Teilhabe an Religion: Wie Menschen mit Behinderung spirituelle Angebote nutzen können

Man sieht das Cover der entwickelten Handreichung.

Gebete, Gottesdienste, die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft oder die Frage nach innerem Frieden und dem Sinn des Lebens: Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen bleiben solche Formen religiöser und spiritueller Teilhabe oft unerreichbar – etwa, weil Sprache, Strukturen und Angebote nicht barrierefrei gestaltet sind. Ein interdisziplinäres Projekt des Lehrstuhls für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin der Universität Witten/Herdecke (UW/H) und der katholischen und evangelischen Kirche will das ändern.

Konkrete Hilfen für mehr Teilhabe an Religion

Entstanden sind zwei Materialien, die sich an Menschen mit Behinderung ebenso wie an Assistenzpersonen und Mitarbeitende in Einrichtungen und Gemeinden richten: eine Handreichung mit dem Titel „Ich habe Fragen – Ich möchte mitmachen. Meine Spiritualität begleitet“ sowie ein Karten-Set zur Teilhabeplanung. Die Handreichung ist in Alltagssprache und Einfacher Sprache geschrieben und erklärt zum Beispiel, welche Form der Unterstützung – von der religionssensiblen Assistenz bis zur Seelsorge – jeweils passend ist. Außerdem benennt sie zu verschiedenen Lebensbereichen wie Kommunikation oder Mobilität konkrete Materialien und Kontaktadressen. Die Karten gliedern Gespräche ebenfalls entlang dieser neun Lebensbereiche und helfen, spirituelle und religiöse Bedürfnisse zu benennen und in Handlungsschritte zu übersetzen. So können Menschen mit Behinderung strukturiert ausdrücken, ob sie etwa einen Gottesdienst besuchen, beten oder einer Gemeinde angehören möchten – und Assistenzpersonen wissen, wie sie dabei unterstützen können.

„Die Materialien helfen, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und den Dialog darüber zu beginnen“, sagt Prof. Dr. Arndt Büssing, Inhaber der Professur für Lebensqualität, Spiritualität und Coping, die Teil des Lehrstuhls für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin ist. „Gemeinsam lassen sich so Wege finden, Teilhabe zu ermöglichen.“ Denn: „Teilhabe an Religion und Spiritualität ist ein Grundrecht für alle – unabhängig von einer Behinderung“, sagt Mareike Gerundt, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur.

Das Projekt verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich Spiritual Care mit der praktischen Erfahrung kirchlicher Behindertenseelsorge. Die Angebote stehen kostenfrei online zur Verfügung. Die Handreichung kann zudem als Printversion bestellt werden.

Weitere Informationen und Download: https://behindertenseelsorge.bistumlimburg.de/teilhabe-an-religion

Weitere Informationen: 

An dem Projekt arbeiten seit rund einem Jahr Vertreter:innen aus katholischer Kirche, evangelischer Kirche und Wissenschaft zusammen. Beteiligt sind Jochen Straub (Bistum Limburg), Anja Fecke (Erzbistum Paderborn), Christiane Eßer-Kapp (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) sowie Prof. Dr. Arndt Büssing und Mareike Gerundt von der Universität Witten/Herdecke.

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Univ.-Prof. Dr. Arndt Büssing (Foto: UW/H)

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Mareike Gerund (Foto: Privat)

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Svenja Malessa

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