Tag der Allgemeinmedizin 2026

Unter dem Motto „Zurück in die Zukunft – Allgemeinmedizin zwischen Erfahrung, Evidenz und Erneuerung“ möchten wir gemeinsam diskutieren, wie sich die hausärztliche Versorgung angesichts gesundheitspolitischer Reformen, neuer Versorgungsmodelle und digitaler Entwicklungen weiterentwickeln kann. Dabei geht es nicht nur um Innovationen, sondern auch um die Frage, welche bewährten Stärken der Allgemeinmedizin – Kontinuität, persönliche Begleitung und patientenzentrierte Versorgung – auch künftig unverzichtbar bleiben.
Der Tag der Allgemeinmedizin soll Raum für Austausch, neue Ideen und den Blick über den Tellerrand bieten. Wir freuen uns auf interessante Diskussionen und heißen Sie im Namen der Universität Witten/Herdecke und der Ruhr-Universität Bochum herzlich willkommen!
Klaus Weckbecker, Achim Mortsiefer und Horst Christian Vollmar

Programm
Keynotes
10:15 Uhr-11:00 Uhr
„Reformen im Gesundheitswesen sind notwendig - aber wo ist der Kompass?“
Prof. Dr. Jürgen Windeler
Es besteht große Einigkeit, dass das deutsche Gesundheitswesen zu teuer und ineffizient ist. Grundlegende Reformen sind überfällig und die Bundesregierung hat ein erstes Gesetz verabschiedet. Wohin aber die Reise gehen soll, was eigentlich nicht nur billiger, sondern anders werden soll, ist keineswegs gut erkennbar. Dazu gehört auch die Frage, welche Aufgaben und Anforderungen für die hausärztliche Versorgung absehbar sind. Der Vortrag skizziert die derzeitige Lage und zeigt Perspektiven auf.
14:00-14:45 Uhr
„Das iamag in den letzten 5 Jahren
Prof. Dr. med. Klaus Weckbecker, Prof. Dr. med. Achim Mortsiefer
Fünf Jahre iamag – Anlass für einen Rückblick und einen Ausblick zugleich. Die Keynote beleuchtet die Entwicklung des Instituts in den vergangenen Jahren, stellt wichtige Meilensteine in Forschung, Lehre und Versorgung vor und zeigt auf, welche Herausforderungen und Chancen die Allgemeinmedizin in Zukunft erwarten. Dabei wird deutlich, wie sich Bewährtes und neue Impulse miteinander verbinden lassen, um die hausärztliche Versorgung nachhaltig weiterzuentwickeln.
Workshops
Am Vormittag 11:30-13.00 Uhr
DMP Fortbildung Herzinsuffizienz
Prof. Dr. med. Mario Iasevoli
Herzinsuffizienz gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in der hausärztlichen Versorgung und stellt Praxisteams täglich vor vielfältige Herausforderungen. Mit dem neuen DMP Herzinsuffizienz gewinnen eine strukturierte Betreuung, leitliniengerechte Therapie und eine enge Zusammenarbeit im Praxisteam weiter an Bedeutung. In dieser Fortbildung erhalten Sie einen praxisnahen Überblick über die Inhalte und Anforderungen des DMP Herzinsuffizienz. Gemeinsam beleuchten wir die wichtigsten Aspekte der Diagnostik, Therapie, Verlaufskontrolle sowie der Patientenschulung und zeigen auf, wie sich die DMP-Vorgaben effizient in den Praxisalltag integrieren lassen.
KWWL:
Digitalisierung in der Hausarztpraxis – Teil 1 Grundlagen und erfolgreiche Umsetzung
Annette Rennert
Digitalisierung beginnt nicht mit der Auswahl eines Tools, sondern mit guten Prozessen. Im ersten Workshopteil geht es um die Grundlagen einer erfolgreichen Digitalisierung in der Hausarztpraxis: Prozessanalyse und -optimierung, Change Management, die Einbindung des Praxisteams sowie Erfolgsfaktoren und typische Stolpersteine bei der Einführung neuer digitaler Lösungen.
