Silhouette Universität Witten/Herdecke
Studium

Theaterverein der UW/H

Mehr als zwanzig Jahre ist es her, dass sechs spielfreudige Studierende Blanche Kommerell baten, mit ihnen „Die kahle Sängerin“ von Ionesco zu erarbeiten. Niemand ahnte damals, wie weit sich diese Arbeit fortsetzen sollte. Seither hat die gemeinsame Liebe zum Spielen unterschiedlichste Stücke auf die Bühne gebracht.

Eine Frage hat die Theaterarbeit an der UW/H immer begleitet: Warum sollen sich Laien - wenn auch noch so ambitionierte - mit Aufgaben mühen, an denen andernorts ausgebildete Schauspieler scheitern? Noch dazu, wenn es sich bei diesen Laien um Studierende handelt, von denen man meinen müsste, dass sie mit der Bewältigung ihrer eigenen Fächer genug zu tun hätten. Die spontane Antwort, die wahrscheinlich viele geben würden, lautet: Es macht Spaß, Theater zu spielen! - Also entlarvt sich das, was sich erwartungsträchtig „Theater der Universität Witten/Herdecke“ nennt, als ein bloß dilettantisches Freizeitvergnügen?

Tatsächlich geht es bei dem Theater laut der Projekt-Verantwortlichen Blanche Kommerell, die seit 1990 einen Lehrauftrag für Sprache und Schauspiel an der UW/H innehat, nur unter anderem um den Spaß am Spiel: „Viel wichtiger war und ist das gemeinsame Entdecken der eigenen Persönlichkeit, das Abenteuer, aus einem Buchstabenwust eine Inszenierung mit Menschen entstehen zu lassen, den Dichter zu erforschen und überhaupt das Zusammenspiel der Mitwirkenden. Die Aufführung war zwar das Endergebnis, aber nicht der Zweck. Eine Arbeit war es mit dem Weg als Ziel.“

Trotzdem sind im Laufe der Zeit einige beeindruckende Inszenierungen geboten worden. Gespielt wurden unter anderem Klassiker wie Shakespeare, Goethe, Brecht und Thomas Mann, aber auch neuere Stücke, beispielsweise „Beaten“ von Ailís Ní Ríain oder „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ von Peter Handke.

Im Jahr 1993 wurde die Theatergruppe offizieller Teil der Fakultät für Kulturreflexion – Studium fundamentale. 2006 wurde der Theaterverein der UW/H gegründet, der aus ehemaligen Studierenden der Theatergruppen aller Jahrgänge besteht, die es den aktuellen Studierenden ebenfalls ermöglichen wollten, ihre positiven Erfahrungen mit der Theaterarbeit zu erleben. Durch die Gründung des Vereins wurde es möglich, für Inszenierungen Spenden anzunehmen, die für Kostüme und alle Ausgaben gebraucht werden. „Allen Ehemaligen dafür ein großes Dankeschön“, sagt Blanche Kommerell.

Das Theater ist immer wieder eine Entdeckungsreise. Nicht nur einen Autor, nicht nur dessen Texte, nicht nur dessen Zeit lernen wir kennen, sondern auch uns selbst – unsere Besonderheiten, unsere Art uns zu bewegen, zu sprechen, zu sein. Überhaupt wird unsere Wahrnehmung für alles uns Umgebende geschult. Und alles Theater ist auch ein Handwerk, das erlernt werden will, wie jedes Können, auf jedem Gebiet.
Im Training wird vor allem an handwerklichen Fertigkeiten gearbeitet, wie Wahrnehmung  der sprachlichen und körperlichen Ausstrahlung, Raumbewusstsein wird geschult, und in Improvisationen und Szenenstudium Theater gespielt. Und am meisten Spaß macht nach allem Handwerklichen das Miteinanderspielen – das auf der Bühne sein in einem Stück mit einer gearbeiteten Rolle in einer anderen Zeit, einer selbst geschaffenen Welt.
Im Laufe der Zeit sind so einige beeindruckende Inszenierungen geboten worden. Gespielt wurden unter anderem Klassiker wie Shakespeare, Goethe, Brecht und Thomas Mann, aber auch neuere Stücke, beispielsweise „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ von Peter Handke oder Bearbeitungen von Texten von Christa Wolf.

Die letzten Aufführungen unter der Leitung von Blanche Kommerell:
2012
„Die Liebe ist ein Kind“ Sonette von William Shakespeare, Gastspiel auf den Shakespearetagen in Weimar
„Krankenzimmer Nr. 6“ von Anton Tschechow
Szenische Lesung: „Tschechow, meine Liebe“ von Lydia Awilowa
„Gut ist es, hier zu leben“ Szenen aus „Die Möwe“, „Onkel Wanja“, „Der Kirschgarten“ und „Das Duell“ von Anton Tschechow
2011
„Penthesilea“ von Heinrich von Kleist
Matinee: Penthesilea und Achill in Christa Wolfs „Kassandra“
„Kein Ort. Nirgends.“ Eine fiktive Begegnung zwischen Karoline von Günderrode und Heinrich von Kleist
2010
„Über das Marionettentheater“ Lesung mit Texten von Heinrich von Kleist
„Kein Ort. Nirgends“ Heinrich von Kleist in seinen Briefen und Texte aus dem gleichnamigen Buch von Christa Wolf
2009
„Ein freier Platz“ von Peter Handke
„Buddenbrooks“ von John von Düffel
2008
„Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ von Peter Handke
2007
„Gehen“ Benn, Brecht, Beckett in einer Szenen-Collage
„Woyzeck“ von Georg Büchner
2006
„Brennende Finsternis“ von Antonio Buero-Vallejo
2005
„Kunst“ von Yasmina Reza
2004
Liebeslyrik-Abend
Schiller-Collage
Droste-Hülshoff-Abend mit Tanz (Christine Brunel)
2003
Brecht-Gedichtabend
„Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertold Brecht

Improvisation

Was ist Improvisationstheater? Menschen treffen aufeinander, ohne vorher zu wissen, was passiert. So ist es auch im echten Leben, nur dass dort alles, was wir tun, Konsequenzen hat. Nicht so im Theater. Hier ist alles Spiel. Alles wird möglich, vorausgesetzt wir nehmen das, was gerade da ist, an. Raus aus der Beurteilung – rein ins Spiel! Wir spielen mit Allem und Nichts, mit dem ersten Impuls, mit dem Körper und mit den Anderen. Einen Rahmen bilden Wahrnehmungs- und Konzentrationsübungen, Körperarbeit und Schauspieltechniken. Wir entdecken unsere Spontaneität und Phantasie, den Spaß am Moment. Gleichzeitig orientieren wir uns an handfesten Regeln, die es braucht, um eine Geschichte voranzutreiben und authentisch zu erzählen.

Informationen über Blanche Kommerell:
Homepage von Blanche Kommerell
Blanche Kommerell bei Wikipedia

Interview mit Blanche Kommerell über den Bereich Theater an der UW/H