Neues WBGU-Teilgutachten: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt stärkt Sicherheit“

Am 24. September 2026 hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) sein Teilgutachten „Gesellschaftlicher Zusammenhalt stärkt Sicherheit“ veröffentlicht. Es ist das zweite Kapitel des Hauptgutachtens „Sicherheit – nachhaltig und integriert“, an dem der WBGU derzeit arbeitet. Als Mitglied des WBGU hat [tra:ce]-Direktor Prof. Dr. Joscha Wullweber an dem Gutachten mitgewirkt.

Ausgangspunkt ist ein Befund der Akzeptanzforschung: Menschen unterstützen Klimapolitik eher, wenn sie die Verteilung von Kosten und Nutzen als gerecht empfinden. Fehlt dieser Rückhalt, verliert der Staat an Handlungsfähigkeit, auch in Fragen der Sicherheit. Der WBGU empfiehlt deshalb, Umwelt- und Klimapolitik stärker mit Sozialpolitik zu verschränken. Der Umstieg auf klimafreundliches Heizen und klimafreundliche Mobilität soll auch für einkommensschwache Haushalte machbar sein, und die Kosten der Transformation sollen ausgeglichen werden.

Aus den zahlreichen Empfehlungen des Teilgutachtens hebt Joscha Wullweber drei fiskalische Hebel hervor. Der erste betrifft die Einnahmen des Staates. Hier empfiehlt der WBGU, die Erbschaft- und Schenkungsteuer zu reformieren und zu prüfen, ob die Vermögensteuer wieder erhoben werden sollte. Laut Wullweber verzichtete der Staat 2024 bei Betriebsvermögen auf 9 Milliarden Euro Steuern. 3,4 Milliarden Euro davon gingen an nur 45 Personen, die Vermögen von jeweils mehr als 26 Millionen Euro erbten oder geschenkt bekamen. Als zweiten Hebel nennt er die Bildung, die der WBGU als Zukunftsinvestition dauerhaft im Bundeshaushalt absichern will. Mittel für politische Bildung und Demokratieförderung sollen erhalten bleiben. Der dritte Hebel sind die Kommunen. Wo Gemeinden an den Erträgen von Windparks beteiligt sind und das Geld in Kitas, Plätze und Sportanlagen fließt, unterstützen Menschen den weiteren Ausbau eher. Der WBGU rät deshalb, Bürgerenergiegesellschaften zu erhalten, Beteiligungsmaßnahmen gesetzlich zu verankern und Kommunen besser auszustatten. Weitere Empfehlungen betreffen unter anderem eine engere Abstimmung zwischen Klima- und Sozialressorts, frühzeitige und inklusive Beteiligungsformate vor Ort sowie eine verbindende statt spaltende politische Kommunikation.

Am 30. September stellte der WBGU die Ergebnisse in einem Webinar vor. Eine Aufzeichnung ist auf der Website des WBGU verfügbar.