Presse
Meldung vom 21.10.2021
UniversitätWirtschaft und Gesellschaft

Arbeit zum Thema „Transformation des Wirtschaftswachstums“ ausgezeichnet

Foto_Tobias_Vogel_Koerber_Stiftung.jpg
Tobias Vogel | Foto: Körber-Stiftung/David Ausserhofer

Arbeit zum Thema „Transformation des Wirtschaftswachstums“ ausgezeichnet

Laut Dr. Tobias Vogel, Wissenschaftler an der Universität Witten/Herdecke, gibt es eine Alternative zur Abkehr vom Wirtschaftswachstum – ohne verheerende Folgen für Mensch und Umwelt

Wie kann man es schaffen, Wohlstand zu sichern, aber auch dem Klimawandel entgegenzuwirken? Diese Frage beschäftigt nicht nur Politikerinnen und Politiker – etwa aktuell bei den Koalitionsverhandlungen – sondern auch die Geistes- und Wirtschaftswissenschaften. Denn mit den Bedingungen für einen weniger radikalen Weg aus der Krise setzte sich ebenfalls der Philosoph Tobias Vogel in seiner Doktorarbeit („Grundlegung einer Kritischen Theorie des Wirtschaftswachstums“) auseinander. Diese hatte unter anderem der ehemalige Wittener Professor Reinhard Loske begutachtet, der für seine Bücher zur Klimapolitik und als Vertreter der Grünen im Bundestag bekannt geworden war. Die Arbeit ist derart herausragend, dass sie unter knapp 700 Bewerbungen mit dem Zweiten Preis beim diesjährigen Deutschen Studienpreis der Körber Stiftung in der Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus ist sie als Buch im Metropolis Verlag erschienen.

 „Der rapide fortschreitende Klimawandel nährt Zweifel daran, ob das vorherrschende Wohlstandsmodell dauerhaft mit ökologischer Nachhaltigkeit vereinbar ist“, sagt Tobias Vogel. „Bezweifelt wird auch, ob weiteres Wirtschaftswachstum in bestehenden Wohlstandsgesellschaften noch etwas zur Lebensqualität beiträgt.“ Für eine wie in Deutschland auf Wachstum basierende soziale Marktwirtschaft haben diese Zweifel gravierende Konsequenzen: Ihre Legitimationsbasis droht zu erodieren, wenn sie ökologisch nicht zukunftsfähig ist und ihr Wohlstandsversprechen nicht mehr überzeugt. Zudem werden gegenwärtige soziale Spaltungstendenzen durch eine polarisierte Debatte rund um das Wachstum verschärft. Denn auf der einen Seite scheint es, dass das Wachstum für die gegenwärtigen Probleme verantwortlich ist, auf der anderen Seite wird es als ihre Lösung betrachtet: Erst mit dem steigenden Wohlstand wurden die planetaren Belastungsgrenzen systematisch überschritten und zugleich ist es nur finanzstarken, innovativen Volkswirtschaften möglich, eine flächendeckende Energiewende zu vollbringen.

Transformation statt Stillstand

Wachstum kann die Lebensqualität mindern, wenn Menschen neue Effizienzpotenziale stets voll ausschöpfen müssen, um nicht zurückzufallen. Ebenso kann es zur Erwärmung des Planeten beitragen, solange Treibhausgasemissionen in Produktion und Konsum mehr Vorteile bringen als deren Einsparungen. In seiner Dissertation ordnet Tobias Vogel die negativen Konsequenzen des Wachstums in die Komplexität gegenwärtiger Gesellschaften ein und erschließt dadurch Ambivalenzen sowie neue Spielräume für die Wachstumsdebatte. Das Überraschende dabei: „Daraus folgt keineswegs die Forderung nach einer generellen Wachstumsabkehr, sondern nach einer konsequenten Wachstumstransformation, die gegebenen Wachstumsproblemen entgegenwirkt, ohne etablierte Errungenschaften zu gefährden“, erklärt der Autor.

Um das zu schaffen, sieht er die technologische Innovationsfähigkeit des Wachstums als eine wichtige Voraussetzung an, damit die gegenwärtigen Herausforderungen bewältigt werden können. Darüber hinaus bedürfe es eines Abbaus sozialökonomischer Ungleichheiten, eines robusteren Bestands an öffentlichen Gütern, eines viel stärker ökologisch eingerahmten Welthandels sowie verschiedener Formen zivilgesellschaftlicher Selbstorganisation und nicht zuletzt moderater Wachstumspfade im globalen Maßstab. „Da sich allem voran die Klimakrise rasant verschärft, ist eine politisch anschlussfähige Wachstumstransformation nicht nur ein wünschenswertes Ziel für die Zukunft, sie ist vor allem mit zeitlicher Dringlichkeit geboten“, resümiert Tobias Vogel.

Zur Person

Tobias Vogel hat an der Ruhr-Universität Bochum Philosophie und Geschichte studiert und promovierte 2020 an der Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft am Lehrstuhl für angewandte Ethik bei Prof. Dr. Klaus Steigleder. Er arbeitet seit 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für praktische Philosophie von Prof. Dr. Matthias Kettner an der Universität Witten/Herdecke.

Originalveröffentlichung

Tobias Vogel: Grundlegung einer Kritischen Theorie des Wirtschaftswachstums. Normative Maßstäbe und kausale Zurechenbarkeit von Wachstumsproblemen, Metropolis Verlag, Marburg, 2020, 270 Seiten, ISBN 9783731614586

Der Deutsche Studienpreis

Der Deutsche Studienpreis will deutsche Promovierte auszeichnen, die eine fachwissenschaftliche exzellente Promotionsarbeit mit besonderer gesellschaftlicher Bedeutung angefertigt haben. In den Sektionen Geistes- und Kulturwissenschaften, Natur- und Technikwissenschaften und Sozialwissenschaften werden jeweils ein Erster Preis und zwei Zweite Preise vergeben.

Übersicht

Bereich:
UniversitätWirtschaft und Gesellschaft
Pressekontakt:

Weitere Informationen:
Dr. Tobias Vogel
Lehrstuhl für praktische Philosophie
Universität Witten/Herdecke
Tel.: +49 2302 926-811
E-Mail: tobias.vogel@uni-wh.de

Ansprechpartner Presseteam: Katrin Schubert unter 02302/926-858 oder Katrin.Schubert@uni-wh.de.

 

 

Über uns:

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.700 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

www.uni-wh.de / blog.uni-wh.de / #UniWH / @UniWH

Die Universität Witten/Herdecke ist durch das NRW-Wissenschaftsministerium unbefristet staatlich anerkannt und wird – sowohl als Institution wie auch für ihre einzelnen Studiengänge – regelmäßig akkreditiert durch: