Menschen an der UW/H – Sophia Johnson: Frauengesundheit braucht neue Perspektiven

Eine Ärztin behandelt eine Frau mit einer Ohr-Akupunktur.

Was mich in meinem Studium geprägt hat, war die Freiheit.

Dr. med. Sophia JohnsonWissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Integrative Medizin (IfIM)

Wer sind Sie und was sind Ihre Tätigkeiten an der UW/H?

Seit Januar 2026 bin ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Teilzeit am Institut für integrative Medizin angestellt – und somit wieder zurück an der UWH, wo ich als Medi im 23. Jahrgang Humanmedizin studiert habe. Mittlerweile bin ich Fachärztin für Allgemeinmedizin. Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist die integrative Frauenmedizin – in diesem Bereich möchte ich habilitieren. 

Oft muss ich erklären, was „integrative Frauenmedizin“ eigentlich ist. Viele Patient:innen denken zunächst, ich wäre Gynäkologin. Das liegt auch nahe, denn ich habe in der Abteilung für Geburtsmedizin der Uniklinik Jena über die Plazenta  promoviert. Tatsächlich interessiert mich aber die geschlechtersensible Medizin – also das Anerkennen sowohl des biologischen als auch des soziokulturellen Geschlechts – mit den entsprechenden individuellen Erkrankungstendenzen und Therapieoptionen. 

Einerseits arbeite ich in einer Praxis in Weimar und sehe dort viele Patientinnen mit dem Wunsch nach einer ganzheitlichen Behandlung (wie beispielsweise Akupunktur bei zyklusabhängiger Migräne oder Homöopathie bei Beschwerden in der Perimenopause) und sammle wertvolle Erfahrungen. Andererseits beschäftige ich mich im Rahmen meiner wissenschaftlichen Arbeit intensiv mit der aktuellen Studienlage (z. B. wie die Ohr-Akupunktur oder auch Homöopathie Hitzewallungen reduzieren kann) und mache dann tatsächlich evidenzbasierte, integrative Medizin. 

Was an Ihrer Arbeit macht Ihnen besondere Freude und an welchen Projekten/Themen arbeiten Sie derzeit?

Im Rahmen wissenschaftlicher Projekte ist es für mich wichtig, „out of the box“ zu denken. Das habe ich an der UWH gelernt. Außerdem finde ich es sehr bereichernd, mich mit Studierenden oder Promovierenden auszutauschen: Was sind ihre Gedanken / Ideen / Fragestellungen? Ich liebe diesen Austausch auf Augenhöhe und bin selbst sehr neugierig und offen für alle möglichen Forschungsideen oder Therapien aus dem Bereich Frauengesundheit (#alwayslearning). 

Gerade erarbeite ich gemeinsam mit Kolleginnen Protokolle für klinische Studien, die ich gern in Zukunft durchführen würde, z. B. zur Ohr-Akupunktur nach dem NADA-Protokoll und möglichen Effekten auf die Zyklusgesundheit. Die Ohr-Akupunktur nach dem NADA-Protokoll ist ein einfaches, standardisiertes und wirkungsvolles Verfahren, um Körper und Geist zur Regulation anzuregen. Sie wird wohlwollend und respektvoll angewendet und findet typischerweise als Akupunktur-Behandlung in der Gruppe statt. 

Außerdem bin ich an der Planung eines Symposiums zur Frauengesundheit an der UW/H für das Sommersemester 2027 beteiligt – da kann ich allerdings noch nicht ganz so viel verraten. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft an der UW/H und gibt es etwas, das Sie gerne ändern möchten?

Was mich in meinem Studium geprägt hat, war die Freiheit: Zeit zu haben für das Musizieren bei Ingo im Orchester, für Exkursionen mit dem IBAM und für Seminare an tollen Orten (wie zur rhythmischen Massage in Graz). 

Ich wünsche mir, dass das Studium wieder mehr Freiraum bietet für die Persönlichkeitsentwicklung, für Kreativität und Reflexion – und nicht so ein vollgepackter, durchstrukturierter Lern- und Prüfungskatalog ist, wie es an den konventionellen Universitäten der Fall ist. 

Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht an der UW/H arbeiten?

Mich begleitet die Musik auch weiterhin intensiv: Regelmäßig treffe ich meine über 100 Freunde aus der STÜBAphilharmonie für Proben und Konzerte, manchmal gehen wir auch gemeinsam auf Tour. Dafür geht dann auch mal der Jahresurlaub drauf. Vielleicht bin ich danach etwas weniger erholt – dafür aber erfüllt von vielen besonderen Erlebnissen und Begegnungen. 

An den Wochenenden unterrichte ich auch gern die Ohr-Akupunktur nach dem NADA-Protokoll. Ich bin so begeistert von diesem Therapie-Tool, dass die gemeinsamen Seminare mit Menschen, die die Technik erlernen wollen, richtig Spaß machen, erfüllend sind – und natürlich auch super entspannen, da wir gegenseitig üben und durch die Akupunktur den Vagusnerv aktivieren. 

Außerdem bin ich gern in der Natur – je voller der Kopf ist, desto häufiger. Beim Spazieren im Grünen kann ich die Gedanken sortieren, oft entstehen dabei auch viele gute Ideen oder der „Knoten im Kopf“ löst sich. 

Was ist das Kurioseste oder Bemerkenswerteste, das Sie je an der UW/H erlebt haben?

Mir sind die großen Konzerte mit Chor und Orchester in der großen Halle als bemerkenswerte Erlebnisse in Erinnerung: Wenn Musik die Uni erfüllt und dabei so viele Menschen (egal ob beim Lauschen oder Musizieren) verbindet. Der Glanz der Weihnachtskonzerte ist eine tolle Erinnerung. 

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