Eine Welt von Raubtieren. Wie kann Europa souverän und nachhaltig werden?

Bild von Klaus Welle, Joscha Wullweber und Sonja Knobbe in einem Stuhlkreis im Veranstaltungssaal. Davor sind Student*innen von hinten in Reihen zu sehen

Am 26. Mai 2026 lud das Forschungszentrum [tra:ce] in den Veranstaltungssaal des Holzgebäudes ein. Klaus Welle, Gastprofessor an der London School of Economics und Alumnus der UW/H, und Prof. Dr. Joscha Wullweber gingen der Frage nach, wie Europa in einer Welt zerfallender Ordnungen souverän und nachhaltig werden kann.


Klaus Welle stellte die Sicherheit in den Mittelpunkt und unterstrich die Bedeutung einer gemeinsamen europäischen Identität als Grundlage für Solidarität und Zusammenhalt. Zugleich verwies er auf wachsende gesellschaftliche Spannungen, die auch mit den Folgen der Klimapolitik zusammenhingen und politisch aufgefangen werden müssten. Klaus Welle berichtete von seinem kürzlichen Besuch in der Ukraine und erinnerte an den jüngsten Großangriff auf Kiew. Zugleich äußerte er die Hoffnung auf einen künftigen Waffenstillstand. Verteidigung, so sein Fazit, lasse sich nicht isoliert denken.


Joscha Wullweber erweiterte den Sicherheitsbegriff über die rein militärische Dimension hinaus. Hierbei bezog er sich auf die Diskussionen des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), dessen Mitglied Wullweber ist. Der WBGU beschäftigt sich bereits seit Längerem mit Fragen der Sicherheit. Ebenso bedeutsam wie die militärische Verteidigung seien der Klimaschutz, die Verteilung von Technologie und Rohstoffen sowie der soziale Zusammenhalt. Mit Blick auf den 2025 gegründeten Nationalen Sicherheitsrat merkte er an, dass dieser zwar von „integrierter Sicherheit" spreche, den Schwerpunkt aber auf innere und digitale Sicherheit sowie die Wirtschaft lege, während kooperative und zivile Instrumente der Konfliktlösung sowie Klima- und soziale Fragen weniger Gewicht erhielten. Eine stärkere Unabhängigkeit von den USA hielt er für sinnvoll, plädierte jedoch nicht für ein „Europe first", sondern für eine breitere Diversifizierung der Partnerländer. Auch die ökologische und soziale Lage mahnte er an: Die Welt bewege sich auf eine Erwärmung von rund 2,8 Grad zu, und die soziale Ungleichheit nehme weiter zu.


Im Anschluss brachten die Teilnehmenden ihre Fragen und Perspektiven in eine gemeinsame Diskussion ein.