Traumatisierte Geflüchtete sollen leichter psychologische Hilfe finden

Man sieht drei Menschen, die vor der Universität stehen und in die Kamera lächeln.

Viele Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten fliehen, tragen schwere psychische Belastungen mit sich. Schätzungen zufolge haben rund 80 Prozent potenziell traumatisierende Erfahrungen gemacht. Studien zeigen, dass 40 bis 50 Prozent der Menschen mit Fluchterfahrung an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung leiden. Dennoch finden viele von ihnen keinen geeigneten Therapieplatz.

Psychotherapeut:innen fühlen sich oft auf die Behandlung von Menschen mit Flucht- und Traumaerfahrung nicht ausreichend vorbereitet. Häufig fehlen auch Sprach- und Kulturmittler:innen. Sie übersetzen nicht nur Gespräche, sondern helfen dabei, kulturell bedingte Missverständnisse zwischen Patient:innen und Therapeut:innen zu vermeiden. Ihr Einsatz wird in der Regelversorgung meist nicht finanziert. Die Folge: Betroffene warten lange auf Hilfe oder erhalten sie gar nicht. Mit jeder Verzögerung steigt das Risiko, dass psychische Erkrankungen chronisch werden.

Ein Projekt gegen Versorgungslücken

Hier setzt das Projekt „Assisting Refugees to Access Psychological Support“ (ARAP) der Universität Witten/Herdecke (UW/H) an. 

„Flucht und Vertreibung hinterlassen oft tiefe psychische Wunden, die nicht von selbst heilen. Je früher Menschen mit diesen Erfahrungen professionelle Unterstützung erhalten, desto größer ist die Chance, dass sie ihr Leben wieder selbstbestimmt gestalten können“, sagt Prof. Dr. Ulrike Willutzki, Inhaberin der Seniorprofessur für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Witten/Herdecke.

Am Anfang steht ein Erstgespräch. Gemeinsam mit den Betroffenen klärt das Projektteam, welche Unterstützung benötigt wird. Anschließend vermittelt das Team passende psychotherapeutische Behandlungsangebote im regionalen Netzwerk.

Gleichzeitig unterstützt das Projekt niedergelassene Psychotherapeut:innen und Psychotherapeut:innen in Ausbildung. Sie erhalten Fortbildungen zu Migration, Flucht und Traumafolgestörungen, regelmäßige Supervision sowie fachliche Beratung. So sollen mehr Therapeut:innen Menschen mit Fluchterfahrung sicher behandeln können.

Auch Fachkräfte, die regelmäßig mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen arbeiten – etwa in Schulen oder im Offenen Ganztag –, können sich über das Projekt fortbilden. Sie lernen, psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und betroffene Kinder und Jugendliche gezielt an geeignete Hilfsangebote weiterzuvermitteln.

Weitere Informationen: Bis November 2028 baut die UW/H das Versorgungsnetzwerk auf.  Ermöglicht wird das Projekt durch Fördermittel des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der Europäischen Union sowie der Dr. Lisa-Kurz-Stiftung und der Heidehof Stiftung.

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Porträtfoto von Svenja Malessa

Svenja Malessa

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