturmittlung (SKM) sowie seltene migrations- und traumaspezifische Fachkenntnisse auf Seiten der Behandelnden erschweren den Zugang zu angemessener Versorgung. In der Folge entsteht ein erhebliches Behandlungsdefizit, das nicht zuletzt auch Integrationsprozesse nachhaltig beeinträchtigen kann.
Unser Projekt
Das Projekt ARAP (Assisting Refugees to Access Psychological Support) zielt darauf ab, die beschriebenen Versorgungslücken gezielt zu reduzieren. Durch Drittmittelfinanzierung wurde es der Universität Witten/Herdecke ermöglicht, dieses Projekt in Nordrhein-Westfalen umzusetzen.
Das Angebot richtet sich einerseits direkt an Menschen mit Fluchterfahrung und Behandlungsbedarf. Andererseits bezieht es sowohl ambulant tätige Psychotherapeut:innen mit Kassenzulassung sowie Psychotherapeut:innen in Ausbildung (PiA) ein.
- Für belastete Menschen schaffen wir Zugang zu einer qualifizierten, kultursensiblen und regelgerechten psychotherapeutischen Versorgung. Zu Beginn bieten wir strukturierte Klärungsgespräche (Clearing) an, in denen wir den Bedarf und den Auftrag gemeinsam klären – entweder online oder vor Ort an der Universität Witten/Herdecke. Dabei beziehen wir vorherige Klärungen durch spezialisierte Einrichtungen (z. B. psychosoziale Zentren für Überlebende von Folter, Krieg und Flucht) mit ein.
- Für Psychotherapeut:innen mit Kassenzulassung und Psychotherapeut:innen in Ausbildung (PiA) bieten wir Fortbildung und Supervision bzgl. migrations- und traumaspezifischer Fachkenntnisse und stehen als Ansprechpartner:innen zur Verfügung. Zur Unterstützung einer erfolgreichen Behandlung übernimmt das Projektteam die Organisation und Finanzierung von Sprach- und Kulturmittlungsleistungen (SKM) für die Dauer der Therapie. Besonders komplexe Fälle, beispielsweise bei schwieriger aufenthaltsrechtlicher Situation, werden direkt durch das Projektteam betreut.
- Für Fachkräfte die in einem regelmäßigen Kontakt mit Kinder und Jugendlichen stehen (z. B. Pädagog:innen, Mitarbeiter:innen im offenen Ganztag) bieten wir Fortbildungen bzw. Schulungsmaterialien zu Erscheinungsformen psychischer Störungen sowie die kultursensible Thematisierung entsprechender Belastungen an. So können betroffene Personen frühzeitig erkannt und gezielt an das Projekt weitervermittelt werden.
Im Anschluss bringen wir belastete Menschen und Behandler:innen zusammen: Bei Bedarf und Auftrag erfolgt die Vermittlung in ein regionales Netzwerk niedergelassener Psychotherapeut:innen.
Unsere Angebote
Zur Qualifikation und Unterstützung von Psychotherapeut:innen und PiAs im Themenfeld Migration, Flucht und Trauma bieten wir die folgenden kostenfreien Angebote:
• Regelmäßige, und gegebenenfalls spezielle Supervision
• Fortbildungen zu Migration, Flucht und Traumafolgestörungen
• Organisation von Intervisionsgruppen
• Bereitstellung themenspezifischer Materialien
• Regelmäßige Sprechstunden des Projektteams für Psychotherapeut:innen und PiA
• Vermittlung von Klient:innen sowie Organisation von SKM-Diensten
Die Akkreditierung der Angebote durch die Psychotherapeutenkammer wird beantragt. Die Teilnahme ist grundsätzlich flexibel und unverbindlich. Darüber hinaus besteht für Interessierte die Möglichkeit, durch eine kontinuierliche Teilnahme eine Zusatzqualifikation im Bereich Migration und Flucht zu erwerben.
Zur Bedarfsklärung psychotherapeutisch arbeitender Kolleg:innen bitten wir Sie die folgende Umfrage zur Bedarfsklärung auszufüllen:
Für Klient:innen
Unser Angebot ist für geflüchtete Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Wir helfen Menschen, denen es nicht gut geht. Zum Beispiel bei Angst, Traurigkeit, Stress oder schlimmen Erinnerungen. Zuerst führen wir ein Gespräch. Wir hören Ihnen zu und überlegen gemeinsam, welche Hilfe gut für Sie ist. Das Gespräch ist an der Universität Witten/Herdecke oder online möglich. Wenn Sie wenig Deutsch sprechen, organisieren wir eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher. Das Gespräch ist kostenlos. Sie brauchen nur Ihre Krankenkassenkarte. Danach helfen wir Ihnen, passende Unterstützung in Ihrer Nähe zu finden, zum Beispiel bei Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten oder Beratungsstellen.
Flyer:
Ablauf für Psychotherapeut:innen
Um Ihre Bedarfe bestmöglich auszufüllen bitten wir Sie die folgende Umfrage zur Bedarfserfassung auszufüllen. Nach dortiger Angabe ihrer Kontaktdaten tritt das Projektteam mit Ihnen in Kontakt. Im Anschluss wird in einem gemeinsamen Austausch ein geeigneter Rahmen der Zusammenarbeit abgestimmt. Entscheiden Sie sich für die Übernahme einer Klientin bzw. eines Klienten, übernimmt das Projektteam die organisatorischen Prozesse der SKM-Diensten, sodass Sie sich vollständig auf die therapeutische Arbeit konzentrieren können.
