„Ich stehe nicht für den geradlinigen Weg“: Wie Tim Schröder Medizin, Ehrenamt und Verantwortung verbindet
UW/H-Student Tim Schröder brennt für die Notfallmedizin. Als einer von 40 Geförderten zeigt er, wie das Deutschlandstipendium ihm hilft, sein Studium und seine Leidenschaft zu verfolgen.
Realschulabschluss, Rettungsdienst, Abitur am Abendgymnasium – und heute Medizinstudium: Tim Schröders Weg hat viele Stationen. Seinen Traum, Arzt zu werden, verfolgt er dabei konsequent. Neben dem Studium engagiert er sich vielfältig. An der Universität Witten/Herdecke findet er den Raum, Studium, Ehrenamt und Praxis zu vereinen. Im Interview spricht er über seine Leidenschaft für die Notfallmedizin, seinen Antrieb und darüber, was das Deutschlandstipendium für ihn bedeutet.
Wie sieht eine typische Woche bei dir zwischen Studium, Arbeit und Engagement aus?
Meine Wochen im 5. Semester Humanmedizin bestehen hauptsächlich aus Vorlesungen und Klinikblöcken. Zwischendurch versuche ich, Zeit für meine studentische Initiative, die AG Notfallmedizin, zu finden – zum Beispiel, um Veranstaltungen zu planen oder auszuwerten. Außerdem engagiere ich mich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Das klappt nicht jede Woche gleich gut – in Prüfungsphasen muss ich etwas kürzertreten, aber ich verliere meine Ehrenämter nie aus den Augen.
Vor deinem Medizinstudium hast du bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt. Wann war für dich klar: Ich will Arzt werden?
Das hat sich während meines Freiwilligen Sozialen Jahres nach der Realschule entwickelt. Ich war je sechs Monate in der Pflege und an einer Förderschule für Kinder und Jugendliche mit Behinderung tätig – das hat mich sehr geprägt. Parallel habe ich meine Ausbildung im Rettungsdienst begonnen und dort gearbeitet. Dadurch ist in mir der Wunsch gereift, Medizin zu studieren, um meine Praxiserfahrungen mit theoretischem Wissen zu untermauern.
Gleichzeitig kommen mir die Jahre im Rettungsdienst heute im Studium zugute. Ich bin an außergewöhnliche Stresssituationen gewöhnt und kann mich auf meine Handlungssicherheit und meine Fähigkeiten verlassen.
Du hast dein Abitur parallel zur Arbeit nachgeholt – was hat dir die Disziplin dafür gegeben?
Ich glaube, es war tatsächlich das Ziel, das ich vor Augen hatte. Als ich mich am Gymnasium eingeschrieben habe, hatte ich schließlich eine ganz andere Lerneinstellung und habe mich sehr angestrengt, weil ich wusste, dass ich dem Medizinstudium damit näherkomme. Es gab Tage, da kam ich aus einem 24-Stunden-Schicht im Rettungsdienst, bin direkt zur Schule gefahren und habe danach weiter gelernt. Das war belastend, aber mein innerer Antrieb hat vieles abgefedert.
Woher kommt deine Leidenschaft für die Notfallmedizin?
Ich fand Notfallmedizin schon immer spannend, weil sie über die klassische klinische Medizin hinausgeht. Man arbeitet eigenständig und ohne ein Team aus Ärzt:innen um einen herum. Außerdem muss man mit begrenzten diagnostischen und therapeutischen Ressourcen auskommen, daher sind die notfallmedizinischen Basics unglaublich wichtig.

Man muss auf seine eigenen Fähigkeiten vertrauen. Gleichzeitig sind Erfahrung und Bauchgefühl wichtig. Ich habe mich schon als Kind dafür interessiert, habe früh Erste-Hilfe-Kurse belegt und bin ins Rote Kreuz eingetreten. Diese Faszination hat sich bis heute gehalten. Die Kombination aus Verantwortung, Dynamik und unmittelbarem Handeln macht für mich den Reiz aus.
Gab es Momente im Rettungsdienst, die dich besonders geprägt haben?
Viele Einsätze sind gar nicht hochdramatisch – vielmehr steht Empathie im Mittelpunkt. Gerade ältere Menschen sind häufig einsam und es hilft schon viel, sich Zeit zu nehmen und zuzuhören. Das zeigt mir immer wieder, dass Medizin nicht nur aus Technik besteht, sondern vor allem aus Menschlichkeit.
Neben dem Studium engagierst du dich sehr vielfältig. Was motiviert dich dazu?
Ich finde die Themen einfach spannend. Und gerade bei der Freiwilligen Feuerwehr oder beim DRK schätze ich die Kameradschaft sehr. Man kommt mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammen, unterstützt sich gegenseitig und tut gleichzeitig etwas gesellschaftlich Sinnvolles. Das ist für mich eine gute Kombination und gleichzeitig ein wertvoller Ausgleich zum Studium. Deswegen plane ich mir für meine Ehrenämter und meine Dozententätigkeit an der Rettungsdienstschule feste Tage ein. Entscheidend sind Organisation und gutes Zeitmanagement, um allen Bereichen gerecht zu werden.
Du setzt dich auch dafür ein, Notfallmedizin stärker ins Studium zu integrieren. Warum ist dir das wichtig?
Am Ende sind wir alle Ärzt:innen – unabhängig von der Fachrichtung. Und im Notfall erwarten Menschen, dass wir helfen können. Dabei meine ich nicht nur Reanimationstechniken, sondern erweiterte lebensrettende Sofortmaßnahmen. Deshalb finde ich, dass Notfallmedizin früh und kontinuierlich Teil des Studiums sein sollte. Wir sind an der UW/H dafür auf offene Ohren im Dekanat gestoßen und konnten schon einige Projekte anstoßen.
Ist dieses Mitgestalten etwas, das dein Studium an der UW/H besonders prägt?
Auf jeden Fall. Die Uni ist kleiner, persönlicher. Man ist keine Matrikelnummer, sondern kennt sich. Man spricht auf Augenhöhe miteinander und kann gemeinsame Ideen weiterentwickeln. Das ist ein großer Vorteil hier.

Welche Rolle spielt das Deutschlandstipendium für dich?
Ganz konkret gibt es mir Zeit. Zeit, die ich sonst für Nebenjobs aufwenden müsste. Dadurch habe ich mehr Kapazitäten für mein Engagement und für Projekte, die mir wichtig sind. Es ermöglicht mir, mich im Studium und darüber hinaus so zu entfalten, wie ich es mir vorstelle.
Was würdest du anderen jungen Menschen mitgeben, die ebenfalls von einem Medizinstudium träumen?
Ich stehe nicht unbedingt für den geradlinigen Weg, aber für die Erfahrungen, die man dabei sammelt. Später fragt niemand mehr, wie man ans Ziel gekommen ist – entscheidend ist, dass man es erreicht hat. Sich zwischendurch neu zu orientieren und sich auszuprobieren, bringt einen im Studium und im Beruf weiter. Wichtig ist, dass man dranbleibt und nicht aufgibt.
