KI macht Beschäftigte nicht überflüssig – verändert aber ihre berufliche Identität
Was bedeutet der Einsatz von Künstlicher Intelligenz für unsere berufliche Zukunft? Dr. Alina Tausch von der Universität Witten/Herdecke erklärt, warum KI nicht nur unsere Aufgaben verändert.
Künstliche Intelligenz übernimmt bereits heute Aufgaben, für die Menschen früher deutlich mehr Zeit benötigten. Was für Unternehmen nach einer großen Chance klingt, löst bei Beschäftigten auch Unsicherheit aus. Wird KI unsere Arbeit erleichtern oder uns irgendwann ganz ersetzen? Und was passiert mit unseren Fähigkeiten, wenn wir immer mehr Aufgaben an sie abgeben?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich Dr. Alina Tausch von der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Sie forscht dazu, wie künstliche Intelligenz unsere Arbeit, unsere berufliche Identität und die Zusammenarbeit in Unternehmen verändert.
KI stellt unser berufliches Selbstverständnis auf die Probe
KI verändert nicht nur, welche Aufgaben Beschäftigte übernehmen, sondern auch, wie sie ihre eigene berufliche Rolle wahrnehmen. Dass KI ganze Berufsgruppen überflüssig macht, hält Alina Tausch nicht für die entscheidende Gefahr. Menschen bringen Fähigkeiten mit, die künstliche Intelligenz bislang nicht ersetzen kann. Dazu gehören beispielsweise soziale Feinfühligkeit, zwischenmenschlicher Kontakt und die Fähigkeit, ungewöhnliche Lösungen zu entwickeln.
In Studien mit Logopäd:innen und Berater:innen untersuchte Alina Tausch, wie sich der Einsatz von KI auf die berufliche Identität auswirkt. Während sich Berater:innen vor allem in ihrer fachlichen Expertise bedroht fühlten, befürchteten Logopäd:innen, zentrale Aufgaben ihrer therapeutischen Arbeit zu verlieren. Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Wer sich dauerhaft auf KI verlässt und selbst einfache Aufgaben an sie abgibt, kann langfristig eigene Fähigkeiten einbüßen.
Umso wichtiger ist es, wie Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzen. Beschäftigte sollten frühzeitig einbezogen werden und mitentscheiden können, bei welchen Aufgaben KI sie unterstützt. Dabei geht es nicht allein darum, schneller oder produktiver zu werden, sondern auch darum, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die gesundes, zufriedenes und selbstbestimmtes Arbeiten ermöglichen.
Welche Sorgen vor KI berechtigt sind, warum menschliche Fähigkeiten weiterhin wichtig bleiben und wie Unternehmen den technologischen Wandel gestalten können, erklärt Dr. Alina Tausch in der zweiten Folge des Wissenschaftspodcasts „Denk mal drüber nach.“ der Universität Witten/Herdecke.
Weitere Informationen: Die Folge „Müssen wir Angst vor KI in der Arbeitswelt haben?“ ist ab sofort verfügbar:
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