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Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin

Profil

Der Gerhard Kienle Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin ist ein von der Software AG Stiftung in Darmstadt finanzierter Stiftungslehrstuhl an der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke. Er ist am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke angesiedelt, einem bekannten, modernen anthroposophisch orientierten 440-Betten-Akutkrankenhaus.

PD Dr. Gerhard Kienle (1923 – 1983) war der Hauptgründer des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke (1969) und der Universität Wittern/Herdecke (1982), der ersten privaten Universität Deutschlands, und er hat maßgeblich zur gesetzlichen Verankerung von Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophischer Medizin im deutschen Arzneimittelgesetz von 1976 beigetragen. Er war Neurologe, Privatdozent und anthroposophischer Arzt, und er setzte sich wissenschaftstheoretisch frühzeitig für eine zukunftsfähige Reform der Medizin ein.

Im Zentrum dieser Reform soll nicht die formalisierte Wissenschaft stehen, sondern primär die persönliche Hilfeleistung für den individuellen hilfsbedürftigen Menschen. Dazu dienen die verschiedenen Wissenschaften. Um diesem Ziel gerecht zu werden, braucht es ein Medizinstudium, das insbesondere auch die Urteilsfähigkeit, die persönliche Empathie und die ethische Persönlichkeitsentwicklung der Ärzte fördert, und eine Erkenntnis- und Behandlungsmethodik, die neben der quantifizierbaren materiellen Körperlichkeit gleichwertig auch das Spezifische von Lebensvorgängen, das Seelische und die geistige Individualität des Menschen berücksichtigt.

Beiträge für eine solche Entwicklung der Medizin können durch die auf Goethe (1749 – 1832) zurückgehende naturwissenschaftliche Erkenntnismethodik und durch die von Rudolf Steiner (1861 – 1925) begründete empirischen Geisteswissenschaft oder Anthroposophie geleistet werden, indem diese Wissenschaftsformen nicht von theoretischen Modellvorstellungen ausgehen, sondern von den tatsächlich beobachtbaren Phänomenen in Mensch und Natur. Die Anthroposophische Medizin arbeitet in diesem Sinn durch die differenzierte Berücksichtigung von physischen, lebendigen, seelischen und geistig-spirituellen Aspekten des Menschen für eine ganzheitliche Erweiterung der naturwissenschaftlichen Medizin und hat in ihren Krankenhäusern, Therapeutika und Arztpraxen ein hohes Maß an Integrativer Medizin erreicht.

Die verschiedenen Seinsbereiche des Menschen erfordern eine Wissenschaftsmethodik, die seinen Phänomenen gerecht wird und die sich komplementär zu einer Ganzheitserkenntnis des Menschen ergänzen. Humanmedizin ist deswegen notwendigerweise multiperspektivisch. Sie erfordert nicht eine, sondern eine im Wesen des Menschen bedingte Pluralität von Wissenschaftsmethoden. Für den Wissenschaftspluralismus hat sich nach PD Dr. med. Gerhard Kienle insbesondere der 2009 emeritierte Inhaber des Gerhard Kienle Lehrstuhls, Prof. Dr. med. Peter Matthiessen eingesetzt. Er hat auch maßgeblichen Anteil an der Begründung des im Herbst 2000 ins Leben gerufenen Dialogforum Pluralismus in der Medizin, das sich die Aufgabe gestellt hat, innerhalb der Ärzteschaft einen kritischen Dialog zwischen den unterschiedlichen Richtungen in der Medizin einzuleiten, in denen unterschiedliche medizinische Perspektiven verfolgt werden.

An der Universität Witten/Herdecke sind auf den genannten Grundlagen seit 2004 durch das Integrierte Begleitstudium Anthroposophische Medizin (IBAM) und durch die am Gemeinschaftskrankenhaus seit 2007 eingerichtete Ausbildungsstation modellhafte, international einmalige integrativ-medizinische Ausbildungsgänge für Medizinstudierende  geschaffen worden, die nach modernsten bildungsdidaktischen Kriterien durchgeführt und wissenschaftlich evaluiert werden.

Der Gerhard Kienle Lehrstuhl hat einen Schwerpunkt in Anthroposophischer Medizin, aber vereinigt im Institut für Integrative Medizin (IfIM) der Universität auch andere Verfahren der Komplementärmedizin. Bisher sind dies die Homöopathie, Osteopathie und Traditionelle Chinesische Medizin. Die gesamte Forschung und Lehre im Bereich Komplementärmedizin wird im Institut für Integrative Medizin gebündelt. Der von Prof. Dr. med. Peter Heusser geleitete Gerhard Kienle Lehrstuhl übernimmt dabei die Führungs- und Koordinationsrolle. Das Ziel des Institutes ist die nachhaltige Entwicklung von tragfähigen Lehr- und Forschungsprojekten zur Komplementärmedizin mit wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz sowie deren Integration in die anderen Forschungsbereiche der Universität Witten/Herdecke. Besonderer Wert wird auf die Kooperation mit anderen Lehrstühlen und Instituten der Universität Witten/Herdecke sowie anderen Universitäten im internationalen Kontext gelegt.

Zusätzliche Information

Kontakt

Marina Frieben
Sekretariat
Tel.: +49 (0)2330 / 62 4761

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