Digital first? Digitale Ersteinschätzung, ePA und Co. als Weg in die Primärversorgung der Zukunft
Prof. Dr. Sven Meister
Die gesetzlich angestrebten Veränderungen um das Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen (GeDIG) oder das Gesetz zur Reform der Notfallversorgung forcieren das Denken digitaler Lösungen zur Steuerung der Primärversorgung. Um die 100 Stellungnahmen verschiedenster Organisationen haben Bezug auf die dort formulierten Inhalte genommen – mal positiv und mal negativ. Unter dem Titel „Digital first? Digitale Ersteinschätzung, ePA und Co. als Weg in die Primärversorgung der Zukunft“ wollen wir mit Ihnen gemeinsam in eine Potenzialdiskussion zur Umsetzung eines digital unterstützten Primärversorgungssystem. Lassen Sie uns für diesen Workshop zunächst einmal annehmen: Wir wollen dies! Egal ob Sie in der hausärztlichen Praxis direkt an Patient:innen arbeiten oder in der Versorgungsforschung neue Impulse setzen – wir möchten mit Ihnen in diesem Workshop ein Zielbild und einen Versorgungspfad erarbeiten, welcher Voraussetzungen für ein patient:innenzentriertes, digital unterstütztes Primärversorgungssystem wären. Wir diskutieren in diesem Rahmen, wie bzw. ob ePA, digitale Ersteinschätzung und innovative Infrastrukturen den Praxisalltag sowie Versorgung nicht nur verändern, sondern sinnvoll entlasten könnten. Wir freuen uns auf Ihre Perspektiven!
MFA Forum:
Wenn Krankheit Ansprüche auslöst: Sozialrechtliche Orientierung in der Hausarztpraxis
Sandra Herold
Chronische Erkrankungen, lange Arbeitsunfähigkeiten oder psychische Belastungen bringen für Patient*innen häufig nicht nur medizinische, sondern auch sozialrechtliche Fragen mit sich. Was passiert, wenn das Krankengeld ausläuft? Welche Möglichkeiten gibt es bei dauerhaft eingeschränkter Erwerbsfähigkeit? Wann kommen Grundsicherung, Pflegegrad, Zuzahlungsbefreiung oder ein Grad der Behinderung in Betracht? Viele Patient*innen sind mit diesen Themen überfordert – und bringen ihre Unsicherheit mit in die Hausarztpraxis.
Der Workshop gibt einen praxisnahen Überblick über typische sozialrechtliche Fragestellungen, die im hausärztlichen Alltag immer wieder auftauchen. Eigene Praxisbeispiele und Fragen der Teilnehmenden sind ausdrücklich willkommen. Im Mittelpunkt steht nicht die rechtliche Detailberatung, sondern die Orientierung im Praxisalltag: Welche sozialrechtlichen Problemlagen sollten Praxisteams erkennen? Welche Informationen können Patient*innen entlasten? Und an welche Beratungsstellen, Leistungsträger oder Netzwerkpartner kann sinnvoll weiterverwiesen werden?
Am Nachmittag 15:00-16:30 Uhr
Lipödem: Schwere Beine - Leicht gemacht!?
Prof. Dr. Dr. Heiko Sorg
Das Lipödem betrifft nahezu ausschließlich Frauen und ist durch eine unproportionale Fettverteilung an Armen und Beinen gekennzeichnet, die mit Spannungsgefühlen, Druckempfindlichkeit und Schmerzen einhergeht. Trotz sportlicher Aktivität und bewusster Ernährung zeigen die betroffenen Regionen meist keine Veränderung – ein Umstand, der viele Betroffene psychisch zusätzlich belastet.
