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BildungsChancen
Trotz aller Bemühungen und bereits unternommenen Anstrengungen ist unser Bildungssystem nicht gerecht. In Deutschland bestimmt nach wie vor in der Regel die soziale Herkunft auch die berufliche Zukunft. Dass ein Schüler aus einer Familie mit akademischem Hintergrund dreimal mehr Chancen hat, auf das Gymnasium zu kommen, als sein Klassenkamerad aus einer Arbeiterfamilie oder einer Familie mit Migrationshintergrund ist nach wie vor ein Skandalon unserer so genannten Bildungsrepublik.
Die Universität Witten/Herdecke möchte hier im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als „good corporate citizen“ ansetzen und in einer gemeinsamen Initiative mit dem Chancenwerk e.V. und verschiedenen weiteren kommunalen und wirtschaftlichen Akteuren aktiv einen Beitrag für mehr Bildungsgerechtigkeit in Witten und darüber hinaus leisten.
Der gemeinnützige Chancenwerk e.V. wurde 2004 von Murat Vural und weiteren türkischen Studierenden mit dem Ziel gegründet, Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund auf ihrem Bildungsweg zu fördern. Das Erfolgskonzept des Modells SHS² basiert auf einem so einfachen wie effizienten Prinzip: Studierende helfen Schülern und Schüler helfen Schülern. Seit 2011 engagieren sich UW/H-Studierende in der Initiative "BildungsChancen" für diese Idee.
Die Besonderheit von SHS² besteht in dem zugrunde liegenden Ansatz „Hilfe nehmen und geben“. Die Oberstufenschüler einer Schule erhalten kostenlose studentische Intensivförderung mit Blick auf bevorstehende Abschlussprüfungen. Als Gegenleistung dafür werden sie in der Hausaufgabenbetreuung für jüngere Schüler eingebunden. Auf diese Weise werden neben den fachlichen auch die sozialen Kompetenzen und das bürgergesellschaftliche Engagement der Schüler gefördert. Jenseits der schulischen Verbesserung geht es immer auch darum, Schülern Lebensperspektiven aufzuzeigen, sie bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu fördern und bei der Übernahme von Verantwortung zu unterstützen. Durch den frühzeitigen Kontakt zwischen Studierenden und Schülern und die Möglichkeit, im Rahmen eines individuellen „Schnuppertags“ das Studentenleben an der UW/H kennen zu lernen, werden zudem Hemmschwellen überwunden und der Übergang von der Schule zu Studium und Beruf erleichtert. Aufgrund der Flexibilität des Konzepts SHS² ist es Chancenwerk ebenfalls möglich, gymnasiale Oberstufenschüler schulformübergreifend in den Betreuungen für Real- und Hauptschülern einzusetzen. Dadurch lernen die beteiligten Schüler auch andere soziale und kulturelle Milieus persönlich kennen, so dass hier wechselseitige Vorurteile und Berührungsängste abgebaut werden können.
Seit Anfang 2011 ist Chancenwerk an der Holzkamp-Gesamtschule in Witten aktiv, was den Anlass für die Universität Witten/Herdecke bildete, die Aktivitäten des Chancenwerks engagiert vor Ort zu unterstützen. Im März 2011 hat sich unter der Leitung von Sait Dag und Michael Egermann (dritter Verantwortlicher ist mittlerweile Julian Geipel) die studentische Initiative „BildungsChancen“ gegründet mit dem Ziel, die Bildungschancen der benachteiligten Gesamtschüler zu verbessern. Dazu stellte sich die studentische Initiative auf dem so genannten „Markt der Möglichkeiten“ ihren Kommilitonen vor, wo sich direkt rund 20 Studierende meldeten, die das Projekt seitdem tatkräftig unterstützen und nach entsprechender Qualifizierung die Betreuung von Schülern der Holzkamp-Gesamtschule übernommen haben. In enger Abstimmung mit dem Chancenwerk sollen nach und nach weitere Schulen in Witten und Umgebung sowie regional ansässige Unternehmen für diese Bildungsidee gewonnen werden, die das Programm auch finanziell unterstützen. Da es sich beim Chancenwerk um einen sozial unternehmerisch tätigen Verein handelt, werden eingeworbene Mittel direkt in den weiteren Ausbau investiert. Ziel ist es, Witten als Stadt der Bildungschancen zu etablieren. Auch die Stadt Witten unterstützt das Projekt in Person der Bürgermeisterin Sonja Leidemann.
Hier erhalten Sie weitere Informationen zum Verein Chancenwerk.
Ansprechpartner:
Michael Egermann, michael.egermann@uni-wh.de.
Julian Geipel, julian.geipel@uni-wh.de.



