Zeitordnungen des Lebens

Vom 30.04. - 02-05.2026 findet der Kongress „Zeitordnungen des Lebens" des Integrierten Begleitstudiums Anthroposophische Medizin (IBAM) von Prof. Dr. Friedrich Edelhäuser, Georg Soldner, Prof. Dr. Thomas Fuchs statt.
Die naturgegebene Zeitlichkeit des Lebendigen ist in erster Linie durch zyklische Prozesse und Rhythmen gekennzeichnet, die auch im subjektiven leiblichen Erleben zum Ausdruck kommen. Das gilt etwa für den Herzschlag, die Atmung, den Schlaf-Wach-Rhythmus oder die Tagesperiodik der Hormonausschüttung. Zyklisch wiederholen sich auch Trieb und Befriedigung, Bewegung und Ruhe, Verausgabung und Erholung.
Dieser zyklischen Struktur der gelebten Zeit gegenüber steht die Ordnung der linearen (Uhr-)Zeit, die sich in der Naturwissenschaft und Lebenswelt westlicher Gesellschaften seit der Neuzeit zunehmend etabliert hat. Diese ist charakterisiert durch eine wachsende Beschleunigung, Aufhebung von Rhythmen und den Verbrauch der natürlichen Ressourcen, die den Lebensprozessen zugrunde liegen. Die monetär getriebene Wachstumsdynamik der globalen Marktwirtschaft bildet eine wesentliche Triebkraft dieser Beschleunigung. Die grundsätzliche Spannung der beiden Zeitordnungen führt nun zu globalen Konflikten und ökologischen Krisen ebenso wie zu individuellen Überforderungen, für die Burn-out-Syndrome und Depressionen als Beispiele stehen können.
Dem zyklischen ebenso wie dem linearen Zeitprinzip steht als drittes die präsentische Zeit gegenüber, die Zeit der Gegenwart und der Gegenwärtigkeit. Sie resultiert aus einer Aufhebung einseitig kausal oder final bestimmter Prozesse, in denen Vergangenheit oder Zukunft das Erleben dominieren. Dies geschieht besonders in Situationen der Begegnung, der Muße, des Ankommens und Verweilens, aber auch des „Flows“, also der geschickt vollzogenen Tätigkeit, bei der sich das Zeitempfinden im flüssigen Vollzug verliert. In solchen Situationen erfährt das Individuum eine wechselseitige Resonanz mit Anderen, mit seiner Umwelt, es öffnet sich für das Begegnende, so dass etwas Neues oder Kreatives entstehen kann.
Die Spannung und Dialektik der drei Zeitprinzipien ist einerseits eine zentrale Ursache verschiedener Krisen, mit denen wir in der Gegenwart konfrontiert sind. Andererseits eröffnet sie, recht verstanden, die Möglichkeit eines Ausgleichs und einer Synthese, die für den Einzelnen, für Gemeinschaften und Institutionen ebenso wie für die Gesellschaft insgesamt eine lebensgemäßere Zeitordnung erlaubt.
Der Kongress hat zum Ziel, die Dialektik der drei Zeitprinzipien zunächst grundsätzlich zu untersuchen, um sich dann ihrer konkreten Ausgestaltung insbesondere in der Medizin, in der Pädagogik, in Studium und biographischer Entwicklung zu widmen. Dabei wird es um Konflikte, Krisen ebenso wie um Potenziale und Veränderungsmöglichkeiten der Zeitordnungen gehen.
Des Weiteren können die Teilnehmenden sich auf Beiträge unterschiedlicher Gäst:innen freuen. Darunter Prof. Dr. Emil Angehrn, Dr. med. Marion Debus, Prof. Dr. med. Friedrich Edelhäuser, Prof. Dr. med. Eckhard Frick, Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Dr. David Hornemann, M.Sc. Natalie Hurst, Prof. Dr. Stephan Lessenich, Prof. Dr. med. Giovanni Maio, PD Dr. med. Rosa Michaelis, Prof. Dr. Hartmut Rosa, Georg Soldner, und Prof. Dr. Christian Tewes.
Teilnahmekosten:
Normalpreis: 160 Euro.
Für Mitarbeitende der UW/H: 80 Euro
Studierende: 40 Euro.
Um Anmeldung wird gebeten. Weitere Informationen stehen im Programm.