Zur kontinuierlichen Information erhalten Sie einen regelmäßigen Newsletter mit aktuellen Fortbildungs- und Supervisionsangeboten sowie Therapieplatzgesuchen. Darüber hinaus bietet eine Karte Übersicht über bestehende Intervisionsgruppen und relevante Ansprechpartner:innen in Ihrer Region.
Sollten Sie Interesse an Intervision haben, jedoch noch keine entsprechende Gruppe in Ihrer Nähe bestehen, können Sie sich jederzeit unter arap@uni-wh.de an uns wenden.
Fortbildungen und Supervision
- Hier finden Sie aktuelle Fortbildungsangebote: Demnächst verfügbar
- Hier finden Sie aktuelle Supervisionsangebote: Demnächst verfügbar
- Online Seminare NET (auf Englisch) https://www.net-institute.org/
- Online-Training TF-KVT für Kinder und Jugendliche Universität Eichstätt-Ingolstadt https://tfkvt.ku.de/
Literatur und Material
- Projekt „NEDA“ (u. a. Psychoedukation, Stress, Spezifische Übungen)
- ar, de, en, fa, ru, uk - Schweizerisches Rotes Kreuz (Informationsbroschüre zur PTBS)
- ar, bs/hr/sr, de, en, fa/prs, fr, it, ps, ru, sq, ta, tr, uk - Universität Eichstätt-Ingolstadt (u. a. Informationsblatt PTBS, Entspannungsübungen)
- ar, de, fa, fr, kmr, prs, ps, so, ti - Caritas Köln (Ratgeber für Eltern von seelisch belasteten Kindern und Jugendlichen)
- ar, de, en, uk - Leitfaden zur emotionalen Selbsthilfe (PEP)
- de, en, pl, ru, uk
Sprachkürzel: Albanisch (sq), Amharisch (am), Arabisch (ar), Birmanisch (my), Bosnisch (bs), Chinesisch (zh), Dari (prs), Deutsch (de), Englisch (en), Farsi (fa), Finnisch (fi), Französisch (fr), Griechisch (el), Italienisch (it), Kurmanji (kmr), Kroatisch (hr), Nepalesisch (ne), Niederländisch (nl), Nordsamisch (se), Norwegisch (no), Paschtu (ps), Polnisch (pl), Russisch (ru), Schwedisch (sv), Serbisch (sr), Somali (sp), Spanisch (es), Suaheli (sw), Tamil (ta), Tigrinya (ti), Türkisch (tr), Ukrainisch (uk), Ungarisch (hu)
Nützliche Links
- Bundesverband Psychosozialer Zentren
- PSZ NRW
- Lehrvideos Asyl- und Aufenthaltsrecht
- Arbeitshilfe zur Beantragung der Kostenübernahmen von Therapie mit minderjährigen Geflüchteten und jungen Volljährigen
- Nationales Zentrum Frühe Hilfen (Materialien für die Arbeit mit geflüchteten Familien)
- Adressenverzeichnis der behördenunabhängigen Beratungsstellen und Initiativen
Fragebögen
Refugee-Health-Screener 15 (R-H-S 15)
- am, ar, en, es, fa, fr, my, ne, prs, ru, so, sw, ti
Child and Adolescent Trauma Screener 2 (CATS-2)
- ar, de, el, en, fa, fi, fr, hu, kmr, nl, no, prs, ps, ru, se, so, sv, ti, tr, uk, zh
Sprachkürzel: Albanisch (sq), Amharisch (am), Arabisch (ar), Birmanisch (my), Bosnisch (bs), Chinesisch (zh), Dari (prs), Deutsch (de), Englisch (en), Farsi (fa), Finnisch (fi), Französisch (fr), Griechisch (el), Italienisch (it), Kurmanji (kmr), Kroatisch (hr), Nepalesisch (ne), Niederländisch (nl), Nordsamisch (se), Norwegisch (no), Paschtu (ps), Polnisch (pl), Russisch (ru), Schwedisch (sv), Serbisch (sr), Somali (sp), Spanisch (es), Suaheli (sw), Tamil (ta), Tigrinya (ti), Türkisch (tr), Ukrainisch (uk), Ungarisch (hu)
Flyer zum Download
Weitere Informationen
- Laufzeit: Bis November 2028
- Förderung: Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF), Dr. Lisa Kurz-Stiftung, Heidehof Stiftung, Universität Witten/Herdecke
- Verantwortlich: Seniorprofessur für Klinische Psychologie und Psychotherapie
- Kontakt:arap@uni-wh.de




Projektverantwortliche

Univ.-Prof. Dr.
Ulrike Willutzki
Professorin
Fakultät für Gesundheit (Department für Psychologie und Psychotherapie) | Seniorprofessur für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Alfred-Herrhausen-Straße 50
58448 WittenRaumnummer: 1.124b
Projektkoordination

Oliver Amrehn , M. Sc.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Fakultät für Gesundheit (Department für Psychologie und Psychotherapie) | Seniorprofessur für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Alfred-Herrhausen-Straße 44
58455 WittenRaumnummer: 1.115

Michelle Raucamp , M. Sc.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Fakultät für Gesundheit (Department für Psychologie und Psychotherapie) | Seniorprofessur für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Alfred-Herrhausen-Straße 44
58455 WittenRaumnummer: 1.115
Projektmitarbeitende

Pia Hartung
Studentische Hilfskraft
Fakultät für Gesundheit (Department für Psychologie und Psychotherapie) | Seniorprofessur für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Alfred-Herrhausen-Straße 44
58448 Witten

