Universität Witten/Herdecke erforscht neue Ansätze zur Entstehung und möglichen Behandlung von Krebs
Prof. Dr. Thomas Dittmar untersucht, wie die Verschmelzung von Zellen die Entstehung und das Wachstum von Krebs beeinflusst. Ein neues Fachbuch fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen.
Bei der Zellfusion – der Verschmelzung zweier Zellen – handelt es sich um einen natürlichen, körpereigenen Prozess. Er kommt beispielsweise bei der Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium oder bei der Bildung der Skelettmuskulatur vor. Zellfusion findet jedoch auch im pathophysiologischen Kontext statt, etwa im Zusammenhang mit Krebserkrankungen. Genau diesen Zusammenhang untersucht Prof. Dr. Thomas Dittmar, Professor für Immunologie und Tumorbiologie an der Universität Witten/Herdecke (UW/H), mit seiner Forschungsgruppe. Ihre Erkenntnisse fasst ein neues Fachbuch nun zusammen.
Das Verständnis von Metastasen als Schlüssel
„Es ist wichtig zu verstehen: Was passiert bei einer Zellfusion in der Zelle? Wie verschmelzen sie miteinander? Welche Mechanismen gibt es?“, beschreibt Dittmar die zentralen Fragen seiner Forschung. Denn der Prozess ist bislang nicht vollständig verstanden.
„Man weiß, dass sogenannte Tumorhybride entstehen, wenn Krebszellen mit anderen Zellen verschmelzen. Diese haben häufig malignere Eigenschaften als die originären Krebszellen: Sie sind noch bösartiger und können stärker metastasieren“, erklärt der UW/H-Professor. Außerdem sind Tumorhybride resistenter gegenüber Medikamenten, die unter anderem in einer Chemotherapie eingesetzt werden, um das Wachstum und die Teilung von Zellen zu hemmen.
Gelingt es, die Mechanismen der Zellfusion besser zu verstehen, könnte die Entstehung besonders aggressiver Tumorzellen verhindert und damit auch die Bildung von Metastasen – einer der häufigsten Todesursachen bei Krebserkrankungen – reduziert werden.
„Das Problem bei Krebserkrankungen ist in der Regel nicht der Primärtumor, den kann man leicht herausoperieren. 90 bis 95 Prozent aller Todesfälle im Zusammenhang mit Krebs sind letztlich auf das Vorhandensein von Metastasen zurückzuführen. Wenn wir es schaffen, frühzeitig zu verstehen, wie die Fusionsprozesse ablaufen, hoffen wir, sie unterdrücken und damit die Metastasierung stoppen oder zumindest hemmen zu können“, so Dittmar.
Der aktuelle Forschungsstand zur Zellfusion in einem Buch
Gemeinsam mit Dr. Julian Weiler und Dr. Mareike Sieler hat Prof. Dr. Thomas Dittmar ein Buch veröffentlicht, das den aktuellen Forschungsstand auf diesem Gebiet zusammenfasst. International renommierte Wissenschaftler:innen aus dem Gebiet der Zellfusion haben jeweils ein Kapitel beigetragen.
Cell Fusion – New Insights into the Mechanism of Cell Fusion and Its Biological Consequences ist im Springer-Nature-Verlag erschienen und baut auf früheren Büchern von Dittmar und Zänker aus den Jahren 2009 und 2011 auf.
„In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Es sind viele neue Erkenntnisse dazugekommen, gerade was den Prozess der Zellfusion im Tumorgeschehen angeht. Es wurden zum Beispiel neue Moleküle identifiziert, die an diesem Prozess beteiligt sind“, erläutert Dittmar.
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