Zwischen Masterstudium und Marathonstrecke: René Langenströer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung
UW/H-Student René Langenströer läuft beim Berlin-Marathon für den guten Zweck. Neben dem sportlichen Ehrgeiz verfolgt er auch unternehmerische Ziele.
Als René Langenströer am 27. September 2026 nach 42,195 Kilometern durch das Brandenburger Tor lief, lagen 3:25 Stunden hinter ihm. „Meine Zielzeit von unter drei Stunden habe ich leider nicht erreicht. Aber der Zieleinlauf war das Krasseste, was ich jemals erlebt habe. Wenn man auf das Brandenburger Tor zuläuft, ist das schon ziemlich atemberaubend und einmalig“, so der Masterstudent der Universität Witten/Herdecke, der mit mehr als 50.000 anderen Läufer:innen aus aller Welt an den Start gegangen ist. Dass Ausdauersport einmal einen so großen Platz in seinem Leben einnehmen würde, hätte René selbst nicht erwartet. Den Anstoß gab vor rund eineinhalb Jahren ein YouTube-Video über die Vorbereitung auf einen Ironman. Bis dahin war René zwar immer wieder sportlich aktiv gewesen – unter anderem sieben Jahre lang im Fechten –, mit Ausdauersport hatte er jedoch kaum Erfahrung.
Von null auf Marathon – eine Herausforderung jagt die nächste
Der Fortschritt stellte sich jedoch schnell ein. Nach zwei Wochen Lauftraining entschied er spontan, nur zwei weitere Wochen später beim Düsseldorf Marathon zu starten. Sein Debüt absolvierte er in unter vier Stunden. Doch der Marathon war nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu seinem ersten großen Ziel: dem Ironman in Hamburg mit den drei Ausdauerdisziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen.



Rund ein Jahr bereitete er sich darauf vor und meisterte ihn schließlich im Juni 2026. Kurz darauf folgte die nächste Herausforderung: Beim Lauf-Event „99 Laps“ gehörte René zu 100 Teilnehmenden, die Runde für Runde gegeneinander antraten – nach jeder Runde schied die langsamste Person aus. René hielt 69 Runden durch und legte dabei 82,8 Kilometer zurück.
Wenn aus Ausgleich Leidenschaft wird
Parallel zu Training und Wettkämpfen studiert René den Master General Management an der UW/H. Seine Masterarbeit hat er inzwischen abgegeben. Was ursprünglich vor allem als Ausgleich zum Studium gedacht war, entwickelte sich zu einer Leidenschaft. Die Flexibilität im Studium half ihm dabei, intensive Trainingsphasen und akademische Anforderungen miteinander zu vereinbaren.
Und der Sport gab ihm zugleich etwas für den Studienalltag zurück: „Ich sehe auch die positiven mentalen Effekte“, erzählt René. „Beim Laufen kann ich klarer denken und bin anschließend konzentrierter und viel ruhiger. Besonders wenn ich ohne Kopfhörer oder andere Ablenkung unterwegs bin, komme ich irgendwann in einen Flow.“
Seine bevorzugte Trainingsstrecke liegt dabei direkt vor der Wittener Haustür: Von seinem Zuhause aus läuft René zum Kemnader See, je nach Trainingsplan eine oder zwei Runden – und wieder zurück.
Sportlicher Ehrgeiz trifft soziale Verantwortung
Für den Berlin-Marathon hatte sich René ursprünglich regulär beworben. Als er im Losverfahren keinen der begehrten Startplätze erhielt, stieß er auf die Möglichkeit eines Charity-Starts. Die Bedingung: Er musste eine Spendensumme von 1.000 € erreichen, die einer gemeinnützigen Organisation zugutekommt.

Unter den teilnehmenden Einrichtungen entschied er sich für den Verein Kinderhilfe – Hilfe für krebs- und schwerkranke Kinder e. V. Die anvisierte Spendensumme hatte er bereits Wochen vor dem Marathon zusammen. Auch die UW/H unterstützte seine Aktion mit 200 Euro.
Dass sein sportliches Ziel damit zugleich einem guten Zweck dient, ist für René weit mehr als eine Alternative zum regulären Startplatz. „Auch bei einem nächsten Lauf würde ich versuchen, meine Teilnahme mit der Förderung einer gemeinnützigen Organisation zu verbinden.“ Für René passt diese Unterstützung zu dem, was er während seines Masterstudiums in Witten erlebt hat. „Als ich nach Witten kam, habe ich von Beginn an die besondere Atmosphäre gespürt und mich direkt sehr wohlgefühlt“, sagt er und fährt fort, „ich habe den Eindruck, dass die Werte der Uni stark mit meinen eigenen Werten übereinstimmen. Deswegen habe ich der Uni mein Vorhaben geschildert und freue mich, dass sie es gefördert hat.“
Nach der Ziellinie wartet schon das nächste Vorhaben
Nach dem Berlin-Marathon wird es für den Masterstudenten sportlich etwas ruhiger. Künftig möchte er seine Zeit und Energie stärker in ein anderes Ziel investieren: seine eigene Gründung.
Der Wunsch, unternehmerisch tätig zu werden, begleitet ihn schon lange. Anfang 2026 erhielt René das Gründerstipendium NRW. Auch Konzept und ein Produkt für sein Vorhaben stehen bereits – Genaueres will René zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht verraten. Mit seinem Managementstudium an der UW/H bringt er das fachliche Fundament für sein Gründungsvorhaben mit.
Ganz fremd dürfte ihm der Wechsel vom Marathontraining zum Gründen ohnehin nicht sein: sich ein ambitioniertes Ziel setzen, konsequent darauf hinarbeiten und weiterzumachen, auch wenn Aufgeben die naheliegende Option wäre, kennt René durch sein Marathontraining jedenfalls nur zu gut.