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Nachricht vom 13.01.2022
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Habilitation vollendet: Historiker Thomas Urban hält seine Antrittsvorlesung an der Universität Leipzig

Thomas Urban (Foto: Privat)
Thomas Urban (Foto: Privat)

Habilitation vollendet: Historiker Thomas Urban hält seine Antrittsvorlesung an der Universität Leipzig

Dr. Thomas Urban, ehemaliger Stipendiat am Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) an der Universität Witten/Herdecke, schließt Habilitationsverfahren ab.

Die Fakultät für Geschichte, Kunst- und Regionalwissenschaften der Universität Leipzig hat Dr. Thomas Urban im Dezember des vergangenen Jahres die Lehrbefähigung erteilt. In seiner Antrittsvorlesung referierte der Wissenschaftler über das koloniale Dänemark vom 17. bis 20. Jahrhundert.

Den Kern des nun abgeschlossenen Habilitationsverfahrens bildete eine Studie, die Thomas Urban über mehrere Jahre mit Unterstützung der WIFU-Stiftung durchführte. Ausgangspunkt war die Frage, was ein Unternehmen braucht, um Krisen zu überstehen und langfristig krisenfest zu werden. Am Beispiel von acht Unternehmerfamilien und auf Basis historischer Quellen ging der Historiker dieser Frage auf den Grund. In der Studie wurden erstmals die Ressourcenausstattungen und Handicaps von Unternehmerfamilien historisch fundiert herausgearbeitet und in Beziehung zu ihrer Resilienz (Krisenfestigkeit) gesetzt. Die Verknüpfung von Ressourcen und Resilienz lässt fünf wesentliche Schlüsse zu: Erstens verfügen krisenfeste Unternehmerfamilien über eine spezifische, auf Langfristigkeit angelegte „Ressourcen-Ökonomie“. Zweitens handelt es sich bei allen Eigenschaften, Fähigkeiten und Strukturen, die Unternehmerfamilien zur Verfügung stehen können, um erschöpfliche, doch zugleich erneuerbare Ressourcen, wobei dem Vertrauen eine Schlüsselrolle zukommt. Drittens hängen Ressourcen-Ökonomie und Resilienz von der Art und Struktur der jeweiligen Belastungsszenarien ab. Viertens wird die Unvollkommenheit und Widersprüchlichkeit beschrittener „Erntepfade“ von Ressourcen im Zeitverlauf deutlich. Fünftens wird die Resilienz der Unternehmerfamilie nicht von einzelnen Personen oder dem Unternehmen als Organisation, sondern entscheidend von einem die Generationen überspannenden „Familienfaktor“ geformt.

„Die Arbeit zeigt deutlich, dass krisenfeste Unternehmerfamilien in der Lage sind, so etwas wie eine zeitliche Rundumsicht einzunehmen“, resümiert Urban. „Kluge Mitglieder der Unternehmerfamilie besitzen ein Gespür für (drohende) Erschütterungen und können somit gewissermaßen den Ereignissen vorausdenken. Dies macht sie zu Seismografen der Krise. Eine dauerhafte Krisenfestigkeit lässt sich erreichen, wenn es der Unternehmerfamilie gelingt, Strategien, Lerneffekte und Verhaltensmuster ohne eine schädliche Wirkung in das Familiengedächtnis einzulagern.“

„Das Geheimnis der Langlebigkeit von Familienunternehmen beschäftigt das WIFU seit seiner Gründung 1998“, sagt Prof. Dr. Arist von Schlippe, der die Studie von Seiten des WIFU mit begleitete. „Mit der Arbeit von Thomas Urban bekommt die Forschung eine besondere Tiefe in der zeitlichen Dimension. Diese Tiefe wird nur durch eine Forschung möglich, die die Grenzen der jeweiligen Fachdisziplinen konsequent überschreitet.“

Die Studie „Zwischen seismografischem Spürsinn und Sinnverlust – Unternehmerfamilien im krisenreichen 20. Jahrhundert“ wird derzeit für die Publikation vorbereitet.

 

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