Bei dem Vortrag wird der Weg zur Diagnose ebenso beleuchtet wie aktuelle konservative und operative Therapieverfahren sowie die notwendigen gesetzlichen wie medizinischen Voraussetzungen Es wird dargestellt, wie durch manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie und – in geeigneten Fällen – durch Liposuktion eine deutliche Linderung der Beschwerden erreicht werden kann. Abschließend kann in einer Fragerunde in den direkten Austausch getreten werden.
KWWL:
Digitalisierung in der Hausarztpraxis – Teil 2 Praxisbeispiele und konkrete Anwendungen
Dr. med. Annette Rennert
Im zweiten Workshopteil stehen praxiserprobte digitale Anwendungen im Mittelpunkt. Anhand konkreter Beispiele werden u. a. KI-gestützte Telefonassistenz, Ambient Scribing, digitale Patientenkommunikation sowie weitere KI- und Digitalisierungslösungen vorgestellt. Im Fokus steht der praktische Nutzen für den Praxisalltag und der Erfahrungsaustausch darüber, was sich in der hausärztlichen Versorgung bewährt hat.
MFA-Forum:
Neue Rollen in der Hausarztpraxis: Physician Assistant und Primary Care Management in der Hausarztpraxis
Dr. Jessica Breuing & Desiree Reitmeier
Medizinische Fachangestellte übernehmen in der hausärztlichen Versorgung zunehmend verantwortungsvolle Aufgaben in Versorgung, Organisation, Koordination und Praxisentwicklung. Für MFAs, die sich akademisch weiterqualifizieren möchten, eröffnen Studiengänge wie Physician Assistant (PA) und Primary CareManagement (PCM) neue berufliche Perspektiven.
In diesem Workshop stellen wir beide Studiengänge praxisnah vor: Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es? Wie sind die Studiengänge aufgebaut? Welche Kompetenzen werden vermittelt? Und welche Tätigkeitsfelder ergeben sich daraus insbesondere in der Hausarztpraxis? Gemeinsam beleuchten wir, wie akademisch qualifizierte nichtärztliche Berufsgruppen zur Entlastung, Strukturierung und Weiterentwicklung der primärärztlichen Versorgung beitragen können.
Referent*innen
Dr. Jessica Breuing: Wissenschaftliche Mitarbeiterin, DHPA
Sandra Herold: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am iamag, UW/H
Prof. Dr. med. Mario Iasevoli: Ärztlicher Direktor des Evangelischen Klinikums Witten
Prof. Dr. Sven Meister: Lehrstuhlinhaber Lehrstuhl für Gesundheitsinformatik, UW/H
Prof. Dr. med. Achim Mortsiefer: Facharzt für Allgemeinmedizin in Köln und Leiter des iamag, UW/H
Desiree Reitmeier: Vorsitzende Bundesverein für Primary Care Management e.V.
Annette Rennert: Fachärztin für Allgemeinmedizin, Präventivmedizinerin DAPM
Dr. med. Nils Thiessen: Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Rettungsmedizin, Master of Medical Education (MME), wissenschaftlicher Mitarbeiter am iamag, UW/H
Prof. Dr. med. Klaus Weckbecker: Facharzt für Allgemeinmedizin in Bad Honnef und Leiter des iamag, UW/H
Prof. Dr. Jürgen Windeler: Facharzt für Innere Medizin, Professor für Medizinische Biometrie und Klinische Epidemiologie Ruhr-Universität Bochum, ehemaliger Leiter des IQWiG
Anmeldung
Verbindliche Anmeldung bis 04.09.2026 über unser Anmeldeformular:
Anmeldegebühr:
- Reguläre Teilnahmegebühr: 100 €
- Ermäßigte Teilnahme für Studierende & PJ: 10 €
- Ermäßigte Teilnahme für ÄiW: 60€
- Ermäßigte Teilnahme für ÄiW, die ins KWWL eingeschrieben sind: 30 €
- Ermäßigte Teilnahme für Medizinische Fachangestellte: 40 €
- Ermäßigte Teilnahme für Lehrbeauftragte: 80 €
- Mitarbeiter*innen der beteiligten allgemeinmedizinischen Institute: kostenfrei
